Werkeln am Prototyp

Merlin Gröber

Von Merlin Gröber

Sa, 11. März 2017

Freiburg

Schüler bauen beim Freiburg-Seminar ein Mikroskop, das dreidimensionale Bilder erstellt.

Ein Mikroskop bauen, das dreidimensionale Bilder erstellt: Dieses Ziel hat sich eine Gruppe von rund 30 Schülerinnen und Schülern des Freiburg-Seminars gesetzt. Um das zu erreichen, wollen die Jugendlichen mit Hilfe des Fraunhofer-Instituts einen Aufsatz für herkömmliche Mikroskope bauen. Am Donnerstag haben sie in der Richard-Fehrenbach-Gewerbeschule erste Ergebnisse vorgestellt.

Lichtbrechung, Sinuskurven und Spannungskreise: Was die Schülerinnen und Schüler in den rund eineinhalb Stunden im Vortragssaal der Richard-Fehrenbach-Gewerbeschule erzählen, klingt nach Optiker, Physikunterricht und erstem Lehrjahr Elektrikerausbildung. Tatsächlich müssen die Jugendlichen einige Forschungsbereiche abdecken, um an ihr Ziel zu gelangen. "Wir wollen eine Anleitung bauen, mit der man ein Mikroskop so umbauen kann, dass es mit Hilfe eines Lasers, einer digitalen Auslese und eines Algorithmus dreidimensionale Bilder von Objekten machen kann", erklärt Schülerin Anne Matteit. Konkret heißt das: Die Jugendlichen entwickeln einen Aufsatz für ein Mikroskop, mit dem nicht nur Dinge vergrößert, sondern auch Bilder digital erstellt werden können. Dafür treffen sich die 27 Schülerinnen und Schüler einmal in der Woche in der Richard-Fehrenbach-Gewerbeschule.

Neu ist ihr Ansatz in der Mikroskopie nicht, das Verfahren kommt im schulischen Bereich wegen der hohen Kosten bisher aber nicht zum Einsatz. Während digital-holographische Mikroskope derzeit mehrere tausend Euro kosten, möchten die Schülerinnen und Schüler einen Bausatz für rund 200 Euro entwickeln. Bei ihrer Arbeit greifen sie auf günstige Bauteile wie Handykameras oder Laserpointer zurück. Dabei werden sie von Forschern des Fraunhofer-Instituts für Physikalische Messtechnik in Freiburg unterstützt. Finanziell gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit rund 100 000 Euro. Profitieren können von dem Projekt alle Interessenten. Die Schüler stellen ihre Forschungsergebnisse auf einer Internetplattform zur Verfügung. Ende des Schuljahres soll ein erster Prototyp stehen.

Sollte in drei Jahren ein fertiger Aufsatz existieren, könnten davon vor allem die Schulen profitieren, wie Ralf Erens anmerkt: "Das Endprodukt wird die Mikroskopie in der Schule verändern." Gemeinsam mit Markus Eppinger leitet er das Freiburg-Seminar, dass seit 1990 besonders begabte Schülerinnen und Schüler im Bereich der Mathematik und Naturwissenschaften fördert. Die Teilnehmer können dabei selbst entscheiden, welchen der angebotenen Arbeitsgemeinschaften sie sich anschließen. Die Schüler kommen von Freiburger allgemeinbildenden und beruflichen Gymnasien sowie aus Gymnasien des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald. Rund 200 Jugendliche melden sich jährlich an. Träger des Freiburg-Seminars sind das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, die Stadt Freiburg und der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald.