Diskussion um den Späti bringt keine Lösung

Anika Maldacker

Von Anika Maldacker

Sa, 19. Oktober 2019

Freiburg

Erstmals debattieren Nachtschwärmer, Anwohner, Stadträte und Ordnungsamt über den Konflikt rund um den Lederleplatz.

FREIBURG-STÜHLINGER. Ihr Anspruch war kein geringer: die Aufarbeitung eines konfliktgeladenen Sommers im Stadtteil Stühlinger. Die Jupi-Fraktion des Gemeinderats hatte am Donnerstag zur Diskussionsrunde in die Kneipe Egon 54 geladen. Titel: "Späti, Lederleplatz, Lärmkonflikte". Das Thema bewegt. Schon vor Diskussionsbeginn war die Bar in der Egonstraße voll, mehrere Zuhörer mussten stehen. Der Bürgerverein Stühlinger, der den "Bis Späti" kritisch sieht, hatte aus terminlichen Gründen abgesagt.

Neue Erkenntnisse gab es kaum. Das Späti-Kollektiv ist noch überwältigt vom Erfolg. "Aber es war für mich auch schwer, mit den Anfeindungen klarzukommen", sagt Esther Hauth vom Kollektiv. Teils seien Mitarbeiter des Spätis, einer Mischung aus Kiosk und Kneipe, die bis nach Mitternacht geöffnet hat, bedroht und angefeindet worden. Ordnungsamt-Leiter René Funk hat die Entwicklung im Stühlinger so wahrgenommen: "In kurzer Zeit gab es viele Beschwerden wegen Lärm, Müll und Wildpinkeln".

Die Veranstaltung war die erste politische zum Phänomen Späti und zur Entwicklung am Lederleplatz im Sommer. Die Nachtschwärmer und deren Unterstützer waren in der Überzahl, aber neben Stadträten kamen auch einige lärmgeplagten Anwohner. Eine Frau beklagt, dass ihre Tochter nicht mehr durchschlafen könne, seit der Späti eröffnet hat. "Die Leute setzen sich direkt unter unseren Balkon", sagt sie, "und wenn man sie bittet, weiterzugehen, kriegt man freche Antworten". Eine andere Anwohnerin sagt: "Der Stühlinger ist sowieso schon belebt, aber der Späti ist nicht anschlussfähig." Anders sehen das die Stadträte Sergio Schmidt und Monika Stein (GAF), die im Stühlinger wohnen und den Späti sowie die Nutzung des Lederleplatzes befürworten. "Als ich dort vorbeigelaufen bin, war ich fasziniert, wie leise es war", sagt Stein. Das Problem des Wildpinkelns, das die Anwohner neben dem Lärm bemängeln, sei zudem nicht neu, so Stein.

Vier Bußgeldverfahren gab es laut Ordnungsamt seit Juni: ein Mal wegen Müll, ein Mal wegen Missachtung eines Platzverweises und zwei Mal wegen Wildpinkelns. Man habe mit den Leuten am Platz in erster Linie geredet und deeskaliert, berichtet das Ordnungsamt.

Jupi-Fraktionsvorsitzender Sergio Schmidt unterstützt den Wunsch junger Menschen, öffentliche Plätze zu nutzen. Alle Diskutanten sind sich einig, dass es mehr nutzbare, öffentliche Plätze brauche, aber beispielsweise Eschholzpark oder Stühlinger Kirchplatz derzeit keine guten Alternativen seien. Sie seien zu unsicher, und es fehle an Toiletten.

Am Ende gibt es keine Empfehlung, wie der Konflikt beizulegen wäre. "Ich bin hier, um herauszufinden, was wir tun können", sagt Ramon Oswald, Chef des kommunalen Vollzugsdienstes. Funk rät zum Gespräch: "Jeder muss einen kleinen Teil beitragen." Es sei Aufgabe der Politik und nicht des Ordnungsamtes, eine Lösung zu finden. "Es gibt zwei gleichwertige Bedürfnisse", sagt Hauth vom Späti. Aber sie habe das Gefühl, das Bedürfnis nach Ruhe sei wichtiger.