Breitbandausbau

Freiburger Stadtrand wartet noch auf Turbointernet

Sebastian Wolfrum, Joachim Röderer

Von Sebastian Wolfrum & Joachim Röderer

Sa, 29. Oktober 2016 um 12:24 Uhr

Freiburg

Die Stadt Freiburg hinkte bei Turbointernet lange hinterher, holt nun aber immer mehr auf.

Auch in der Großstadt Freiburg starren immer noch viele Einwohner regelmäßig auf Bildschirme mit Sanduhren: Diese erscheint als Wartezeichen, wenn der Datenstrom lahmt, weil das Internet zu langsam ist. Vor allem in Orts- und Stadtteilen am Rand von Freiburg kennt man das Turbointernet bislang nur vom Hörensagen. Doch das soll sich ändern: Drei von vier Tuniberggemeinden hängen seit Sommer am schnellen Netz, jetzt kommen Glasfaserkabel in den Freiburger Osten. Manche Umlandgemeinden sind da schon weiter.

Die Bundesregierung drückt beim Breitbandausbau auf die Tube und will Netzgeschwindigkeiten von 50 Mbit pro Sekunde zum Standard machen. In Freiburg sind in der Innenstadt und den angrenzenden Quartieren teils sogar schon 200 Mbit pro Sekunde möglich. Aber es gibt in der Stadt große Unterschiede. Aktuell am unteren Ende der Rangliste liegt der Hochdorfer Ortsteil Benzhausen, wo nach Angaben von Internetnutzern unter den 300 Einwohnern gerade mal 3,2 Mbit pro Sekunde ankommen: Internetfernsehen, Filme laden, Bildtelefonie oder auch Home Office – alles nicht drin.

Hochdorfer beraten kommende Woche

Bezeichnend: Bei einem Benzhauser kam die Sanduhr als er gerade eine Klagemail ans Garten- und Tiefbauamt schicken wollte. Er hat diese dann vom "eingefrorenen Bildschirm" abfotografiert. Nächste Woche wollen sich die Hochdorfer unterhalten, wie es weitergeht soll. "Wenn es die Telekom nicht macht, muss eben die Stadt Freiburg Geld in die Hand nehmen", so Egbert Bopp, Ortschaftsrat und Ansprechpartner der Internetinitiative.

Die Telekom will bis 2017 mit ihrem Ausbau fertig sein

Tatsächlich hat sich zuletzt in Freiburg viel getan: Das saarländische Unternehmen Inexio hat in kurzer Zeit Opfingen, Munzingen und Waltershofen ans schnelle Netz angedockt. Die Deutsche Telekom wiederum will bis Ende 2017 mit ihrer Ausbauoffensive fertig sein. Profitieren werden Kappel, Ebnet und Littenweiler im Osten, ebenso wie Haslach, Zähringen und Brühl. Seit Anfang 2016 werden Glasfaserkabel in Vauban und Unterwiehre verlegt, wovon demnächst 8000 Haushalte profitieren können.

Den Ausbau macht die Telekom auf eigene Rechnung. "Wir unterstützen sie aber bei der Planung", sagt Baubürgermeister Martin Haag. So gibt es in der Verwaltung eine Stelle, die als Ansprecherpartner für die komplexe Suche nach kilometerlangen Kabeltrassen und Standorten für Verteilerkästen fungiert. Und Haag hofft, dass die Telekom sich am Ende auch des Hochdorfer Problems annimmt.

Viele Gemeinden müssen noch mit geringerer Geschwindigkeit auskommen

Rund um Freiburg, im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, gibt es viele Gemeinden, die auch Ende 2016 noch mit langsamem Internet auskommen müssen. Vor allem kleine Kommunen haben Probleme, einen schnellen Anschluss zu bekommen. Für Telekommunikationsunternehmen lohnt es sich nicht, für viel Geld Leitungen dorthin zu verlegen, wo nur wenige Abnehmer sitzen. Der Landkreis überlegt, selbst eine eigene Glasfaserringleitung auf zu bauen, um alle Gemeinden anzuschließen. Möglich wäre auch ein Modell, in dem die Telekom die Infrastruktur baut und der Kreis mitbezahlt, damit die aus wirtschaftlicher Sicht unrentablen Gegenden auch erschlossen werden. Für beide Varianten könnten Fördermittel abgerufen werden.

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