Große Oper mit der Konzertgitarre

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 13. Oktober 2020

Rheinfelden

Gitarrist Rossini Hayward gab ein ungewöhnliches Konzert mit Wagner-Klängen im Haus Salmegg.

. Große Oper in Kurzform auf der Gitarre erlebten die Zuhörer beim Auftritt von Rossini Hayward am Sonntagabend im Rheinfelder Haus Salmegg. Der aus London stammende Gitarrist gab im Rahmen des Festivals "Akkorde" ein außergewöhnliches Solorecital im Dietschy-Saal, der mit 32 Besuchern coronabedingt "ausverkauft" war.

Laut Kulturamtsleiterin Henrike Fuder war die Nachfrage noch viel größer. In der intimen Atmosphäre konnte sich Haywards sensibles, hochpräzises und feinsinniges Spiel wunderbar entfalten. Er eröffnete den Abend mit drei schwierigen Etüden von Fernando Sor, die er spieltechnisch bestechend präzise und in feinsten dynamischen Schattierungen aushorchte. Ganz in sich gekehrt, hingebungsvoll, mit geschlossenen Augen, spielte der Brite diese Stücke des spanischen Komponisten. Das war schon zum Auftakt klassische Gitarrenkunst auf höchstem Niveau.

Bevor er seine "Rheingold Fantasie" so passend nah am Rhein vorstellte, erklärte Rossini Hayward, was ihn an der gewaltigen Opernmusik von Richard Wagner fasziniert. "Rheingold" ist der erste Teil des Opernzyklus "Der Ring der Nibelungen". Hayward hat das dramatische Operngeschehen um den Zwerg Alberich, der das Rheingold stiehlt, und den Gott Wotan in einer höchst effektvollen Gitarrenfantasie komprimiert.

"Rheingold"-Themen auf der Gitarre

Er verarbeitet in seiner Version die wesentlichen Leitmotive – das Nibelungenmotiv, das Schatzmotiv, das Wehe-Motiv – sehr markant und macht die Szenen und Figuren plastisch hörbar. Voller Dramatik und Erzählkraft, Feuer und Energie gerät seine geraffte Fantasie über dieses klangmächtige Wagner-Opernepos. Wie brillant und souverän Hayward dabei die Klangmittel seiner Gitarre aufs Äußerste ausschöpft, machte gewaltig Eindruck auf die Zuhörer.

Doch Rossini Hayward kann auch anders. Ruhig, innig, kontemplativ klingen seine zwei neuen Eigenkompositionen "Prelude" und "Prayer", die er erst vor zwei Wochen veröffentlicht hat: eine stille Musik, die er schlicht, empfindsam und voller Tiefe spielt. Danach hat der Konzertgitarrist drei eigene Bearbeitungen bekannter Lieder aus seiner ersten CD im Repertoire. Seine humorvolle Version der Melodie "Hänschen Klein" löst bei den Zuhörern Schmunzeln aus. Auch wie stilvoll und einfühlsam er "Schlaf, Kindlein, schlaf" und das melancholische "Danny Boy" auf die Saiten zaubert, bringt die Gitarrenfans im Haus Salmegg in verzücktes Schwärmen. Als letztes Stück seines Programms legt Hayward eine beeindruckende Bearbeitung des berühmten Kanons von Pachelbel vor, in der er alle Stimmen transparent und klar durchhörbar macht.

Wieder und wieder klatschten die begeisterten Zuhörer den Interpreten zurück in den Saal. Der mit einem kräftigen "Bravo" gefeierte Meistergitarrist bedankte sich mit zwei berückenden Zugaben, einer Version von "In Dulci Jubilo" aus seiner neuesten CD mit Weihnachtsliedern, und dem besinnlichen "Der Mond ist aufgegangen".