Ein Poltergeist am Kontrabass

Michael Masson

Von Michael Masson

Di, 29. Oktober 2019

Ettenheim

Beim Kinderkonzert der Ettenheimer Musikfreunde wurde eine neue Version der Erzählung "Das Gespenst von Canterville" geboten.

ETTENHEIM (mima). Ein Gespenst kann nicht nur fluchen und brüllen, sondern seine Befindlichkeit auch mit Hilfe eines Kontrabasses äußern. Wenn einem da nicht gruselt! Das Kinderkonzert des Ettenheimer Musiksommers im Bürgersaal geriet ganz anders als gewohnt. Dazu eingeladen hatten die Ettenheimer Musikfreunde.

Grundlage war eine Erzählung von Oscar Wilde von 1887, damals als Gesellschaftssatire recht schräg erdacht. Ein amerikanischer Botschafter zieht samt Familie ins Schloss Canterville ein und stellt schnell fest, dass dort ein Poltergeist umgeht. Doch immer wieder erscheinende Blutflecken schrecken ebenso wenig wie sonstige Spuk-Attacken. Ilona Christina Schulz, unter anderem gelernte Sängerin und Schauspielerin, las die Gruseltexte der Erzählung als Haushälterin Miss Umney. Neben ihr agierte – und das machte die Sache höchst spannend – das Gespenst (Aki Kunz) am Kontrabass; den beherrscht Kunz als Musiker bei der Staatsphilharmonie.

Zwei dutzend Kinder verfolgten das Kontrabass-Geschehen ebenso fasziniert wie die Erwachsenen. Kunz überzeugte als Gespenst. Ausdrucksvoll zauberte er variantenreich-spontane Töne aus seinem Instrument, samt gelegentlichem Protest. Für jüngere Kinder waren satirisch-bissige Spuk-Feinheiten vielleicht noch nicht völlig nachzuvollziehen, dennoch zeigten sie sich fasziniert vom Geschehen.

Neujahrskonzert findet am 12. Januar im Bürgersaal statt

Die Geschichte ging natürlich gut aus, obwohl das verzweifelte Gespenst gelegentlich mit imaginärer Ritterrüstung über gezogene Fäden oder Butterfallen stolpern musste und heftigst fluchte. Erlöst wurde der Unruhe-Geist schließlich durch das Gebet eines unerschrockenen, mitleidigen Botschafter-Kindes. Das schwermütige Gespenst durfte dann seinen Kontrabass einpacken und letzte spukfreie Ruhe finden.

Schon 2011 hatten Kunz und Schulz ihr Gespensterstück nach Wildes Text konzipiert. Seitdem haben sie es mehrfach variiert. Der Ettenheimer Musiksommer ist für dieses Jahr beendet. Am 12. Januar geht es im Bürgersaal weiter: Für diesen Tag laden die Musikfreunde zum Neujahrskonzert mit Fil Liotis am Klavier und einer "Fülle von Spätromantik" mit Tschaikowsky und Rachmaninow ein.