Frauennachttaxi fährt noch 2017 los

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Do, 22. Juni 2017

Freiburg

Angebot soll den Heimweg für Frauen in Freiburg sicherer machen / Kosten für die Stadt liegen bei rund 60 000 Euro.

Freiburg wird ein Frauennachttaxi bekommen, das noch in diesem Spätjahr starten wird. Das Thema wird am kommenden Dienstag im Gemeinderat behandelt, eine große Mehrheit im Stadtparlament gilt als sicher. Das Frauentaxi soll künftig in den Nächten auf Samstag und Sonntag und vor Feiertagen verkehren und an den Safer-Traffic-Nachtverkehr der Freiburger Verkehrs-AG (VAG) angedockt werden.

Um die Sicherheit von Frauen in Freiburg an den klassischen Ausgehtagen an Wochenenden zu erhöhen, wird – wenn alles glatt läuft – im Dezember das Frauennachttaxi in Freiburg sein Comeback feiern. Ein solches Angebot gab es schon einmal zwischen 1991 und 2003 – bei 8511 Mitfahrerinnen etwa im Jahr 2001. Das Frauentaxi wurde eingestellt, als die Stadt im Zuge von Sparmaßnahmen den Zuschuss stoppte. In anderen Städten wie Stuttgart, Heidelberg oder Basel gibt es einen solchen Service bis heute.

Das Grundkonzept für den Neustart steht, an den Details muss noch gearbeitet werden. Klar ist: Die Tage, an denen das Nachttaxi verkehrt, werden die gleichen sein, in denen die VAG ihren Safer Traffic anbietet – also eben am Wochenende und vor Feiertagen. Das sind rund 110 Tage pro Jahr. In diesen Nächten sollen stündlich an einem vorher festgelegten Sammelpunkt vier Taxibusse mit je acht Sitzplätzen in alle vier Himmelsrichtungen fahren. Die genaue Fahrtstrecke wird festgelegt, wenn man weiß, wohin die Mitfahrerinnen wollen. Sie werden dann bis vor die Haustür gefahren. Das Angebot gilt nur für Freiburg und seine Stadt- und Ortsteile. Reicht die Platzkapazität nicht aus, sollen weitere Taxen nachrücken. Als Eigenanteil der Frauen wird ein Betrag von 7 bis 8 Euro kalkuliert, heißt es in der Vorlage für den Gemeinderat. Mitfahrerinnen brauchen keine Fahrscheine für den öffentlichen Nahverkehr des Verkehrsverbundes RVF.

Der Abfahrtspunkt steht noch nicht fest. Er soll in Abstimmung mit der Polizei festgelegt werden. Den städtischen Haushalt soll das wiederbelebte Angebot mit rund 60 000 Euro belasten. Über den Vorschlag wird am heutigen Donnerstag und kommende Woche am Dienstag im Gemeinderat beraten.

Die Verwaltungsspitze steht nach anfänglicher Skepsis mittlerweile voll hinter dem Vorschlag mit einem gegenüber dem Ur-Frauentaxi veränderten Konzept: Das Sicherheitsgefühl von Frauen hat in den vergangenen Monaten stark gelitten, sagt Oberbürgermeister Dieter Salomon: "Wenn sich Frauen nachts nicht mehr spät alleine nach Hause trauen, müssen wir handeln." Das Frauentaxi werde deshalb noch in diesem Jahr kommen. Auch Frauenbeauftragte Simone Thomas, die das Thema maßgeblich mit vorangetrieben hat, hofft auf einen positiven Entscheid: "Es war eine Forderung, die ganz klar aus der Bevölkerung und aus den Bürgervereinen an uns herangetragen wurde", meint sie. Geschäftsführer Werner Weeck von der Taxi Freiburg GmbH unterstützt die Idee – natürlich: Das Taxigewerbe freue sich über zusätzliche Aufträge. Und er sagt auch: "Es ist gut, dass dann die Lücke zwischen Haltestelle und Haustür geschlossen werden."