Einzelhandel

Die Modekette Pimkie ist insolvent – Was passiert mit den Läden in Südbaden?

Philipp Peters

Von Philipp Peters

Di, 15. September 2020 um 19:21 Uhr

Wirtschaft

Der Modehandel steckt in einer Krise. Nun trifft es auch die Modekette Pimkie mit 350 Beschäftigten in Deutschland. Die Firma hat ein Sanierungsverfahren beantragt.

Die französische Modemarke Pimkie schickt ihre deutschen Läden in die Insolvenz. Framode, die Betreibergesellschaft von 75 deutschen Pimkie-Filialen, hat ein Schutzschirmverfahren beantragt. Sitz der Gesellschaft ist in Willstätt. 350 Mitarbeiter sind betroffen. Dass der stationäre Modehandel in Corona-Zeiten tief in die Krise rutscht, ist kein Einzelfall.

In einem Schutzschirmverfahren darf die Krisenfirma selbst weiter die Geschäfte führen. Framode will die Gelegenheit nun nutzen, um das Geschäft umzukrempeln. Schon länger leidet die als besonders günstig geltende Modemarke Pimkie darunter, dass vor allem junge Kunden im Internet bestellen. Vor einigen Jahren hatte Pimkie die Zahl seiner Läden bereits deutlich reduziert und viele Standorte geschlossen.

In Südbaden gibt es noch Geschäfte in Freiburg, Offenburg und Villingen-Schwenningen. Ob alle erhalten bleiben, ist unklar.

"Wir wollen in möglichst vielen Regionen mit unseren Läden präsent bleiben." Framode-Geschäftsführer Patrik van der Linden
2019 hat Framode in Deutschland nach eigenen Angaben mit 75 Filialen und seinen 350 festen Mitarbeitern einen Umsatz von 50 Millionen Euro eingespielt. Hinzu kommen noch zahlreiche Aushilfen. Diese haben jedoch im Gegensatz zu den fest angestellten Mitarbeitern keinen Anspruch auf Insolvenzgeld. Vor drei Jahren waren es noch doppelt so viele Filialen und rund 650 Mitarbeiter.

"Unter dem Schutzschirm, der bis zu drei Monate besteht, setzen wir unseren Transformationsprozess weiter um", sagt Framode-Geschäftsführer Patrik van der Linden. "Wir wollen in möglichst vielen Regionen mit unseren Läden präsent bleiben und gleichzeitig unsere digitale Präsenz konsequent ausbauen." Wie viele Läden konkret geschlossen werden, sagt er nicht. Auch in der Willstätter Zentrale könnten Stellen wegfallen. In Willstätt sind auch die Deutschlandzentralen der Modemarken Xanaka und Orsay, die wie Pimkie der französischen Unternehmerfamilie Mulliez gehören. Diese beiden Marken sind nicht von der Insolvenz betroffen.

Nicht die erste Corona-Insolvenz im stationären Modehandel

"Wir sehen sehr gute Chancen, gemeinsam mit den Gläubigern zum gegenseitigen wirtschaftlichen Vorteil eine bekannte und anerkannte Marke dauerhaft zu stärken und einen für alle Beteiligten wirtschaftlich vernünftigen Insolvenzplan zu gestalten", sagt Katrin Schröder von der Wirtschaftskanzlei Osborne Clarke. Die internationale Kanzlei berät die Framode-Geschäftsführung bei der Restrukturierung.

Pimkie ist nicht die erste Insolvenz im stationären Modehandel im Zuge der Corona-Krise. Bereits Ende März schickte der Modekonzern Esprit seine deutsche Tochter in das Schutzschirmverfahren. Esprit will in Deutschland 1000 Stellen streichen und jede zweite Filiale schließen. Der Warenhauskonzern Galeria Kaufhof folgte ebenfalls im März und kündigte die Schließung von 62 seiner 172 Standorte an. Mittlerweile hat sich die Zahl reduziert, weil etliche Vermieter die Mieten gesenkt haben. Die Häuser in Südbaden – zwei in Freiburg, dazu Offenburg und Lörrach sowie Singen– bleiben geöffnet.

Andere Modemarken mit Zahlungsproblemen sind etwa Appelrath Cüpper, Hallhuber, Picard und Jeans Kaltenbach. Die Tom Tailor Holding aus Hamburg hat die Corona-Krise genutzt, um ihre kriselnde Marke Bonita von der profitablen Hauptmarke abzukoppeln. Der chinesische Fosun-Konzern, dem die Holding mehrheitlich gehört, hat Tom Tailor nun komplett übernommen. Was aus Bonita wird, ist noch offen.