Grüne werden vielerorts stärkste Kraft

Alexander Huber

Von Alexander Huber

Mo, 27. Mai 2019

Müllheim

Bei der Europawahl verändern sich auch im Markgräflerland die politischen Kräfteverhältnisse teilweise drastisch.

MARKGRÄFLERLAND. Der fulminante Wahlerfolg der Grünen bei der Europawahl spiegelt sich auch in den Gemeinden des Markgräflerlandes wider. In etlichen Orten, so zum Beispiel im Mittelzentrum Müllheim, überholen sie sogar die CDU und werden auf Europaebene zur stärksten politischen Kraft. Desaströs sind die Ergebnisse auch in der Region für die SPD. Die AfD pendelt sich in etwa auf dem Niveau der vorherigen Wahlen ein, die FDP kann in vielen Orten leicht dazu gewinnen. Weiterhin unbedeutend im Markgräflerland bleiben die Linken.

Das traditionell schwarze Markgräflerland wird zunehmend grün – der Trend, der sich bereits in den vorangegangen Wahlen abgezeichnet hat, erreicht mit dieser Europawahl einen vorläufigen, eindrucksvollen Höhepunkt. Stärkste politische Kraft bei dieser Europawahl werden die Grünen im Markgräflerland in Auggen, Badenweiler, Buggingen, Müllheim und Sulzburg. In dem früheren Bergbau-Städtchen erreichen sie einen Spitzenwert von 33,8 Prozent der Wählerstimmen.

Die regionale CDU verteidigt ihre Spitzenposition in Ballrechten-Dottingen mit am klarsten – hier kommen die Christdemokraten auf 36,7 Prozent und lassen die Grünen mit 27,5 Prozent noch deutlich hinter sich. In anderen Orten mit weiterhin bestehender CDU-Dominanz, wie etwa Heitersheim, Eschbach, Neuenburg, Bad Bellingen und Schliengen, wurde der Abstand tendenziell geringer – in Heitersheim etwa liegen nur noch wenige Prozentpunkte zwischen CDU (30,3 Prozent) und Grünen (28,5 Prozent).

Die Ergebnisse der SPD liegen im Markgräflerland durchweg bei nur noch 10 bis 15 Prozent. Die besten Werte erreichen die Sozialdemokraten noch in Badenweiler mit 14,6 und Heitersheim mit 15,2 Prozent – Orte, in denen die SPD auch kommunalpolitisch noch stark vertreten ist. An den insgesamt erdrutschartigen Verlusten der SPD ändert dies aber nichts – die mitunter fast schon an Halbierungen der Wählerstimmenzahl heranreichen.

Die signifikanten Kräfteverschiebungen zeigen sich auch in Müllheim überaus deutlich: Lag hier der Wähleranteil der Grünen bei der Europawahl von 2014 und der Bundestagswahl 2017 um die 18 Prozent, so schießt er nun auf 31,6 Prozent empor. Demgegenüber stehen erhebliche Verluste bei der CDU, die gegenüber der vergangenen Europawahl von 33,2 auf 26,4 Prozent einbricht. Noch verheerender die Situation der SPD: Sie gibt gegenüber 2014 mehr als zehn Prozentpunkte ab und landet bei nur noch 14,3 Prozent.

Die Zugewinne und Verluste der wichtigsten Parteien sind in Neuenburg am Rhein ähnlich, allerdings reichen die Verschiebungen in der traditionell eher konservativ ausgerichteten Zähringerstadt nicht aus, um die CDU von ihrem Spitzenplatz zu verdrängen. Knapp 32 Prozent erreichen die Christdemokraten, die Grünen sind hier mit 24,3 Prozent jetzt zweitstärkste Kraft, die SPD kommt nur noch auf 13 Prozent. Mit einem Wähleranteil von 10,4 Prozent erreicht die AfD in Neuenburg einmal mehr eines ihrer besten Ergebnisse im Markgräflerland – das entspricht in ungefähr dem Wert der letzten Europawahl, im Vergleich zur Bundestagswahl gibt die AfD hier aber rund zwei Prozentpunkte ab. Insgesamt pendelt sich die AfD bei dieser Europawahl zwischen sechs und zehn Prozent ein – recht gut punkten kann sie etwa in Auggen (9,5 Prozent) oder Bad Bellingen (9,9 Prozent).

Die gerade in den kleineren Orten des Markgräflerlandes traditionell starke FDP kann zwar noch nicht ganz wieder an alte Glanzzeiten anknüpfen, doch der Absturz in die Bedeutungslosigkeit scheint abgewendet. Gute Ergebnisse im regionalen Vergleich erzielen die Freien Demokraten etwa in Auggen mit annähernd zehn Prozent, was einen Zuwachs von drei Prozentpunkten gegenüber der letzten Europawahl bedeutet. Bei der Bundestagswahl 2017 waren es dort aber schon 15,7 Prozent gewesen – möglicherweise waren diese besonders guten FDP-Ergebnisse, wie auch in anderen Orten der Region, der Bundestagskandidatur des früheren Bad Bellinger Bürgermeisters Christoph Hoffmann geschuldet. Weiterhin kaum eine Rolle spielt Die Linke im Markgräflerland; 4,3 Prozent der Wählerstimmen in Sulzburg müssen da schon als regionaler Spitzenwert gelten.

Erfreulich ist die durchweg auch im Markgräflerland gestiegene Wahlbeteiligung, die teilweise deutlich jenseits der 60 Prozent liegt. Auch hier wiederholen sich in der Tendenz traditionelle Muster: Orte, die auch schon früher durch eine besonders wahlfreudige Bürgerschaft auffielen, ragen auch diesmal wieder hervor. Spitzenreiter sind etwa Sulzburg mit 72,5 Prozent und Ballrechten-Dottingen mit 75,2 Prozent. Schlusslicht, auch das mit Blick in die Vergangenheit nicht überraschend, ist Neuenburg mit einer Wahlbeteiligung von 54,9 Prozent. Allerdings: 2014 haben sich in der Zähringerstadt nicht mal 44 Prozent für die Europawahl interessiert.

Laufend aktualisierte Ergebnisse zu den Wahlen – auch den Kommunalwahlen – gibt es auf BZ-online unter http://www.badische-zeitung.de