Basel

Die Messe Schweiz steckt tief in den roten Zahlen

sda

Von sda

Sa, 23. März 2019 um 09:31 Uhr

Wirtschaft

Nach einem Minus von 110 Millionen Franken im Vorjahr muss die Basler Messebetreiberin 2018 sogar einen Verlust von 190 Millionen verbuchen. Die Aktionäre müssen auf ihre Dividende verzichten.

Die Messebetreiberin MCH hat 2018 einen Verlust von 190,4 Millionen Franken eingefahren. Bereits im Vorjahr waren die Zahlen mit 110 Millionen tiefrot ausgefallen. Der Verwaltungsrat beantragt deswegen, dass die Aktionäre auf eine Dividende verzichten. Diese müssen sich zudem auf ein weiteres Verlustjahr einstellen.

MCH musste 132,3 Millionen auf die Messehallen abschreiben, wie die Gruppe am Freitag mitteilte. Sie hatte bereits angekündigt, dass eine Korrektur anfallen werde, die einen Jahresverlust in dreistelliger Millionenhöhe nach sich ziehen könnte. In der operativen Geschäftstätigkeit weist MCH ein Minus von 17,6 Millionen Franken aus. Bei einer erneuten Gewinnwarnung hatte die MCH davor gewarnt, dass sie vor Sondermaßnahmen ein negatives Ergebnis von mindestens 14 Millionen Franken erwarte.

Grund war der schwache Verlauf mehrerer Messen. Zudem legte die MCH im abgelaufenen Geschäftsjahr 40,5 Millionen Franken für Restrukturierungskosten zur Seite, unter anderem Abschreibungen von Sachanlagen bei der Baselworld und der Grand Basel sowie Rückstellungen für bereits eingeleitete strukturelle und organisatorische Maßnahmen. Wie im Januar bekannt wurde, entlässt MCH 35 Mitarbeiter.

Die Sondermaßnahmen ließen das Polster der Gruppe zusammenschmelzen: Von den 233,7 Millionen Franken an Eigenkapital per Ende 2017 sind nur noch 56,9 Millionen übrig. Die Eigenkapitalquote sank damit auf 11,4 von 34 Prozent. Auf die flüssigen Mittel hätten die Maßnahmen aber keinen Einfluss.

Allerdings gab es auch Lichtblicke: So ließen vor allem die erstmalige Ganzjahres-Konsolidierung der amerikanischen MC2-Gruppe, die Beteiligung an der Masterpiece London sowie die starken Art Basel Shows und die Swissbau den Betriebsertrag gegenüber dem Vorjahr um knapp sechs Prozent auf 522,8 Millionen Franken ansteigen. Allerdings reichte das nicht aus, um die Probleme bei anderen Messen zu kompensieren.

Der MCH weht schon länger ein rauer Wind entgegen: Im Zeitalter von Internet und sozialen Medien verlieren Messen an Bedeutung und Publikum. Deshalb hatte die Gruppe bereits 2017 mehr als 100 Millionen Franken auf die Messehallen in Basel abgeschrieben. Sie hoffte damals aber noch, dank Diversifikation und Internationalisierung schon von 2019 an wieder im Aufwind zu segeln.

Doch diese Hoffnung hat sich inzwischen zerschlagen. Im Sommer kam der große Knall: Die Swatch-Gruppe drehte der Baselworld den Rücken zu. Der Luxusgüterkonzern war der größte Aussteller an der Uhren- und Schmuckmesse. Die Absage stürzte die Gruppe in eine tiefe Krise. Wenige Tage nach der Hiobsbotschaft nahm der langjährige MCH-Chef René Kamm den Hut. Er wird von Bernd Stadlwieser ersetzt werden. Wann dieser antritt, ist allerdings noch unklar.

Bei der MCH bleibt kein Stein auf dem anderen: So stellt sie mehrere Messen ein. Nun sollen neue Formate ausgearbeitet werden, die etwa ab 2020 lanciert werden sollen. Bei der Baselworld konnte sich die MCH inzwischen mit dem Genfer Luxusuhrensalon SIHH absprechen. Von 2020 an finden die Anlässe neu unmittelbar hintereinander statt.

Die weitere Restrukturierung werde auf die künftige Unternehmensstrategie ausgerichtet, die zurzeit analysiert und definiert werde, hieß es am Freitag. Dieser Prozess werde auch noch das Ergebnis des Geschäftsjahres 2019 belasten. Die MCH Group rechne mit weiteren Restrukturierungskosten und einem weiteren Verlust in der operativen Tätigkeit.

MCH befindet sich zur Hälfte im Besitz der drei Kantone Basel-Stadt, Baselland und Zürich sowie der Stadt Zürich. Die Probleme der Gruppe hatten ihren Aktienkurs 2018 in den freien Fall getrieben. Sie verloren 70 Prozent an Wert.