Grönemeyer darf nicht auf dem Münsterplatz singen

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Mi, 15. Mai 2019

Freiburg

Konzertveranstalter Oßwald würde gerne Topstars zum Stadtjubiläum bringen, Stadtspitze hat Vorbehalte wegen Ticketpreisen.

FREIBURG. Die Debatte um die Nutzung des öffentlichen Raums für kommerzielle Veranstaltungen strahlt mittlerweile auch aufs Stadtjubiläum im Jahr 2020 aus. Konzertveranstalter Marc Oßwald hatte angeboten, die Bühne auf dem Münsterplatz im kommenden Sommer mit zwei Konzerten zu bespielen – Stars wie Herbert Grönemeyer, Eros Ramazzotti, AnnenMayKantereit oder Pianist Ludovico Einaudi hätten auftreten können. Doch OB Martin Horn und die Dezernenten lehnen dies ab: "Wir sind uns einig, dass wir keine offizielle Stadtjubiläumsveranstaltung mit 40 bis 50 Euro Eintritt wollen, das geht nicht."

Dem Vernehmen nach sind im Rahmen der 900-Jahr-Feier drei Klassikkonzerte mit dem SWR-Orchester, dem Barockorchester und Philharmonischen Orchester auf der Münsterplatz-Südseite vorgesehen. Kolportiert wurde auch, dass die Stadt dafür neun Euro Eintritt nehmen will. "Das sind bislang aber nur Vorüberlegungen, es gibt noch überhaupt keine Beschlüsse dazu", erklärte der OB am Montag den Gemeinderäten im Hauptausschuss.

Konzertmanager Oßwald, Chef von Vaddi Concerts, Zelt-Musik-Festival und größter Veranstalter in der Region, hatte nun angeboten, die aufgebaute Bühne für weitere Konzerte zu nutzen. Dies sei aber nicht möglich, wenn der Eintritt bei maximal neun Euro liegen dürfe, erklärte Oßwald. Er hält das beim Schlossbergfest angeführte Argument der Stadt, man wolle eine weitere Kommerzialisierung des öffentlichen Raums verhindern, für problematisch und gefährlich: "Wo, wenn nicht im öffentlichen Raum, sollen große Veranstaltungen denn stattfinden?"Dieses Argument zerstöre jedes Engagement.

Nirgendwo sonst werde so verfahren. Die Stadt Karlsruhe etwa nehme längst Eintritt für die Großveranstaltung "Das Fest" in einer Parkanlage. Und auch in Köln vor dem Dom würden jährlich Konzerte mit Eintritt stattfinden. Oßwald appelliert an die Stadtspitze: Sie müsse den Irrweg beenden und zu pragmatischen Lösungen zurückfinden. Er glaubt, dass die Konzerte mit Topstars vor der Kulisse des Münsters "zu Leuchttürmen des Stadtjubiläums" geworden wären. Die Kapazität der Münsterplatz-Südseite bei Stehplatz-Konzerten schätzt er auf rund 8000 Besucherinnen und Besucher.

Der Erste Bürgermeister Ulrich von Kirchbach sagt auf BZ-Nachfrage, solche exklusiven Events mit höheren Eintrittspreise passten nicht zur Grundausrichtung des Stadtjubiläums, das ein Fest für alle sein soll. Er erinnert daran, dass Grönemeyer in Freiburg auf der Messe 2004 vor 50 000 Fans aufgetreten sei. Beim letzten Grönemeyer-Open-Air 2015 in Freiburg waren es noch 13000 Konzertbesucher. Trotzdem: Der Ansturm auf Karten wäre wohl riesig, der Münsterplatz dann letztlich auch zu klein. Von Kirchbach bringt eine andere Idee ins Spiel: "Vielleicht kann so ein Konzert im Rahmen des Jubiläums im Schwarzwaldstadion stattfinden." Der SC Freiburg zieht dort bekanntlich mitten im Jubeljahr 2020 aus.