Grüne Soße

Gründonnerstag ist für viele Grüne-Soße-Tag

Katja Rußhardt

Von Katja Rußhardt

So, 28. März 2021 um 12:53 Uhr

Gastronomie

Der Sonntag In Hessen hat die Frankfurter Grüne Soße Kultstatus. Für viele ist sie am Gründonnerstag ein Muss. Seit 2016 ist die Soße als Kulturgut mit geographischer Angabe geschützt.

Zum Äppelwoi braucht man eben ein paar Vitamine, sagt ein Bekannter mit hessischen Wurzeln über die Frankfurter Grüne Soße – unter seinen Landsleuten ist sie ausschließlich als (Frankfotter) Gri Soß bekannt. Aus Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch besteht diese Kräuterkomposition, die seit 2016 als Kulturgut mit geografischer Angabe geschützt ist.

Gründonnerstag ist Grüne Soße-Tag

Während man die Kräuterbündel in Hessen, eingewickelt in weißes Papier mit aufgedrucktem Rezept, überall schnittfrisch bekommt, sucht man hierzulande meist vergebens danach. Sich mit Grün aus dem eigenen Garten zu behelfen oder die sieben Kräuter auf dem Wochenmarkt zusammenzusuchen, bleibt für Freunde des Klassikers die einzige Alternative, um zeitgleich mit der hessischen Fangemeinde in die Saison zu starten. Die beginnt traditionell vor Ostern: Gründonnerstag ist Grüne Soße-Tag – das gilt für traditionsbewusste Hessen.

Sie schwören auf die magischen Sieben und nutzen jeweils eigene Familienrezepte für deren Verarbeitung. Traditionalisten lehnen es strikt ab, Mayonnaise zur geschmacklichen Verfeinerung in die Soße zu schummeln. Auch mein Bekannter zählt dazu und respektiert das alte Rezept seiner Großmutter: Einen guten Joghurt, etwas Schmand oder Sahne mit einem Löffelchen Senf, Salz, Pfeffer und einem Spritzer Zitrone verrühren.

Kräuter unterrühren

Hartgekochte Eier mit der Eierharfe klein schneiden und mit den sehr fein geschnittenen Kräutern unterrühren. Achtung: Unbedingt ein scharfes Messer verwenden und Hände weg vom Mixer, der die Kräutlein nur zerquetscht und der Soße eine unerwünscht suppige Konsistenz verleiht. Und wenn schon Feintuning, dann wie beim ersten auffindbaren Rezept anno 1860 aus dem Praktischen Frankfurter Kochbuch von Wilhelmine Rührig, bei dem Salatöl für Geschmeidigkeit sorgt.



Womit wir beim Mundgefühl wären: Nichts macht mehr Freude, als eine sämige Pellkartoffel im Grünen zu zerdrücken und sich die Melange aus Kalt und Warm auf der Zunge zergehen zu lassen. Wer Eier nicht schon in der Soße mag, kann sie auch im Trockenen neben der Kräuterwolke platzieren. Für eine zauberhafte Optik schmücken wahre Ästheten und Kräutergärtner den Teller jetzt noch mit einer blauen Borretschblüte. Daneben macht sich ein Stöffsche (Äppelwoi) im Gerippten (Äppelwoi-Glas) sehr gut. Tipp: Mit der Gri Soß lassen sich österliche Eier-Überschüsse ruckzuck und gut getarnt eliminieren.