Landwirtschaft

Die Zahl der Bauernhöfe in Deutschland schrumpft

dpa

Von dpa

Do, 21. Januar 2021 um 19:09 Uhr

Wirtschaft

Es gibt weniger Bauernhöfe in Deutschland – Betriebe werden immer größer, die landwirtschaftliche Nutzfläche bleibt fast unverändert. Das zeigt die jüngste Zählung des Statistischen Bundesamtes.

Weniger Bauernhöfe, aber dafür mehr Großbetriebe: Der Strukturwandel in der deutschen Landwirtschaft ist in den vergangenen zehn Jahren weiter vorangeschritten und hat dabei auch zu einer zunehmenden Konzentration in der Tierhaltung geführt – vor allem bei Schweinen und Geflügel. Zugleich stieg die Zahl der Ökobetriebe weiter an. Sie bewirtschaften inzwischen knapp zehn Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche.

Die genutzte Fläche nimmt nicht ab

Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte, sank die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe seit der vorangegangenen Zählung im Jahr 2010 um zwölf Prozent auf insgesamt 263.500 Betriebe. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche blieb mit einem Minus von rund einem Prozent mit 16,6 Millionen Hektar aber nahezu konstant.

Zum Vergleich: Das entspricht fast der gesamten Landesfläche der Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg zusammen; insgesamt hat die Bundesrepublik eine Fläche von rund 35,7 Millionen Hektar oder 357.000 Quadratkilometern.

2020 lag die durchschnittliche Größe der Betriebe bei 63 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche – 13 Prozent mehr als vor zehn Jahren, als ein Betrieb durchschnittlich 56 Hektar bewirtschaftete. "Damit sind die Betriebe so groß wie nie", erklärte Bundesamtsvizepräsident Christoph Unger.

Zwar bewirtschaftet der überwiegende Teil der landwirtschaftlichen Betriebe (86 Prozent) eine Fläche von maximal 100 Hektar. Im Vergleich zu 2010 sank ihre Zahl allerdings um knapp 40.100 auf etwa 225.400 Betriebe.

Die Zahl der Betriebe mit einer Fläche von mehr als 100 Hektar stieg seit 2010 hingegen um etwa 4500 auf rund 38.100 Betriebe an. Nach Angaben der Statistiker bewirtschaften damit 14 Prozent aller Betriebe 62 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland.

Insgesamt nimmt die Geschwindigkeit des Strukturwandels aber ab: Zwischen 2016 und 2020 betrug der jährliche Rückgang der Zahl der Betriebe 3000 und die Flächenzunahme pro Betrieb 0,6 Hektar – von 2010 bis 2016 waren es 4000 Betriebe und 0,8 Hektar.

Betriebe mit Tieren haben immer mehr Tiere

Der Trend zu größeren Betrieben ist auch in der Tierhaltung erkennbar: Zwar sind die Tierbestände im Vergleich zum Jahr 2010 gesunken – jedoch nicht so stark wie die Zahl der tierhaltenden Betriebe. Das führt dazu, dass es etwa in der Schweinehaltung inzwischen im Schnitt 827 Schweine pro Betrieb gibt. 2010 waren es 459 Schweine.

Auch die Spezialisierung der verbleibenden Betriebe mit Tierhaltung schreitet laut Statistischem Bundesamt voran, vor allem in Betrieben mit Geflügel- und Schweinehaltung. So stehen in den rund 10 000 Betrieben, die ausschließlich Geflügel halten, 70 Prozent des gesamten Geflügelbestandes; in den rund 14.200 Betrieben, die ausschließlich Schweine halten, gibt es 72 Prozent des Gesamtschweinebestandes.

Ungebrochen ist der Trend zur Umstellung auf den Öko-Landbau, auch wenn der Gesamtanteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche weiterhin bei weniger als einem Zehntel liegt. Von 2010 bis 2020 stieg der Anteil mit einem Zuwachs von 5,6 Prozent auf 9,6 Prozent der Gesamtfläche gleichwohl deutlich an. Die Zahl der Ökobetriebe nahm gegenüber 2010 um rund 9900 zu – ein Plus von 60 Prozent.

Die Zahl der Betriebe mit ökologischer Tierhaltung wuchs um 43 Prozent auf rund 17.500. Das sind etwa zehn Prozent aller tierhaltenden Betriebe. Bei Rindern werden inzwischen acht Prozent des gesamten Bestandes ökologisch gehalten, beim Geflügel sind es fünf Prozent und bei den Schweinen knapp ein Prozent – also weniger als eins von hundert Tieren.

In der Landwirtschaft sind in Deutschland fast eine Million Arbeitskräfte beschäftigt, genau sind es nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes 936.900. Gegenüber 2010 ist das eine Abnahme um 13 Prozent. Knapp die Hälfte davon, nämlich 436.100 Personen, waren Familienarbeitskräfte in Einzelunternehmen. Weiterhin arbeiteten 229.300 ständig angestellte Arbeitskräfte und 271.500 Saisonarbeitskräfte in den landwirtschaftlichen Betrieben. Sie kommen zur Spargel-, Erdbeer- und Weinernte ins Land.
Landwirtschaft in Baden-Württemberg

Der Wandel in der Landwirtschaft macht vor Baden-Württemberg nicht halt. Die Zahl der Agrarbetriebe im Südwesten reduzierte sich zwischen 2010 und 2020 um 11,5 Prozent auf nur noch 39 400, wie das Statistische Landesamt am Donnerstag in Stuttgart mitteilte. Basis für die Daten sind die Ergebnisse der neuen Landwirtschaftszählung. Die bisher letzte solche Zählung hatte es im Jahr 2010 gegeben. Auch damals war die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe schon rückläufig.

Besonders stark eingebrochen ist jetzt demnach der Anteil der Betriebe, die ihre Geschäfte mit der Haltung von Schweinen, Milchkühen oder Vieh machen. Die Zahl der schweinehaltenden Betriebe hat sich binnen zehn Jahren um mehr als die Hälfte (54,2 Prozent) auf nur noch knapp 4000 reduziert. Bei den Milcherzeugern beträgt das Minus 42,1 Prozent, gut 6200 Betriebe sind hier noch aktiv. Die Zahl der Betriebe mit Viehhaltung sank binnen zehn Jahren um 23,6 Prozent auf 21 500. Das hat Auswirkungen auf den Tierbestand. Die Zahl der Schweine ging um 21,9 Prozent auf 1,67 Millionen zurück, der Milchkuhbestand reduzierte sich um 6,7 Prozent auf 330 200. Zuwachs gab es bei Legehennen und Ziegen.