Vor dem Bürgerentscheid

Franz Alt nimmt bei zweitem Termin mit Dietenbach-Gegnern Auschwitz-Vergleich zurück

Manuel Fritsch

Von Manuel Fritsch

Di, 19. Februar 2019 um 20:00 Uhr

Freiburg

Zum zweiten Mal hatten die Gegner des Stadtteils Dietenbach Franz Alt eingeladen. Dietenbach drohe, "wie ein "Krebsgeschwür" zu wachsen, so der Journalist und Autor.

Der Journalist und Buchautor Franz Alt stärkt den Gegnern des Stadtteils Dietenbach im Endspurt des Wahlkampfes den Rücken. Nachdem er in der vergangenen Woche im Bürgerhaus Seepark sprach, kam er am Dienstag erneut nach Freiburg, um für ein "Ja" beim Bürgerentscheid zu werben.

Problematischer Auschwitz-Vergleich

Sein Auftritt in der vergangenen Woche war selbst in München wahrgenommen worden. Allerdings nicht wegen der Brillanz, sondern wegen der Absurdität seiner Thesen. Das "ökologische Nationalgewissen", schrieb die Süddeutsche Zeitung, "kommt von Auschwitz direkt auf Dietenbach zu sprechen." Alt hatte gesagt, so wie das Christentum in Auschwitz versagt hätte, so versagten wir beim Schutz der Erde für unsere Kinder. Eine Woche später reut ihn sein Vergleich. "Ich habe mir als Journalist mal vorgenommen, als ich gesehen habe, wie viele Nazivergleiche schiefgelaufen sind, so etwas nie zu machen. Und ich hab’s dann doch gemacht. Das war ein Fehler", sagte er im Gespräch mit der BZ vor dem Auftritt am Abend im Bürgerhaus Zähringen.

"Das Einzige, was ewig wächst, ist der Krebs." Franz Alt
Nichtsdestotrotz zeigt der Satz, mit welcher Verve Alt diesen Neubaustadtteil – und nicht nur diesen – ablehnt. Denn Dietenbach entspringe einem Wachstumsdenken, das die Menschheit in ihrem Bestand gefährde. "Krebswirtschaft", nennt Alt das. "Das Einzige, was ewig wächst, ist der Krebs", erklärt er. Dieser wachse bis zum Tod des Körpers. Die Natur kenne kein ewiges Wachstum, sie kenne den Status der Reife. Und hier sei Freiburg angekommen. Ewiges Wachstum könne es nur im spirituellen, im geistigen und religiösen Bereich geben, erklärt der bekennende Christ. Dietenbach als Krebsgeschwür im Freiburger Stadtkörper. Die Gier, die Gewinnmaximierung als Krebszellen – solche Metaphern findet er offensichtlich nicht problematisch.

"Es gibt auch in Freiburg kein ewiges Wachstum." Franz Alt
Dennoch trifft er in seiner Analyse immer auch etwas. Der Slogan "global denken, regional handeln" sei seit Jahrzehnten bekannt. "Dass wir global denken müssen, sagen heute fast alle", sagt Alt. Aber das lokal Handeln falle wahnsinnig schwer. Doch handeln müsse man. Boden dürfe nicht weiter versiegelt werden, um der Klimaerwärmung wirksam zu begegnen. Das beste Beispiel, wie Veränderung vernünftig vonstattengehen kann, sagt er, sei der Umzug der Bundesregierung nach Berlin gewesen. Damals habe man so weit wie möglich auf Neubauten verzichtet und stattdessen bestehende Gebäude umgebaut und saniert – einzig das Kanzleramt bilde eine Ausnahme.

Nach diesem Vorbild solle auch in Freiburg verfahren werden. Aufstocken, umbauen, verdichten. Das Wachstum, das ist das zentrale Credo von Alt, müsse ein Ende haben, es zu begrenzen sei die größte Menschheitsaufgabe. "Es gibt auch in Freiburg kein ewiges Wachstum", sagt Alt und ist damit von der globalen Perspektive wieder nach Südbaden gekommen. Nun sei auch in der Stadt Reife geboten.

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