Notfallversorgung

Großes Leserecho auf Einschränkungen bei der Beckerklinik

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mo, 15. Juni 2020 um 12:22 Uhr

Bad Krozingen

Der Artikel über die Beschränkung der Notfallversorgung in der Bad Krozinger Beckerklinik (Badische Zeitung vom 13. Juni) stieß auf ein enormes Leserecho. Hier eine Auswahl von Zuschriften.

Der Artikel über die Beschränkung der Notfallversorgung in der Bad Krozinger Beckerklinik auf die Zeit von 8 bis 18 Uhr an Werktagen (Badische Zeitung vom 13. Juni), die durch neue gesetzliche Vorgaben bedingt wird, stieß auf ein enormes Leserecho. Hier eine Auswahl von Zuschriften:

BECKERKLINIK BAD KROZINGEN



Das kann man nicht einfach so hinnehmen
Die ab Juli drohende Einschränkung der Notfallversorgung der Beckerklinik kann ich als langjähriger Bürger der Kurstadt Bad Krozingen und zufriedener Patient der Klinik nicht so einfach hinnehmen. Die Beckerklinik, die seit Jahren eine zuverlässige Rund-um-die-Uhr-Unfall- und Notfallversorgung mit erfahrenen und qualifizierten Ärzten bietet, soll nun in diesem für das Heilbad wichtigen Bereich, in Zukunft nur noch stark eingeschränkt tätig sein. Es ist erschreckend wie weltfremd die Organisation G-BA und die Landes- und Bundespolitik agieren. Statt sich die Situation in den kleineren Städten genau und auf Fakten gestützt anzusehen, werden generelle Schemata und Forderungen aufgestellt, die allein die großen Kliniken in den großen Städten bevorzugen und die kleinen Kliniken, die eine gute und langjährige Versorgungshistorie aufweisen, einfach nicht erfüllen können. Sie werden auf diese Weise in den finanziellen Ruin getrieben. Das ganze Verfahren hat einen üblen Beigeschmack, weil man zwischen den Zeilen liest, dass die Lobby der großen Kliniken die kleinen Konkurrenten mit dieser Methode kaputt machen will. Das kann doch nicht im Interesse einer bürgernahen Notfallversorgung sein! Auch bekommt man den Eindruck dass hier keine Fachleute, sondern Dilettanten am Werk sind. Leute die nur bestimmte Klientel-Interessen verfolgen und denen egal ist was mit dem Bürger und der medizinischen Versorgung auf dem Land passiert.

Peter Krusche, Bad Krozingen

Es ist ein Skandal, was hier abläuft
Ich kann nicht glauben, was ich da lese. Rettungsdienste dürfen nicht mehr die Beckerklinik anfahren, Reduzierung des Notfallbetriebes wegen fehlender Intensivbetten? Will man bewusst ein bisher funktionierendes Notfall-Versorgungs-System an die Wand fahren? Was ist das für ein Bundesausschuss, der durch diese hirnverbrannten Gesetze Existenzen gefährdet und somit die ortsnahe Versorgung, die reibungslos auch in Corona Zeiten stattfindet, in Frage stellt? Ich war im Sommer 2019 zehn Tage mit meinem Sprunggelenksbruch in dieser Klinik, wurde sofort versorgt, optimal behandelt und operiert, die Ärzte haben täglich nach mir gesehen, die Nachversorgung war top, wo gibt es das noch? Ich war heilfroh, nicht in Müllheim oder in der Uniklinik Freiburg gelandet zu sein. Ein Patient, der Intensivbehandlung braucht, kann doch sofort in eine andere Klinik gebracht werden, wozu soll die Beckerklinik denn Intensivbetten vorhalten? Wer einmal in der Notfallambulanz der Uniklinik Freiburg gelandet ist, geht freiwillig nicht mehr hin. Man ist eine Nummer, die Ärzte wechseln ständig, immer muss man den gleichen Text erzählen, Wartezeiten von bis zu sechs Stunden sind keine Seltenheit. Was soll da denn daran besser sein? Ich empfinde es als einen Skandal, was in diesem Fall abläuft und die Landrätin sich in Stillschweigen übt. Es sollte hier um das Wohl der Bevölkerung gehen und nicht um Gewinnmaximierung. Die moralische Verpflichtung der Herren Becker und des gesamten Ärzteteams ist vorbildlich und sucht ihresgleichen. Die Beckerklinik muss in der bisherigen Form beibehalten werden und daran sollte auch Bürgermeister Kieber ein massives Interesse haben.

Rosalinde Stöcker, March-Holzhausen

Eine kaum zu ertragende Arroganz
Der Aufsichtsrat der Uniklinik Freiburg lehnt eine Kooperation bei der Notfallversorgung für die Kurstadt Bad Krozingen ab. In der Praxis heißt das, dass ab 1. Juli 2020 alle dringend zu behandelnde Bürger, die durch Sturz, Unfall oder Ähnliches schwere Schäden erleiden, möglicherweise große Schmerzen ertragen müssen, nunmehr mindestens eine halbe Stunde länger transportiert und in den großen Krankenhäusern dann wohl auch noch die bekannt langen Wartezeiten bis zu Behandlung überstehen müssen. Warum? Weil eine patientenfeindliche Gesetzgebung das Krankenhaussystem nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten gewinnorientiert umbauen will. Wem nutzt das? Es ist für einen Bürger unerträglich, diese Arroganz erleben zu müssen, mit der sich zum Beispiel die Landtagsabgeordnete und Staatssekretärin Bärbl Mielich (Bündnis 90/Die Grünen) äußert. Ich möchte der Dame nicht wünschen, dass sie mal sonntags abends stürzt, einen extrem schmerzhaften Oberschenkelhalsbruch erleidet und dann erst einmal über eine halbe Stunde zu einem Krankenhaus gekarrt werden muss – hier und da über eine Bodenschwelle zur Geschwindigkeitsbegrenzung – und dann von älteren Angehörigen nicht besucht werden kann, weil diese kaum mit dem ÖPNV zu ihr gelangen können. Es hat wohl vielversprechende Überlegungen in Zusammenarbeit mit dem Herzzentrum (UHZ) gegeben, ein gesetzeskonformes Notfallzentrum auf die Beine zu stellen, hier hat aber letztlich der Aufsichtsrat der Uniklinik Ende März eine Kooperation abgelehnt. Das, liebe Uniklinikverantwortliche, ist wahrhaft ein toller Einstieg in das Herzzentrum. Nun wissen wir hier in Bad Krozingen, welche Kälte durch die Mauern dieses früher wegen seiner Patientenfreundlichkeit so geschätzten Herzzentrums künftig wehen wird. Sie sollten sich schämen, eine Kurstadt derart in ihrem bisher so ausgewogenen Gesundheitsangebot zurückzuwerfen. Es geht wirklich wohl nur ums Geld?

Alfred Winkelmann, Bad Krozingen

Wo bleibt der Aufschrei in der Bevölkerung?
Das hat die Politik wieder einmal super hinbekommen. Wo waren unser Bürgermeister und die uns vertretenden Stadträte, als diese Entscheidung getroffen wurde? Erst wird das Herzzentrum von der Uni-Klinik übernommen und nun sollen alle Patienten im Notfall am Abend oder Wochenende nach Freiburg oder Müllheim in die Notaufnahme fahren. Seit über 70 Jahren wurden wir Patienten, nicht nur im Notfall, in der Beckerklinik bestens versorgt und jetzt soll das auf einmal nicht mehr möglich sein? War einer unserer Politiker schon mal in der Notaufnahme in einer der nun empfohlenen Kliniken? Wartezeiten von mehreren Stunden sind keine Seltenheit. In der Presse wurde doch erst bekannt gemacht, dass die Notaufnahmen überfüllt sind und jetzt sollen auch noch die ganzen Patienten aus Bad Krozingen und Umgebung dorthin fahren? Haben denn alle Verantwortlichen den Verstand in Corona-Zeiten verloren? Liebe Mitbürger wehrt euch, denn wenn im Juli die Notaufnahme der Beckerklinik erst eingeschränkte Öffnungszeiten hat, ist alles zu spät.

Klaus und Iris Helfesrieder, Bad Krozingen