Die Zauberpflanze des Druiden Miraculix

Martin Frenk

Von Martin Frenk

Do, 26. November 2020

Schwanau

Misteln sind an den im Herbst blattfreien Bäumen deutlich zu sehen, sie sind Medizin und Mythos.

. Das zuletzt milde Wetter hat manchen zu Spaziergängen durch die Landschaft eingeladen, nicht wenige Menschen wunderten sich dabei über grüne Kugelgebilde in Bäumen: Es sind Misteln, die sich im Baum festgesetzt haben und jetzt an den kahlen Ästen deutlicher zu sehen sind. Sie werden gerne für Adventsgestecke oder als Weihnachtsschmuck verwendet – und weltbekannt wurde die Mistel durch die Comics von "Asterix und Obelix".

Misteln sind sogenannte Halbschmarotzer und können bis zu 70 Jahre alt werden. Sie sind immergrün und wachsen in runden Gebilden rund um die Äste der Wirtspflanze herum. Die Beeren der Mistel sind klein, weiß schimmernd und klebrig mit einem einzelnen Samen im Inneren. "Vor allem Vögel sind dafür verantwortlich, dass sich Misteln immer weiter ausbreiten. Sie fressen die Beeren und scheiden später die unverdaulichen Samen aus, die auch dann noch keimfähig sind. Durch den Mist der Vögel kleben sie auf den Baumästen und beginnen dort zu keimen", erklärt der Schwanauer Revierförster Klaus Niehüser – so bekam die Schmarotzerpflanze ihren Namen Mistel.

Die festen Wurzeln der Mistel treiben sich in den Wirtsbaum und ernähren sich fortan von dessen Wasser und Nährstoffen. Für den Baum ist der Befall mit der Mistel nicht unbedingt schädlich, da der Schmarotzer nur so viele Nährstoffe entzieht, wie er zum eigenen Wachstum braucht", sagt Niehüser.

In allen Pflanzteilen der Mistel stecken überaus heilende Inhaltsstoffe, die in der Medizin, vor allem in der Homöopathie verwendet werden. Arzneimittel mit Extrakte der Mistel sollen gegen Bluthochdruck helfen, Blutfettwerte senken, sie wird gegen Entzündungen oder Krämpfe verwendet und sollen der Arterienverkalkung vorbeugen. 2003 wurde sie sogar zur Heilpflanze des Jahres gekürt.

Auch ranken Mythen und Legenden um die Mistel. Denn sie wächst losgelöst vom Boden, hoch oben in den Baumkronen. Eine Pflanze, die ohne Verbindung zur Erde auf einer anderen Pflanze lebte, stellte bei unseren Vorfahren ein göttliches Zeichen dar. Deshalb wurde sie zur mächtigen Zauberpflanze, die im Haus aufgehängt Schutz vor Hexen, bösen Geistern und Feuer geben sollte. Insbesondere in den USA und in England gehört das Küssen unter aufgehängten Mistelzweigen zu den Weihnachtsbräuchen.

Bekannt wurde die Mistel durch den Zaubertrank in "Asterix und Obelix": Ein kleines gallisches Dorf wehrt sich gegen die zahlenmäßig überlegene römische Legion, der Trank verleiht den Galliern unglaubliche Kräfte und sorgt bei den Römern für zerbeulte Helme. Das Geheimnis des Zaubertranks kennt nur der Druide Miraculix, der dafür mit seiner goldenen Sichel Misteln erntet.