Offenburg

Erneut gibt es mehr Arbeitslose im Ortenaukreis

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 31. Juli 2020 um 10:43 Uhr

Offenburg

9917 Frauen und Männer waren zum Stichtag Mitte Juli im Ortenaukreis ohne Arbeit. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 3,9 Prozent.

Die Zahl der arbeitslosen Menschen im Ortenaukreis hat im Juli gegenüber Juni um 179 zugenommen und beträgt jetzt 9917. Die Arbeitslosenquote ist um 0,1 Prozentpunkte gestiegen und liegt bei 3,9 Prozent – gegenüber Juli 2019 ein erheblicher Zuwachs. Damals betrug die Quote 2,8 Prozent: Lediglich 7131 Menschen waren damals arbeitslos – 2786 weniger als heute.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit verläuft in den beiden Rechtskreisen – Arbeitsagentur (Sozialversicherung) und Kommunale Arbeitsförderung (Grundsicherung) – unterschiedlich: Vor allem die Arbeitsagentur bekam seit Mitte März die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu spüren, denn die meisten Arbeitslosen, die sich neu meldeten, kommen aus einer Beschäftigung und besitzen einen Anspruch auf Arbeitslosengeld I.

Gebremste Entwicklung

Auch war bereits vor Ausbruch der Krise eine gebremste konjunkturelle Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt zu beobachten, wie die Agentur bei ihrer üblichen Monatsmeldung am Donnerstag berichtete. Von den 9917 arbeitslosen Menschen betreute die Arbeitsagentur im Juli 5925 Personen. Damit stieg die Zahl um 213 gegenüber Juni und sogar um 2512 Menschen gegenüber Juni 2019. Bei der KOA waren 3992 arbeitslose Menschen gemeldet – 34 Personen weniger als im Juni, aber 274 Personen mehr als 2019.

"Im Ortenaukreis bleiben die Spuren der Corona-Pandemie am Arbeitsmarkt sichtbar", sagt Horst Sahrbacher, Chef der Agentur für Arbeit Offenburg. Von der Entwicklung stark betroffen sei die Gruppe jüngerer Menschen unter 25. Deshalb sei es auch in Zeiten von Corona besonders wichtig, dass Arbeitgeber ihnen eine Einstellungschance geben. Bei der Arbeitsagentur Offenburg und ihren Geschäftsstellen meldeten sich im Juli 1285 Personen neu oder erneut arbeitslos – 71 Arbeitslosmeldungen mehr als im Vorjahresmonat. Im Gegenzug beendeten 1075 Personen ihre Arbeitslosigkeit.

Viele junge Leute ohne Arbeit

Die Arbeitsagentur Offenburg betreute zum Stichtag – 13. Juli – genau 5925 arbeitslose Frauen und Männer, 73,6 Prozent mehr als vor einem Jahr. Dieser Trend trifft für alle Personengruppen zu. So sind derzeit 777 junge Leute zwischen 15 und 25 ohne Arbeit – 65,3 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der nach der Ausbildung nicht übernommenen Azubis steigt. Aktuell melden sich auch Jugendliche nach dem Ende ihrer Ausbildung, um die Zeit bis zum Studium zu überbrücken.

Viele Kündigungen wurden laut Agentur aufgrund der Pandemie und des wirtschaftlichen Einbruchs ausgesprochen. Schwer auf dem Arbeitsmarkt haben es nach wie vor Menschen ohne Ausbildung. Von Arbeitslosigkeit betroffen sind Jugendliche wie auch ältere Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz etwa aufgrund von Insolvenz verloren haben. Bei der Gruppe der Menschen über 50 Jahre liegt die Zahl der Arbeitslosen bei 2127 – 55,3 Prozent mehr als im Juli 2019.

In der Agentur-Geschäftsstelle Lahr ist die Arbeitslosenzahl um 17 zurückgegangen. Aktuell sind in Lahr und Umgebung noch 1796 Menschen ohne Arbeit, 828 mehr als im Vorjahresmonat. Die Nachfrage nach Arbeitskräften in der Freizeitbranche und in der Gastronomie – für die Geschäftsstelle Lahr prägend – nimmt erfreulicherweise wieder zu. In allen anderen Geschäftsstellen ist die Arbeitslosenzahl im Juli im Vergleich zum Vormonat wie auch zum Vorjahresmonat gestiegen.

Geringere Nachfrage

Die Nachfrage nach Arbeitskräften bewegt sich auf einem viel niedrigeren Niveau als im Vorjahr. Aktuell sind 2744 Stellen im Ortenaukreis zu besetzen – 1316 weniger als 2019. In Handwerk und Baubranche ist die Nachfrage nach Arbeitskräften indes unverändert hoch. In Metall- und Maschinenbau, Gastronomie sowie in Gesundheit und Pflege werden wieder vereinzelt Stellen gemeldet. Fachkräfte werden weiterhin gesucht.

Im Juli haben 65 Betriebe im Ortenaukreis Kurzarbeit für 1495 Menschen neu angezeigt, deutlich weniger als in den Vormonaten. Seit Beginn der Pandemie haben 4781 Unternehmen für 71 311 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. In vielen Bereichen konnte Kurzarbeit zwischenzeitlich beendet oder aber zumindest ein Teil der Arbeitnehmer wieder beschäftigt werden. Wichtig in Sachen Kurzarbeit sei laut Arbeitsagentur zu wissen: "Es handelt sich hierbei nur um die Anzeigen auf Kurzarbeit. Ob diese auch tatsächlich so eintreten wird, kann erst nach Abrechnung des Kurzarbeitergeldes durch den Betrieb ausgewertet werden. Die Betriebe haben für die Abrechnung des Kurzarbeitergeldes drei Monate Zeit."