Konfusion um sexuelle Belästigung in Freiburg

Bundespolizei stellt Übergriff im Stühlinger irreführend dar

Yvonne Weik

Von Yvonne Weik

Fr, 28. Oktober 2016 um 20:31 Uhr

Freiburg

Nach dem sexuellen Übergriff auf zwei Frauen am Stühlinger Kirchplatz streiten zwei Behörden über die Anzahl der Täter. Es zeichnet sich ab, dass die Bundespolizei den Vorfall teils unzutreffend darstellte.

Am Freitag wird Freiburg in den Medien zum zweiten Köln: Zwei Frauen sollen am Stühlinger Kirchplatz sexuell belästigt worden sein – von 17 Männern mit afrikanischer Herkunft. Die Nachricht verbreitet sich rasend schnell online. Im Laufe des Tages entwickelt sich ein öffentliches Hin und Her: Polizei und Staatsanwaltschaft in Freiburg widersprechen der Bundespolizei in Potsdam. Handelt es sich nur um ein Missverständnis – oder vielmehr um einen leichtfertigen Umgang mit Aussagen?

Der Vorfall an sich war eigentlich schon schlimm genug. Drei Männer aus Gambia sollen am Montagabend am Stühlinger Kirchplatz zwei Frauen sexuell bedrängt haben. Die 21-Jährige und 29-Jährige können glücklicherweise flüchten – in die nahegelegene Dienststelle der Bundespolizei an der Wentzingerstraße. Das teilte die Polizei Freiburg so am Dienstag mit (die BZ berichtete).

Am Freitag dann ein Online-Artikel der Berliner Morgenpost: "Zwei Frauen in Freiburg von 17 Männern sexuell belästigt", heißt es dort. Und weiter: "Der Vorfall erinnert an die Silvesternacht in Köln." Dort hatte es zum Jahreswechsel massenhaft sexuelle Attacken auf Frauen gegeben. Die Kölner Vorfälle lösten große Diskussionen in Deutschland aus – über ein mögliches Versagen der Polizei und über das Verhalten von Flüchtlingen.

Wie kommt die Morgenpost dazu, Freiburg zum neuen Köln zu machen?

Stellungnahme der Bundespolizei

Der Artikel bezieht sich auf eine Stellungnahme der Bundespolizei, die der BZ vorliegt. Die wiederum verweist auf Aussagen, die eine der Frauen nach dem Übergriff gegenüber der Bundespolizei gemacht haben soll. Demnach sollen die Frauen "von einer etwa 17-köpfigen Gruppe männlicher Personen, dem äußeren Erscheinungsbild nach afrikanischer Herkunft, umringt und unsittlich am Bauch, an der Brust sowie im Genitalbereich berührt" worden sein. Die Bundespolizei ist für den Bereich rund um den Hauptbahnhof zuständig. Die Beamten hatten sich nach dem Vorfall um die 21-Jährige und die 29-Jährige gekümmert. Dann übergaben sie an die zuständige Polizei in Freiburg.



Deren Kriminalpolizisten ermitteln, sagt Polizeisprecherin Laura Riske gegenüber der BZ – und kommen zu anderen Ergebnissen. Sie nahmen kurz nach der Tat drei polizeibekannte Verdächtige aus Gambia fest. Von 17 mutmaßlichen Tätern wissen die Freiburger Polizei und ihre Sprecherin nichts: "Wir stützen uns auf die Aussagen der Geschädigten im Rahmen der Vernehmungen", so Riske. Deshalb korrigiert sie am Freitag mit einer neuen Pressemitteilung die Aussagen der Kollegen der Bundespolizei. Die Medien berichten wieder – und korrigieren ebenso die ersten Meldungen vom Vormittag.

Drei mutmaßliche Täter wieder frei

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Michael Mächtel, geht am Freitagabend noch einen Schritt weiter. Gegenüber der Badischen Zeitung kritisiert er die Bundespolizei für ihre Darstellung. Der Sachverhalt sei nach bisherigem Ermittlungsstand sehr verdichtet, verkürzt und in Teilen auch unzutreffend. "Auch nach den ursprünglichen Angaben der Geschädigten gegenüber der Bundespolizei soll es zu den sexuellen Übergriffen nicht gekommen sein, während die Geschädigten von einer größeren Personengruppe umringt gewesen seien", so Mächtel. Die sexuellen Übergriffe sollen sich vielmehr danach in einer Straße in der Nähe des Kirchplatzes ereignet haben, und zwar ausschließlich von drei Tatverdächtigen. "Wir haben keine konkreten Anhaltspunkte, dass sich andere Personen an der Tat beteiligt haben", sagt er.

Die drei mutmaßlichen Täter sind mittlerweile wieder frei. Die Staatsanwaltschaft habe laut Mächtel geprüft, ob Anlass für eine Untersuchungshaft besteht: "Die rechtlichen Voraussetzungen liegen nicht vor." Die Ermittlungen gehen nun weiter. Noch immer sucht die Polizei Zeugen – vor allem einen Radfahrer, der den beiden Frauen geholfen haben soll.

Hinweise unter Tel. 0761/8825777


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