Gegen das Defensivbollwerk

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 16. Februar 2020

SC Freiburg

Hingehen! Die Freiburger Erstliga-Fußballerinnen spielen heute im Südbaden-Derby in Sand.

Mit ihrer Hinrunde waren die Bundesliga-Fußballerinnen des SC Freiburg nicht zufrieden. Für die Rückrunde hat sich das Team von Trainer Daniel Kraus viel vorgenommen.

Zeit für einen gemütlichen Einstieg bleibt ihnen kaum. Wenn die Bundesliga-Kickerinnen des SC Freiburg am heutigen Sonntag im engen Orsay-Stadion des SC Sand zum Auftakt nach der Hinrunde auflaufen (14 Uhr), stehen sie direkt vor einer Herkulesaufgabe. "In Sand ist es immer eklig", sagt SC-Trainer Daniel Kraus vor dem Derby zum Auftakt in den Liga-Endspurt. Die kleine Ortenauer Gemeinde sieht sich gern als gallisches Dorf der Liga, das mit wenig Geld dank kluger Transferpolitik und einem veritablen Defensivbollwerk den besseren Voraussetzungen der Konkurrenz trotzt. Seit sieben Jahren hält sich der Verein in der Beletage. Im engen Orsay-Stadion tritt kein Gegner gern an.

Aus Sicht der Fußballerinnen des Sportclubs gäbe es daher bessere Momente, um bei den heimstarken Sanderinnen aufzulaufen. Im ersten Jahr nach dem Abgang von Trainer Jens Scheuer (FC Bayern München) tut sich die Talentschmiede aus Südbaden noch schwer. Gerade einmal vier Siege haben die Breisgauerinnen bisher verzeichnet. Demgegenüber stehen drei Unentschieden und sechs Niederlagen. Im Endklassement bedeutet das Rang acht, einen Platz schlechter als Südbaden-Konkurrent Sand.

"Wir haben eine Qualität im Team – und die spiegelt unser Tabellenplatz mit den 15 Punkten nicht wieder", sagt Offensivkraft Lena Lotzen. Trainer Daniel Kraus findet: "Wir hatten gerade in der Defensive so unsere Probleme in der Hinrunde." Und Managerin Birgit Bauer ergänzt: "Ich bin guter Dinge, dass wir jetzt besser reinkommen."

Was wohl auch damit zu tun hat, dass es der Abteilungsleiterin gelungen ist, den Kader zusammenzuhalten. Lediglich die Japanerin Hikaru Naomoto hat die Freiburgerinnen verlassen, um vor den Olympischen Spielen im Heimatland noch einmal mehr Spielpraxis zu sammeln. Neuzugänge gibt es nicht. Ohnehin gehen die Planungen von Bauer bereits in Richtung kommender Saison. Zufriedenheit klingt trotzdem anders. Die derzeitige Zerknirschtheit hat zwei Ursprünge. Zum einen haben die Freiburgerinnen diese Spielzeit bereits 34 Gegentore gefangen. Nur Tabellenschlusslicht Jena weist eine schlechtere Bilanz auf. Der Auftaktgegner Sand gerät da geradezu zum Vorbild. Mit nur 24 Gegentoren gehören die Blau-Weißen zu den defensivstärksten Teams der Liga.

Zum anderen waren sie beim Sportclub in den letzten Jahren anderes gewohnt. Eigentlich kannte die Entwicklung zuletzt nur eine Richtung: steil nach oben. Auch wenn sie im Abschlussklassement letztes Jahr nur auf dem siebten Platz landeten, war der Einzug ins DFB-Pokalfinale einer der größten Erfolge des Sportclubs überhaupt. In den drei Spielzeiten zuvor erreichten die Fußballerinnen zweimal den vierten und einmal sogar den dritten Rang im Abschlussklassement.

Freiburg stieg zu einer Art Keimzelle des deutschen Frauenfußballs auf: Zur Weltmeisterschaft 2019 berief Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg gleich neun Fußballerinnen, die am Schwarzwaldrand das Kicken lernten oder hier ihre Karrieren auffrischten. Aktuell stellen die Breisgauer gleich 15 Jugend-Nationalspielerinnen.

Daran wollen sie auch in dieser Rückrunde anknüpfen. "Die Pause hat uns gut getan", ist sich der 35-jährige Trainer sicher. Auf dem Programm stand vor allem die Defensivarbeit. Kraus: "Um das zu erahnen, muss man kein Prophet sein." Dennoch wollen sie auch weiterhin fußballerische Lösungen suchen. Der Sportclub will Fußball spielen, nicht mauern.

Als Problem auf dem Weg dorthin könnten sich die Verletzungssorgen herausstellen: Zuletzt riss bei Mittelfeldfrau Verena Wieder das Kreuzband. Hinzu gesellen sich die Langzeitverletzten Clara Schöne, Kim Fellhauer, Caro Schiewe und Jobina Lahr. Kraus ist sich trotzdem sicher: "Wir wollen die Kraft aus der Vorbereitung mit ins erste Spiel nehmen." Die Partie in der Hinrunde endete mit 0:0. Kraus wäre es recht, wenn seine Frauen dieses Mal erfolgreicher wären, warnt aber: "Es wird ein hartes Stück Arbeit." Ein gemütlicher Auftakt sieht anders aus.