Nachruf

Freiburgs früherer Dompfarrer Wolfgang Gaber ist tot

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Do, 10. Juni 2021 um 18:42 Uhr

Freiburg

Er war ein Menschenfreund, Musikliebhaber und sieben Jahre lang Freiburgs Dompfarrer. Jetzt ist Wolfgang Gaber gestorben – auf den Tag genau am 48. Jahrestag seiner Primiz.

Mit seiner warmherzigen Art erreichte er die Herzen der Menschen. "Ein griesgrämiger Christ strahlt nichts aus", sagte Wolfgang Gaber, als er vor drei Jahren in den Ruhestand ging. Knapp sieben Jahre lang war er Freiburgs Dompfarrer und qua Amt mitten im Leben der Stadt. Am Donnerstag ist er im Alter von 73 Jahren gestorben – auf den Tag genau am 48. Jahrestag Primiz, also seiner ersten Messe nach der Priesterweihe.

"Und jetzt noch ein Lied!" Wolfgang Gaber
Es war keine einfache Situation, als der damalige Erzbischof Robert Zollitsch ihn im Jahr 2011 zum Dompfarrer ernannte. Vorgänger Claudius Stoffel, der nicht nur wegen seiner Predigten beliebt war, hatte nach einer Trunkenheitsfahrt seinen Amtsverzicht angeboten. Mit seiner menschlichen Kompetenz sei es Wolfgang Gaber gelungen, bestehende Konflikte einzuebnen und Menschen ins Gespräch zu bringen, sagt Christoph Neubrand, sein Nachnachfolger als Dompfarrer.

Viele Jahrzehnte in den Gemeinden der Stadt

"Evangelium bedeutet frohe Botschaft", sagte Wolfgang Gaber und besaß die Gabe, genau dieses glaubhaft zu verkörpern. Sein Elan, seine Zugewandtheit und sein Humor machten den Menschenfreund zu einem allenthalben geschätzten Akteur. Legendär sein Standardsatz: "Und jetzt noch ein Lied!" Gaber liebte die Musik, war ein begnadeter Organist, liebte Bach und Mozart, aber auch die Beatles. Über die Musik kam der gebürtige Kurpfälzer zur Theologie, studierte in Freiburg und Würzburg.

Von 1977 an war er in den Kirchengemeinden in Herdern, Landwasser und später zusätzlich in Hochdorf tätig. Nach einem zehnjährigen Intermezzo in Schwetzingen führte ihn der Weg erneut nach Freiburg, wo er nicht nur Dompfarrer, sondern auch Dekan für 32 Gemeinden wurde. Eine Woche im Amt, konnte er Papst Benedikt im Münster begrüßen. 2005 ernannte ihn der Erzbischof zum Geistlichen Rat, sechs Jahre später zum Ehrendomherrn.
Dompfarrer mit Herz, Verstand und Humor: Wolfgang Gaber geht in den Ruhestand

Zu seiner Kirche stand Wolfgang Gaber in "kritischer Treue", wie er sagte. Er sah die Notwendigkeit von Reformen. Und er warf die Frage auf, ob der Zugang zum Priesteramt nicht anders geebnet werden sollte, um den Bedarf zu decken. Ein Herzensanliegen war auch die Ökumene. Er hätte seinem evangelischen Dekan-Kollegen das Münster gerne für die Freiburger Reformationsfeier überlassen, was letztlich am Veto des Bischofs scheiterte.

Im Münster ist ein Requiem geplant

Vor mehr als einem Jahr erhielt er die Krebsdiagnose – und ging offen damit um. Wolfgang Gaber habe Glaubenskraft vermittelt und die Menschen sehr beeindruckt, sagt Dompfarrer Neubrand.

Voraussichtlich in der nächsten Woche findet die Beisetzung in Oftersheim statt. Im Münster ist ein Requiem geplant.