Frauen blockieren patriarchischen Alltag

Martina David-Wenk

Von Martina David-Wenk

Mo, 17. Juni 2019

Basel

Basler Streik-Komitee spricht von 40 000 Teilnehmerinnen / Auch Männer solidarisieren sich.

BASEL (dw). Fröhliche und kämpferische Frauen soweit das Auge reicht. Der Basler Theaterplatz voll mit wütenden aber auch lachenden Frauen aus allen Altersgruppen. Der Frauenstreik in der Schweiz aktivierte am Freitag (wir berichteten) auch Frauen jenseits der Grenze – auch viele Männer schlossen sich an und forderten lauthals die Gleichstellung von Männern und Frauen im Alltag.

Während die Organisatorinnen beim großen Happening auf dem Theaterplatz vorsichtig von 5000 Frauen gesprochen hatten, sprachen sie im Nachhinein von 40 000 Frauen, die streikten und demonstrierten oder sich dem bunten Treiben für die Sache der Frau in Basel anschlossen.

Die Gleichstellung der Frau ist kein Ruhmesblatt der erfolgsverwöhnten Schweiz, die sich so gerne als Uralt-Demokratie feiert. Erst 1981 wurde die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Verfassung verankert. Bis 1988 war Hausarbeit von Rechtswegen Frauensache – vom Wahlrecht, das in Appenzell erst 1990 auf kantonaler Ebene für Frauen eingeführt wurde, ganz zu schweigen. Wenn Frauen und Männer in der Schweiz das gleiche Durchschnittsgehalt bekommen würden, dann müssten die Frauen rund anderthalb Stunden länger arbeiten als die Männer. Oder umgerechnet auf den Achtstunden Tag: Ab 15:24 hätten die Männer dann Feierabend, während die Frauen bis 17 Uhr weiter arbeiten müssten. 2019 heißt es demzufolge: Geld ist Zeit und nicht umgekehrt.

Neben den altgedienten Kämpinnen demonstrieren viele junge Frauen für ihre Belange. Eine junge Demonstrantin forderte lautstark: "Sexualisierte Gewalt muss endlich aufhören!"