Stadt Freiburg reagiert

Glasverbot und große Müllcontainer für den Platz der Alten Synagoge

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Do, 24. Juni 2021 um 12:24 Uhr

Freiburg

Nach teils chaotischen Nächten reagiert die Stadt Freiburg: Auf dem Platz der Alten Synagoge gilt für die nächsten zwei Wochenenden ein Glasverbot. Und es werden große Abfallcontainer aufgestellt.

Die Stadtverwaltung versucht nun die Lage in den Griff zu bekommen. Dazu wird es ein Bündel an Maßnahmen geben, wie das Rathaus am Donnerstag mitgeteilt hat. Im Fokus liegt vor allem der zentrale Platz der Alten Synagoge, wo sich in zurückliegenden Sommernächten teils über 1000 junge Menschen versammelt haben.

Es gab Ärger wegen massiven Ruhestörungen, hinterlassenen Müllbergen und Streitigkeiten sowie auch einzelne sexuelle Übergriffe. Registriert wurden auch immer wieder Provokationen und Flaschenwürfe gegen die Polizei – in der Regel nach Mitternacht von stark alkoholisierten Menschen, wie es in der Pressemitteilung der Verwaltung heißt. Die Stadt wolle dies alles nicht tolerieren, sagt Oberbürgermeister Martin Horn: "Daher reagieren wir mit klarer Kante." Gewalt und Aggression gegen Sicherheits-und Einsatzkräfte werde man nicht dulden.

Glasverbot gilt für die nächsten zwei Wochenenden

Schon vom kommenden Wochenende an will das Rathaus verschiedene Vorkehrungen treffen. Man sei an einem Punkt angelangt, der es erfordere, dass durch klare Regelungen die Sicherheit und Ordnung auf dem Platz wieder hergestellt werde, wird Bürgermeister Stefan Breiter zitiert.

So wird – wie angekündigt – schon an diesem Wochenende von Freitag bis Sonntag ein Glasflaschenverbot auf dem Platz der Alten Synagoge gelten – und zwar von 20 bis 5 Uhr. Große Schilder sollen auf das Verbot hinweisen, das erst einmal für das kommende und das darauffolgende Wochenende gilt. Mit diesem temporären Glasverbot wolle die Stadt die dortigen Menschen sowie die Polizei und den städtischen Vollzugsdienst vor Verletzungen schützen, heißt es in der Pressemitteilung.

Zusätzlich sollen drei große Abfallcontainer mit großen Einwurföffnungen auf den Platz gestellt werden, damit die Platzbesucherinnen und –besucher den entstehenden Müll direkt vor Ort entsorgen können.

Freiwillige verteilen Mülltüten aus Papier

Zudem startet der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg (ASF) die Aktion "Chill out and keep clean" (Entspannt und haltet den Platz sauber). Freiwillige Helferinnen und Helfer werden Papiertüten verteilen, welche die jungen Menschen mit ihrem Abfall befüllen und direkt in neuen der neuen Container entsorgen können. So lautet jedenfalls der Plan.

Auch an anderen beliebten Treffpunkten in der Stadt werden Abfallcontainer installiert: Einer am Martinstor, vier rund um den Seepark sowie einer am Sandfangweg. Sie sollen alle noch vor dem Wochenende aufgestellt werden.

Die Stadtverwaltung hat unter Federführung des Büros von Bürgermeister Breiter kurzfristig eine Projektgruppe eingerichtet, in der das Gesamtpaket von Maßnahmen mit der Sozial-, der Kultur- und Jugendverwaltung und in Zusammenarbeit mit der kommunalen Kriminalprävention ausgearbeitet werden soll. Zu diesem Konzept gehört demnach auch, dass die Stadt von Juli bis Dezember 2021 ihre Gebühren für kulturelle Veranstaltungen auf städtischen Grünflächen senkt und soweit erforderlich und vertretbar die Rekultivierung der Grünflächen übernimmt. Dies soll unter anderem auch zu einer Entzerrung der genutzten Flächen und einer Entlastung des Platzes der Alten Synagoge beitragen.

Wenn’s nicht fruchtet, drohen Beschränkungen

Die Stadtverwaltung will nach dem übernächsten Wochenende gemeinsam mit der Polizei eine erste Bilanz ziehen und dann entscheiden, wie man mit weiteren Maßnahmen nachsteuern muss – falls das Glasverbot auf dem Platz der Alten Synagoge nicht die erhoffte Wirkung zeigt.

Jeder würde sich freuen, dass das öffentliche Leben nach den letzten schwierigen Corona-Monaten wieder möglich ist, sagt OB Martin Horn: "Umso mehr appelliere ich an alle, die sich in den kommenden Wochenendnächten am Platz der Alten Synagoge und an anderen attraktiven Freiburger Plätzen aufhalten, sich friedlich
und angemessen zu verhalten." Nur so können die Stadtverwaltung gewährleisten, dass Plätze in diesem Sommer ohne Einschränkungen genutzt werden könnten.

Polizei will sich personell besser aufstellen

Personell besser aufstellen will sich nach eigener Ankündigung auch die Polizei. Sie hatte am vergangenen Samstag nachts zeitgleich Problemlagen auf dem Platz der Alten Synagoge und bei der Protestaktion für den Nachtkiosk "Späti" auf der Eschholzstraße – und musste dafür Kräfte aus Offenburg und Karlsruhe ordern. Die Kapazitäten reichten dennoch nicht für den Seepark, wo sich ebenfalls mehrere hundert Menschen versammelten und es Lärmbeschwerden gab. Im gemeinderätlichen Haupt- und Finanzausschuss kritisierte Grünen-Stadtrat Jan Otto, die Polizei hätte auf diese Situation vorbereitet sein müssen.