Lebensgefahr

DLRG warnt vor mehr Badeunfällen in Südbaden

Michael Saurer

Von Michael Saurer

Mo, 10. August 2020 um 19:43 Uhr

Südwest

Drei Menschen sterben bei Badeunfällen an einem Wochenende. Rettungskräfte sehen darin noch keine Häufung. Zunehmend zum Problem werden geparkte Autos, die Zufahrtswege blockieren.

In Südbaden kam es am vergangenen Wochenende zu vier Badeunfällen, bei denen drei Menschen starben. Bei einigen Einsätzen hatten Rettungskräfte Probleme, zu den Unfallopfern vorzudringen, da die Zufahrtswege wegen parkender Autos verstopft waren.

Was ist passiert?
Der erste schwere Badeunfall des Wochenendes ereignete sich am Samstag in dem Lahrer Ortsteil Kippenheimweiler. Dort ertrank eine 19-jährige Nichtschwimmerin im Waldmattensee.

Am Sonntagnachmittag entdeckten Besucher des Malterdinger Baggersees eine herrenlos im Wasser treibende Luftmatratze. Die herbeigerufenen Rettungskräfte fanden 15 Meter vom Ufer entfernt einen Mann im Wasser treiben. Er konnte zunächst reanimiert werden und kam mit dem Hubschrauber in eine Freiburger Klinik, wo er am Montagmorgen verstarb.

Der dritte Todesfall passierte am Sonntagabend bei Kappel-Grafenhausen. Gegen 23 Uhr wurde im dortigen Baggersee die Leiche eines Mannes auf der Wasseroberfläche gefunden. Bekannte hatten zu der Zeit bereits zwei Stunden nach ihm gesucht. Mehr Glück hatte ein elsässischer Taucher, der am Matschelsee in Kürzell in Not geriet, aber überlebte.

Probleme für die Einsatzkräfte
Ein sich immer mehr verschärfendes Problem sind die zugeparkten Zufahrtsstraßen zu den Baggerseen. Bei dem Fall in Kippenheimweiler waren die Straßen so dicht, dass die Rettungskräfte kaum durchkamen. Laut dem Einsatzleiter wurden Halteverbotszeichen ignoriert und es wurde auf beiden Seiten der Straße geparkt. "Das Zustellen von Rettungswegen ist kein Kavaliersdelikt", heißt es aus dem Stuttgarter Innenministerium. Die Ortspolizeibehörden würden regelmäßig die Halteverbotsbereiche an den Baggerseen kontrollieren und könnten auch die Polizei zu Hilfe rufen.

Gibt es mehr Badeunfälle?
Das ist bislang nicht erkennbar. Laut der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Baden gab es bis Mitte Juli 23 tödliche Badeunfälle in diesem Jahr in Baden-Württemberg. Weitere Zahlen wurden noch nicht ausgewertet. Allerdings hält der Vorsitzende des DLRG-Baden, Ludwig Schulz, es wegen des heißen Augusts für durchaus möglich, dass die Zahl noch einmal deutlich nach oben geht. Womöglich auch über 50 und damit in Reichweite des bisherigen Rekordjahrs 2018. In dem extremen Trockenjahr kamen demnach 60 Menschen bei Badeunfällen im Südwesten ums Leben.

Was ist oft die Ursache?
Laut Schulz seien Männer gefährdeter als Frauen – und hier insbesondere zwei Gruppen: Junge Männer zwischen 16 und 25. Alkohol und Mutproben spielen dabei eine Rolle. Die zweite Risikogruppe seien Männer über 50. Diese überschätzen sich und ihre Fitness oft, berücksichtigen nicht, wie schnell man im Wasser abkühle und leiden oft unter Vorerkrankungen des Herz/Kreislaufsystems.



Werden Badeseen überwacht?
Im Gegensatz zu Schwimmbädern werden Badeseen oft nicht von Rettungsschwimmern überwacht. Man schwimmt also auf eigenes Risiko. Insbesondere in Flüssen wie dem Rhein kann das schnell sehr gefährlich werden – 13 der 23 tödlichen Unfälle in diesem Jahr ereigneten sich in Fließgewässern. Aber auch Seen haben Strömungen und Strudel, die schnell zur Gefahr werden können.

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