Eine Dating-App für innere Werte

Kathrin Ganter

Von Kathrin Ganter

So, 09. Mai 2021

Basel

Der Basler Jungunternehmer Nicolas Schotten hat das bilderfreie Portal "Lovetastic" entwickelt.

Keine Liebe auf den ersten Blick: Der Basler Nicolas Schotten hat mit "Lovetastic" eine Dating-App entwickelt, in der Profile ohne Foto erstellt werden. Erst, wenn sich die Nutzerinnen und Nutzer gegenseitig kontaktiert haben, können sie Bilder tauschen. Das sei eine Marktlücke, sagt Schotten. Ihm zufolge nutzen 100 000 Menschen die Plattform bereits. Nicolas Schotten ist mit seinen 25 Jahren bereits ein versierter App-Entwickler. 2014 habe er damit angefangen, mehr als 40 Apps hat er seither herausgegeben. Darunter war auch eine anonyme Plattform. "Die war zwar nicht zum Daten gedacht, wurde aber auch zum Daten genutzt."

Man muss zuerst einmal lesen

Üblicherweise sind Bilder beim Onlinedating ein wichtiger Faktor: Hübsche Frau? Wisch nach links. Nicht so arg hübscher Kerl? Wisch und weg, also wisch nach rechts. Die geschniegelte Person auf dem Bild hat zwar nicht immer viel mit der Wirklichkeit gemein. Trotzdem entscheidet oft der erste Anblick. Bei "Lovetastic" hingegen muss man erst einmal lesen. Wohnort, Beruf, Hobbys, Alter, Größe, Körperbau, eine kurze Vorstellung. "In einer Beziehung geht es ja nicht nur ums Aussehen", sagt Nicolas Schotten. So wird beispielsweise direkt die für viele wichtige Frage geklärt: Raucher oder Nichtraucher?

Erstmal ohne Fotos zu daten hat auch Vorteile für Leute, die nicht direkt beim Daten erkannt werden wollen, zum Beispiel weil sie durch ihren Beruf einen gewissen Bekanntheitsgrad haben. Und es senkt die Hemmschwelle. Überhaupt sei es ihm wichtig gewesen, die App in der Anwendung so einfach wie möglich zu halten, sagt Schotten: So, dass sie jeder versteht. Nutzer müssen keine E-Mail-Adresse oder Telefonnummer angeben, der Basisflirt ist kostenlos. Das spricht auch Ältere an. Zwar sei der größte Anteil der Nutzerinnen und Nutzer zwischen 18 und 30 Jahre alt. Aber die Spanne reiche bis ungefähr 65 Jahre. Das Sondieren der Profile ist dann aber doch nicht ganz einfach: Kochen, Kino, Sport, Reisen, Wellness – die üblichen Freizeitbeschäftigungen kommen häufig vor. Man sollte sich daher einige Mühe mit dem Beschreibungstext geben, sagt Nicolas Schotten. Die potenziellen Flirtpartner zum Lächeln zu bringen, sei eine erfolgreiche Strategie. Oder eine gesprochene Nachricht hinterlassen – auch das geht. Wenn man die Stimme hinzufüge, werde das Profil authentisch. "Lovetastic ist vollständig mit Voiceover bedienbar und somit die erste Dating-App, auf der Menschen mit einer Sehbehinderung keine Nachteile haben", wirbt Schotten für seine App. Er habe sie dafür eigens technisch optimiert.

Am 19. November 2019 ging Nicolas Schotten mit der App an den Markt und profitierte wie die anderen Dating-Apps vom Lockdown. Wo sonst soll man schließlich gerade jemanden kennenlernen? Rund 150 000 Mal sei die App heruntergeladen worden, rund 100 000 Menschen nutzten sie auch tatsächlich, vor allem in Deutschland und in der Schweiz, aber auch in Österreich. Läuft es weiter gut, soll "Lovetastic" auch in andere Länder wachsen.

Schotten hat im Jahr 2019 den Master of Science in Business and Economics mit einem Major in Finance, Controlling and Banking an der Universität Basel abgeschlossen. Im September 2019 gründete er seine Firma Livantis. Sich im Markt zu behaupten, ist für ein Ein-Mann-Unternehmen nicht einfach. "Ich versuche, mich von der Konkurrenz abzuheben, indem ich etwas Neuartiges entwickle", sagt er. Wenn eine App gut ankommt, verfolgt er sie weiter. Neben "Lovetastic" sind das momentan die anonyme Chat-App Twiq und die Reisekarte Pin365, die allerdings nur im App Store erhältlich ist. Im großen und anonymen App-Business versuche er, mit Persönlichkeit zu punkten, etwa durch schnelle und persönliche Antworten bei Nutzeranfragen.