Südlicher Ortenaukreis

Gemeinsamer Verband soll die Wasserversorgung sichern

Klaus Fischer

Von Klaus Fischer

Mi, 24. November 2021 um 11:00 Uhr

Ringsheim

Die Wasserversorgung für Ettenheim, Ringsheim, Kappel-Grafenhausen und Rust soll künftig aus einer Hand betrieben werden.

Die Wasserversorgungsverbände Ringsheim/Ettenheim und Kappel-Grafenhausen/Rust sollen zum Jahreswechsel zu einem Verband Südliche Ortenau verschmelzen, sofern die Gemeinderäte zustimmen. Der Verband soll den Trinkwasserbedarf der Menschen in den vier Gemeinden sowie den der Europa-Park-Besucher sichern. Außerdem liefert er Trinkwasser für Mahlberg und vom kommenden Jahr an auch für Herbolzheim.

Die Gründe
Seit mehr als einem Jahrzehnt steht die Zusammenführung der beiden Trinkwasserversorger auf der kommunalpolitischen Agenda. Von Anfang an gab es unter den Akteuren drei Hauptargumente: Durch die steigende Bevölkerungszahlen müssen immer mehr Haushalte mit Trinkwasser versorgt werden. Um diese Versorgung dauerhaft zu sichern, mache ein Verbund der Versorger Sinn. Darüber hinaus lassen der Expansionskurs des Europa-Parks und als Folge der Ausbau von Hotels und Ferienwohnungen den Trinkwasserbedarf in der Region steigen. Und schließlich sollte die Versorgung von Trinkwasser weiter in kommunaler Hand bleiben und nicht privatisiert werden.

Schleppender Prozess
Dass der Fusionsprozess dennoch mehrere Jahre dauerte und in eine ferne Zukunft zu führen drohte, lag nicht zuletzt daran, dass über Jahre der damalige Vorsitzende des Verbands Ringsheim/Ettenheim, Ringsheims Bürgermeister Heinrich Dixa, seinen Fuß vom Gas nahm. Unter anderem auch deshalb, weil er für seinen Verband den Bau eines dritten Tiefbrunnens in den Feinschießen priorisierte. Und die Genehmigung zum Bau dauerte. Aber auch der Verband Kappel-Grafenhausen/Rust zierte sich, weil der kleinere Verband nicht geschluckt, sondern als gleicher Partner wertgeschätzt werden wollte. Jetzt, da im Ringsheimer Rathaus mit Pascal Weber ein neuer Verhandlungsführer im größeren Verband agierte, der dritte Tiefbrunnen in den Feinschießen sprudelt und von April an auch der Verband Kappel-Grafenhausen/Rust Trinkwasser über einen zweiten Verbandsbrunnen fördern kann, war der Boden für eine "Hochzeit auf Augenhöhe bereitet", wie es Bürgermeister Jochen Paleit (Kappel-Grafenhausen) am Montag formulierte. Zum 1. Januar 2022 soll die Fusion vollzogen werden. Zunächst kaufmännisch. "Bis der Verbund auch technisch vollzogen sein wird, wird es noch zwei Jahre dauern", sagte Pascal Weber.

Das Konstrukt
Der Verband wird seinen Sitz in Ringsheim haben. Die technische Betriebsführung soll in der Hand der Fachleute in Ettenheim liegen. "Wir werden hier neue, professionelle Strukturen aufbauen und die Mannschaft ausbauen müssen", kündigte Bürgermeister Bruno Metz ( Ettenheim) an. Bürgermeister Kai-Achim Klare (Rust) ergänzte: "Wir können jetzt die große Aufgabe, die Menschen mit Trinkwasser zu versorgen, auf mehr Schultern verteilen. Das war immer unser Ziel und unser Anspruch."

Der Verband hat die wasserrechtliche Genehmigung, über fünf Tiefbrunnen Trinkwasser zu fördern. Drei davon in den Feinschießen südlich von Rust bringt der Verband Ringsheim/Ettenheim ein (Gesamtfördermenge 1,5 Millionen Kubikmeter pro Jahr), zwei der Verband Kappel-Grafenhausen/Rust (eine Million Kubikmeter pro Jahr).

Die Sitzverteilung in der Verbandsversammlung, dem höchsten Entscheidungsorgan, errechnet sich zu gleichen Teilen aus der Bevölkerungszahl der vier Mitgliedskommunen sowie aus dem Trinkwasserverbrauch. Wobei festzuhalten ist, dass die Ettenheimer Ortsteile Wallburg, Ettenheimmünster und Münchweier extern über ein Quellwassernetz versorgt werden und ihr Trinkwasser nicht aus Verbandsquellen gespeist wird. Daraus ergibt sich die Sitzverteilung (Stimmrecht): Ettenheim vier Sitze, Rust drei, Kappel-Grafenhausen zwei, Ringsheim einer (zugleich Verbandsvorsitzender).


Das Geschäftsfeld
Der Verband soll außer den drei Ettenheimer Ortsteilen sowohl die privaten Haushalte als auch die gewerblichen Betriebe sowie den Europa-Park und das sogenannte ZVT-Gebiet (Wasserpark Rulantica) mit Trinkwasser versorgen. Überdies wird der Großteil des Trinkwasserbedarfs der Stadt Mahlberg gedeckt. Dieser Versorgungsvertrag (rund 250 000 Kubikmeter pro Jahr) bestand bisher mit dem Verband Ringsheim/Ettenheim.

Beschlossen wurde in der Verbandsversammlung am Montag zudem, etwa ab Mitte des kommenden Jahres auch die Stadt Herbolzheim mit bis zu 200 000 Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr zu versorgen. In Herbolzheim, so schilderte es der dortige Bürgermeister Thomas Gedemer in der Verbandsversammlung, gebe es einen Versorgungsengpass. Bis über ein interkommunales Strukturgutachten Nördlicher Breisgau eine neue Versorgungsstruktur aufgebaut werde, könne eine Versorgungsleitung aus dem nördlichen Nachbarverband die Situation entspannen, so Gedemer. Die Kosten für die notwendige Trinkwasserleitung trägt die Stadt Herbolzheim. Zunächst soll die Lieferzusage für zehn Jahre gelten.

Rein rechnerisch reichten die Förderkapazitäten im Verband Südliche Ortenau für eine Mitversorgung von Herbolzheim aus. Pascal Weber: "Die Kapazität von 2,5 Millionen Kubikmeter Fördermenge pro Jahr kann diesen Bedarf decken. Allerdings werden wir das jedes Jahr evaluieren. Priorität hat für uns klar die Versorgung der Menschen, die in unserem Verbandsgebiet leben."