Feiner kammermusikalischer Jazz im Stile einer Hausmusik

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Mo, 28. Oktober 2019

Lörrach

Vater und Sohn spielen als Duo: Posaunist Ludwig Nuss und Pianist Benyamin Nuss loben das Jazztone in den höchsten Tönen.

LÖRRACH. Feinen kammermusikalischen Jazz gab es am Freitagabend im Jazztone zu hören. Eigentlich war es eine öffentlich vorgetragene Hausmusik, die natürlich hervorragend in die familiäre Atmosphäre des ehrwürdigen Jazzclubs passte. Vater und Sohn standen auf der Bühne, ein Duo, das tatsächlich aus dem heimischen Musizieren entstanden ist.

Aber natürlich sind beide musikalische Profis. Ludwig Nuss, geboren 1961, studierte bei Jiggs Whigham und ist seit mehr als 20 Jahren Leadposaunist und Jazzsolist in der WDR-Big-Band Köln. Er ist eine renommierte Größe in der Jazzszene und auch als Komponist gefragt. Sein Bruder Herbert Nuss ist Jazzpianist, und so wurde Benyamin Nuss, der Sohn von Ludwig, im Jahr 1989 in ein höchst musikalisches Umfeld hineingeboren. Der Junior wurde sehr gefördert und entwickelte sich zu einem preisgekrönten Pianisten. Allerdings geht der Sohn mehr in Richtung Klassik, spielte mit mehreren Sinfonieorchestern und schaffte es mit seiner CD "Nuss plays Uematsu" in die Klassikcharts. Aufgrund des familiären Hintergrunds ließ ihn aber auch der Jazz nie los. Er spielt auch in Jazzbands, und aus dem abendlichen Spielen von Jazzstandards und eigenen Kompositionen zu Hause entstanden das von Vater und Sohn eingespielte Album "Songs and Ballads" und dazugehörige Live-Konzerte.

Die beiden begannen ihren Auftritt im Jazztone mit dem Standard "On Green Dolphin Street", der durch Miles Davis bekannt wurde, gefolgt von der von Benyamin komponierten Ballade "Bad Day". Die reduzierte und konzentrierte Besetzung des Duos und die verhaltene Balladenstimmung verlangte genaues Zuhören, machte aber auch die musikalische Raffinesse besonders deutlich.

Sehr flüssig und inspiriert, elegant und farbig und mit großer Virtuosität spielte Benyamin Nuss am Konzertflügel, wobei die Schulung an der Klassik durchaus zu hören war. Das verhinderte aber nicht, dass ihm Blue Notes und Jazzfeeling mit großer Überzeugungskraft gelangen. Warm und geschmeidig und nicht minder virtuos, präzise auch im verhaltenen Klang spielte Ludwig Nuss die Posaune, und maß immer wieder die enorme klangliche Bandbreite seines Instruments aus.

Die dritte Komposition war von ihm, "Hatijah". "Das Stück ist Bennys Mutter gewidmet, meiner Frau, der Liebe meines Lebens", verriet Ludwig Nuss, der dieses Stück vom Publikum abgewandt spielte. Es ging über in "Til' There Was You" und den Standard "I Remember April" und zu "What Now", einem weiteren Stück des Vaters mit erstaunlichen Ausbrüchen und Höhenflügen der Posaune.

Vater und Sohn lobten den Lörracher Jazzclub in den höchsten Tönen und freuten sich, hier spielen zu dürfen. Die Lust dazu merkte man ihnen auch im zweiten Konzertteil an, zu dem auch "Days Of Wine And Roses" gehörte, Filmmusik aus dem gleichnamigen Alkoholikerdrama, weshalb Ludwig Nuss nach Whisky fragte und sich sehr freute, als ein Zuhörer ihm prompt einen brachte.

Die berührende, melancholische Ballade "Gentle Jun", die Ludwig Nuss über die verstorbene Schwester seiner Frau geschrieben hat, ging nahtlos in "Here’ That Rainy Day" über. Nach "Stella By Starlight" gaben die beiden mit "Cherokee" etwas mehr Gas, zum Ende des Konzerts passte Benyamins Ballade "Your Decision". Das Publikum spendete reichlich Beifall, und so gab es noch eine Zugabe.