Die Qualität der Bewerbungen überzeugt alle

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Sa, 27. November 2021

Binzen

Gemeinderat hat nun vier Projekte im Rahmen des Konzeptvergabeverfahrens für den Kandergrund ausgewählt.

. Mit der so genannten Konzeptvergabe für Projekte im Baugebiet Kandergrund auf dem ehemaligen Sportplatz geht die Gemeinde Binzen völlig neue Wege. Jetzt zeigt sich, dass dieser Weg richtig ist, um ein gemischtes und qualitätvolles Quartier zu verwirklichen. Einhellig stimmte der Gemeinderat am Donnerstagabend zu, Baufelder für ausgewählte Projekte zu reservieren.

Der Kandergrund soll ein kleinteiliger, lebendiger und gemischt genutzter Ortsteil werden, in dem verschiedene Wohnformen erstellt und Gemeinschaftsflächen mit hoher Qualität entstehen sollen. Das Areal ist aufgeteilt in drei Höfe, wovon Hof 1, der von der Straße aus gesehen hinten an die bestehende Bebauung anschließt, zuerst verwirklicht wird. Bauinteressenten konnten sich mit ihren Projektideen für Grundstücke bewerben. Bereits im März hat der Gemeinderat ein Anker-Projekt vergeben. Das sieht zwei Wohngebäude in Holzhybridbauweise im KfW-40plus-Standard vor. Im einen sollen Eigentumswohnungen und ein Gemeinschaftsraum, im anderen ausschließlich Mietwohnungen mit Begrenzung auf die ortsübliche Vergleichsmiete entstehen. Daneben gruppieren sich vier Anlieger-Projekte, für die beim ausgeschriebenen "Wettbewerb der Ideen" zehn Bewerbungen eingingen. Vier hat der Gemeinderat nun ausgewählt.

Zum einen plant eine Baugemeinschaft ein Mehrgenerationenhaus mit rollstuhlgerechter Erschließung und Gemeinschaftsraum. Auf einem weiteren Baufeld soll ein Haus der Senioren mit rollstuhlgerechten Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen, Gemeinschaftsterrassen und Holzfassade entstehen. "Gesund leben am Kandergrund" heißt ein Projekt, das Arztpraxis, Ernährungsberatung und Krankengymnastik sowie ein oder zwei Wohnungen beinhaltet. Und viertens soll ein Haus komplett aus Holz entstehen, in dem eine Senioren-WG mit Ein- und Zwei-Zimmerwohnungen, Gemeinschaftsraum und Appartement für Pflegekräfte oder Gäste sowie familientaugliche Wohnungen geplant sind. An dieser Stelle hätte der Planungsentwurf auch Reihenhäuser zugelassen. Auf Nachfrage von Nadja Lützel sagte Bürgermeister Andreas Schneucker, es habe im Vorfeld zwei Bewerber gegeben, die das wollten, die sich dann aber nicht beworben hätten.

Mehrere Gemeinderäte und auch der Bürgermeister gaben zu, vorab etwas Bauchweh gehabt zu haben, was die Form der Konzeptvergabe anging. Die Qualität der Bewerbungen überzeugte aber alle. Auch Architekt Thomas Gauggle aus Tübingen, der die Vergabe begleitet, sagte: "Wir schätzen die Qualität der Bewerbungen sehr hoch ein." Gemeinderäte lobten die gute Durchmischung, das Integrative der Projekte und die soziale Komponente.

Die Grundstücke werden nun aber nicht sofort an die Bauherren verkauft. Vielmehr werden so genannte Reservierungsvereinbarungen geschlossen. Bis zum Grundstückskauf wird regelmäßig überprüft, ob in den weiteren Planungen die vergaberelevanten Punkte tatsächlich umgesetzt werden. Das hat auch für die Bauherren den Vorteil, dass das Grundstück nicht längere Zeit vor Baubeginn vorfinanziert werden muss. Für den späteren Verkauf sind aber die im Oktober 2021 durch ein Sachverständigen-Gutachten ermittelten Bodenwerte maßgeblich. Diese liegen zwischen 595 und 745 Euro pro Quadratmeter und sind seit Dezember 2019 um 11,5 Prozent gestiegen. Schneucker stellte fest, dass die Gemeinde Grundstücke nicht unter Wert verkaufen darf, er als Bürgermeister würde sich sonst strafbar machen.

Oliver Baumert regte einen Gestaltungsbeirat an, der nicht nur die sozialen, sondern auch die gestalterischen Elemente prüft. Architekt Gauggel geht davon aus, dass im Herbst 2022 die Bauanträge eingereicht und die Grundstücke verkauft werden können. Baubeginn könnte Ende 2022 oder Anfang 2023 sein. Er rechnet mit einer Bauzeit von eineinhalb Jahren und das Ziel ist, dass die Projekte gleichzeitig gebaut werden. Die Gemeinde behält sich auch ein Wiederkaufsrecht der Grundstücke nach 80 Jahren vor, und zwar zum heutigen Wert plus Inflationsausgleich.