Großes Spektakel zur 48er Revolution

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Do, 30. Juni 2022

Offenburg

Mit einer Neufassung des Stücks "Vision Freiheit" beteiligt sich die Theaterakademie Offenburg an den Europawochen der Heimattage.

. Mit ihrem Stück "Vision Freiheit" erinnert die Junge Theaterakademie an die Badische Revolution in Offenburg, ihre Ursachen und Folgen. Im Rahmen der Heimattage wird das 2015 uraufgeführte Stück nun in überarbeiteter Form vom 7. bis 9. Juni im E-Werk-Zelt auf dem Kulturforum wieder aufgenommen.

Alles ist größer als bei der Erstinszenierung. Das Ensemble hat sich mit rund 60 Schauspielerinnen und Schauspieler verdoppelt. Das Offenburger Ensemble spielt in 16-köpfiger Besetzung von Leiter Gerhard Möhringer-Gross arrangierte und komponierte Musikstücke. Über 30 Schüler und Lehrer des Grimmelshausen-Gymnasiums vereinen sich zu einem großen Bühnenchor. Die riesige Bühne unter dem imposanten Zeltdach im Kulturforum und die 600 Sitzplätze davor sind nicht nur im vergleich zum Salmen respekteinflößend. Dennoch: Bei der Pressekonferenz mit zahlreichen Mitwirkenden zeigen sich alle Beteiligten zuversichtlich und voller Vorfreude auf das Stück, mit dem die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler sich intensiv auseinandergesetzt haben. Der 20-jährige Aaron Werner, der den Offenburger Bürgermeister Gustav Rée spielt und als Bundesfreiwilligendienstler in der Jungen Theaterakademie mitarbeitet, ist der Einzige auf der Bühne, der schon bei der Ursprungsinszenierung mit dabei war. Er hat viel gelesen über Rée, und findet das auch ganz selbstverständlich, "denn schließlich verkörpere ich eine historische Figur". Durch seine Mitarbeit in der Organisation erlebe er jetzt, "wie viel Arbeit das alles ist".

Das große Engagement und die ehrenamtliche Arbeit unterstütze die Bürgerstiftung St. Andreas gerne, betonte Vorstandsmitglied Barbara Huber, nicht zuletzt, wenn es wie in diesem Fall auch noch stadthistorischen Bezüge gebe.

Regisseur Paul Barone verwies auf die Parallele zwischen den Demokratiebestrebungen der badischen Revolutionäre und der partizipativen und kooperativen Arbeit der Theaterakademie, bei der viele Akteure einbezogen werden. Neben der Kern- und Keimzelle Grimmelshausen-Gymnasium sind dies Schülerinnen und Schüler der Erich-Kästner-Realschule, die zusammen mit der Kunstschule Offenburg das Bühnenbild geschaffen haben, und die Haus- und Landwirtschaftlichen Schulen, die trotz Prüfungsstress den Bedarf an neuen Kostümen decken konnten. Unter anderem die drei Kindergruppen in Schwarz, Rot und Gold mussten ausgestattet werden, aus deren Perspektive die Geschichte nun erzählt wird. Ausgleichende Gerechtigkeit, denn die Rechte der Frauen und der Kinder kommen in den 13 Offenburger Forderungen der Revolutionäre von 1847 gar nicht vor.

Mit dieser neuen Schwerpunktsetzung konnte die Junge Theaterakademie nach den Einschränkungen durch Corona – gefördert durch das Rückenwind-Programm des Landes – auch wieder Nachwuchs in die große Theaterfamilie holen. Der zwölfjährige Jonathan Busam berichtet freimütig, dass die Probenarbeit "nicht immer einfach, aber immer schön" sei. "In der großen Gruppe macht Theaterspielen richtig Spaß" betont auch die 15-jährige Cora Schreiner, die in einer Doppelrolle als alte Frau und Auswanderin zu sehen sein wird. Spaß, aber auch in der heißen Probenphase noch viel Arbeit: Nach dem Pressetermin geht es gleich weiter zur nächsten Theaterprobe.

Vision Freiheit. Junge Theaterakademie Offenburg. Aufführungen 7., 8. und 9. Juli, jeweils 20 Uhr, Kulturforum. Dauer ca. 2 Stunden mit Pause. Vorverkauf Bürgerbüro und Mo-Fr von 10.30 – 11.30 im Grimmelshausen-Gymnasium. Eintritt 10, erm. 5 Euro.