Frick

Forscher entschlüsseln unbekannte Raubsaurierart im Aargau

Hans Christof Wagner

Von Hans Christof Wagner

Mo, 22. Juli 2019 um 11:15 Uhr

Aargau

Der Sonntag Jetzt ist es wissenschaftlich erwiesen: Die Knochen, die 2006 und 2009 in Frick im Aargau ausgegraben wurden, sind die Überreste einer bis dahin unbekannten Dinosaurierart.

Lange Zeit, mehr als zehn Jahre, war es unsicher, ob die in den Jahren 2006 und 2009 in der Tongrube Frick – zehn Kilometer südlich von Bad Säckingen – ausgegrabenen Versteinerungen tatsächlich von einer unbekannten Saurierart stammen. Dass die Relikte aus der Urzeit nicht von einer pflanzenfressenden Art, sondern von einem Fleischfresser stammen, war zwar schon vermutet worden. Doch erst jetzt, nach intensiven Forschungen und Abklärungen der Zürcher Paläontologin Marion Zahner, herrscht Gewissheit, dass es sich wirklich um eine Sensation handelt. Und diese hat jetzt auch einen Namen: Notatesseraeraptor frickensis.

Erster Raubsaurier-Fund auf Schweizer Territorium

Nicht allein der neuentdeckten Art wegen, sondern auch weil es der erste Raubsaurier-Fund auf Schweizer Territorium überhaupt ist. Darum hat man dem Dino jetzt, der wissenschaftlichen Nomenklatur entsprechend, auch einen Namen gegeben: Notatesseraeraptor frickensis. "Während Raptor für Räuber steht, bedeutet der vordere Teil des Namens Merkmal-Mosaik", erklärt Zahner. Mehr als 200 Merkmale mussten mit verschiedenen Saurierarten weltweit abgeglichen werden, um sicherzugehen, dass die Art nicht doch schon anderswo gefunden worden ist.

Der Aufwand hat sich gelohnt – nicht nur für das kleine Frick, dessen latinisierter Name nun Eingang in die Forschung gefunden hat und das jetzt mächtig stolz ist. Was für die junge Wissenschaftlerin gleichermaßen gilt: "Einer erstmals in der Schweiz ausgegrabenen Saurierart den Namen gegeben zu haben, ist schon eine besondere Ehre, gerade weil ich mich erst im Doktorat befinde."

60 Prozent des Skeletts schlummerten im Ton

Wissenschaftlich bemerkenswert ist der Fund, weil etwa 60 Prozent der Körperknochen des Dinos 2006 gefunden wurden. Beim erst 2009 gefundenen Schädel waren es sogar noch mehr – erstaunlich angesichts der Tatsache, dass die Knochen mehr als 200 Millionen Jahre im Boden geschlummert hatten.

Daher konnte Marion Zahner auch den Schädel dreidimensional rekonstruieren, um so den fleischfressenden Dino für Besucher noch anschaulicher zu machen. Geplant ist, das gesamte Skelett des Tieres nachzubauen und im Fricker Sauriermuseum auszustellen, wie Zahner und Ausgrabungsleiter Ben Pabst auf Nachfrage berichten. Ein Modell des Tieres zeigt die Urzeitkreatur schon jetzt, allerdings auf 40 Prozent seiner Originalgröße verkleinert.

Dank Zahners Forschungen, die sie jüngst in der internationalen Fachpresse publiziert hat, ist jetzt klar, dass der Fricker Dino zu den Theropoden-Sauriern gehört hat und im Trias-Erdzeitalter gelebt haben muss. Als Fleischfresser ist er im Gegensatz zu den Pflanzenfressern, die verbreiterter waren und daher auch häufiger ausgegraben werden, schon an sich eine Sensation. Auch in Frick war der Vegetarier-Dino namens Plateosaurus die Regel, bis dann 2006 der erste Raptor zum Vorschein kam.

Der Saurier war 2,5 Meter lang

Im Vergleich zum Tyrannosaurus Rex, mit dem er verwandt ist, der erdgeschichtlich aber viel später lebte, war Notatesseraeraptor frickensis ein echter Windhund – leicht, grazil und inklusive Schwanz nur rund 2,5 Meter lang. Er hatte aber bereits die relativ starken Hinterbeine und die kümmerlichen Arme seines "großen Bruders". "Das in Frick gefundene Exemplar ist nochmals kleiner, da dieses vermutlich noch nicht ganz ausgewachsen war", so Zahner. Was das Leben des Dinos frühzeitig beendet hat, wissen aber weder sie noch Ben Pabst exakt. "Vielleicht ist er im Schlamm versunken oder an einer Wasserstelle an Erschöpfung gestorben", vermuten die beiden.