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Zisch-Interview

"Er ist mir in den Rücken gerutscht"

  • Madlyn Hauser, Klasse 4a, Taubergießenschule (Kappel-Grafenhausen)

  • Sa, 17. Juni 2023
    Zisch-Texte

Vor einigen Jahren hatte Lukas Gänshirt einen Unfall im Spaßbad. Seither kann er nicht mehr richtig laufen. Madlyn Hauser hat ihn interviewt, damit jeder weiß, was passieren kann, wenn man sich nicht an Regeln hält.

Lukas Gänshirt  | Foto: Stefanie Hauser
Lukas Gänshirt Foto: Stefanie Hauser
Zisch: Wann und wo ist Ihr Unfall passiert?
Gänshirt: Er ist am 13. September 2013 in Titisee-Neustadt im Spaßbad passiert.
Zisch: Was genau ist geschehen?
Gänshirt: Ich bin die Halfpipe-Rutsche gerutscht. Ein Freund von mir wollte nicht mehr warten und sprang über das Drehkreuz. Während dem Rutschen ist er mir in den Rücken gerutscht.
Zisch: Hatten Sie Schmerzen?
Gänshirt: Ja, aber weniger als man vielleicht glaubt. Es hat sich angefühlt, als ob irgendwas nicht stimmt. Wie eine Blockade im Rücken und ich habe meine Beine nicht mehr gespürt.

Zisch: Warum konnten Sie Ihre Beine nicht mehr spüren?
Gänshirt: Mein achter und neunter Brustwirbel wurden verletzt. In diesen Wirbeln laufen Nervenstränge, die wie Stromkabel sind. Durch die sagt das Gehirn dem Körper, was er tun soll. Bei mir wurden ein paar Nervenstränge durch den Unfall durchtrennt.
Zisch: Wie lange waren Sie im Krankenhaus?
Gänshirt: Ich war viereinhalb Monate im Krankenhaus und danach in Reha.
Zisch: Besteht die Möglichkeit, dass Sie wieder richtig laufen können? Also ohne Krücken oder Rollstuhl?
Gänshirt: Man kann es nicht ausschließen, aber in den ersten zwei Jahren nach dem Unfall ist die Chance am höchsten, dass wieder etwas zurückkommt. Am Anfang konnte ich meine Beine fast nicht bewegen und jetzt kann ich mit Krücken wieder laufen. Aber es ist eher unwahrscheinlich, dass es jetzt noch besser wird.
Zisch: Können Sie Auto oder Fahrrad fahren und wenn ja, wie?
Gänshirt: Auto fahren kann ich. Ich habe ein Auto, das extra für mich umgebaut wurde. An meinem Lenkrad habe ich einen extra Ring, mit dem ich Gas gebe und einen extra Hebel, mit dem ich bremse. Als Fahrrad habe ich ein Liegerad mit drei Rädern, damit es nicht kippen kann.
Zisch: Wie ist das Leben mit Krücken und Rollstuhl? Hat es sich sehr verändert?
Gänshirt: Ich sehe es für mich nicht mehr als anders, weil ich es nicht mehr anders kenne. Ich muss nur immer genau vorher überlegen, wo ich hingehe und ob es da eine Treppe gibt oder wie lange der Weg ist, um zu wissen, ob ich den Rollstuhl brauche oder ob die Krücken reichen.
Zisch: Was waren mal Ihre Hobbys und können Sie die noch machen oder haben Sie jetzt andere seit dem Unfall?
Gänshirt: Mein Hobby war Judo, aber seit dem Unfall geht das nicht mehr. Jetzt ist mein Hobby das Rockcafé und Fahrradfahren. Im Urlaub fahre ich jetzt auch mal längere Strecken mit dem Fahrrad.

Ressort: Zisch-Texte

  • Artikel im Layout der gedruckten BZ vom Sa, 17. Juni 2023: PDF-Version herunterladen

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