Förderung erneuerbarer Energien

Die Ökostrom-Umlage steigt leicht an

Teresa Dapp

Von Teresa Dapp (dpa)

So, 18. August 2019 um 17:57 Uhr

Wirtschaft

Die Denkfabrik Agora erwartet einen Wert für die Umlage zwischen 6,5 und 6,7 Cent je Kilowattstunde. Eine höhere Stromrechnung für Verbraucher ist wahrscheinlich.

Die Ökostrom-Förderung ist einer von vielen Bausteinen der Stromrechnung – aber sie ist besonders umstritten. Experten rechnen für das kommende Jahr mit leicht steigenden Kosten, aber bald soll es abwärts gehen.

Die Ökostrom-Umlage dürfte Experten zufolge die Strompreise im kommenden Jahr zusätzlich leicht steigen lassen. Die Denkfabrik Agora rechnet mit einem Wert zwischen 6,5 und 6,7 Cent pro Kilowattstunde – in diesem Jahr liegt die sogenannte EEG-Umlage bei 6,41 Cent. Verbraucher müssen demnach mit höheren Strompreisen rechnen, weil auch die Einkaufspreise an der Strombörse anziehen.

Steigt die Stromrechnung um 40 Euro?

Was das für die Stromrechnung genau bedeutet, ist schwer zu sagen–- das hängt davon ab, ob und wie die Stromanbieter die Teuerung weitergeben. Agora rechnet mit einem Cent mehr pro Kilowattstunde. Für einen Vier-Personen-Haushalt, der etwa 4000 Kilowattstunden im Jahr verbraucht, wären das 40 Euro mehr.

Der Strompreis für die Verbraucher setzt sich auch noch aus Netzentgelten, Stromsteuer sowie anderen Abgaben zusammen. Es könnte bald eine große Reform geben – jedenfalls ist das im Rahmen der Klimapolitik im Gespräch. Vor allem in der Union gibt es die Forderung, die EEG-Umlage abzuschaffen und die Stromsteuer zu senken, wenn ein Kohlendioxid (CO2)-Preis in den Bereichen Verkehr und Wärme Sprit, Heizöl und Erdgas teurer macht.

Alle Stromkunden müssen bisher die Ökostrom-Umlage bezahlen, über die die Ökostrom-Förderung für die Betreiber von Solar-, Windkraft-, Wasserkraft- oder Biogasanlagen finanziert wird. Für bestimmte Industriebranchen gibt es aber Rabatte. Die Netzbetreiber legen die Umlagen-Höhe jeweils zum 15. Oktober aufgrund einer Prognose der Einnahmen und Ausgaben für das Folgejahr fest.

Die Umlage dürfte den Agora-Experten zufolge steigen, weil neue Windkraftanlagen auf See von der Förderung profitieren. Als zweiten Grund sehen sie schrumpfende Überschüsse auf dem EEG-Konto, auf das die Zahlungen der Verbraucher im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) fließen–- wenn es dort Überschüsse gibt, werden diese als Rabatt auf die Umlage an die Verbraucher zurückgezahlt.

An der Börse dürfte der Strompreis zulegen

Seit ihrer Einführung 2010 stieg die EEG-Umlage meist an – zuletzt blieb sie aber relativ konstant. "Unsere Berechnungen zeigen, dass die EEG-Umlage im Jahr 2021 bei rund sieben Cent die Kilowattstunde den Kostengipfel erreicht haben wird", sagt Patrick Graichen, der Direktor von Agora Energiewende. Dann fielen nach und nach Anlagen aus der Förderung, die Umlage sinke.

Dass der Börsenstrompreis 2020 steigen dürfte, begründen die Agora-Experten mit dem Handel mit Zertifikaten für den Ausstoß von CO2, an dem die Energiewirtschaft in der EU teilnehmen muss. Er verteuert Strom aus Kohle und Gas und liegt derzeit ungefähr bei 27 Euro pro Tonne. Ein hoher CO2-Preis führt dazu, dass Kohlestrom aus dem Markt gedrängt wird, weil er sich nicht mehr rechnet.

Steigende Börsenpreise für Strom dämpfen aber gleichzeitig den Anstieg der EEG-Umlage. Wenn die Stromproduzenten an der Börse mehr für ihren Strom bekommen, stehen ihnen weniger Subventionen zu. "Ab einem CO2-Preis von 50 Euro bekommen wir eine weitgehend selbsttragende Energiewende, weg von Kohle hin zu erneuerbaren Energien", sagte Graichen. Beim Strom liegt der Anteil der erneuerbaren Energien inzwischen bei knapp 40 Prozent.

Inzwischen bekommen neue Ökostrom-Anlagen keine festgeschriebene Vergütung mehr für ihren Strom, sondern eine durch Ausschreibungen festgelegte – wer am wenigsten Förderung verlangt, bekommt den Zuschlag.