Abschied in der Krise

"Gut ausgerüstete Bestatter bieten sogar Livestreams"

Birgit Herrmann

Von Birgit Herrmann

Mi, 05. August 2020 um 15:27 Uhr

Liebe & Familie

Interview mit Elke Herrnberger vom Bestatterverband über seriöse Bestatter und summende Trauernde

Düsseldorf. Trauerfeiern sind seit Corona noch trauriger. Doch Bestatter bieten kreative Ideen für ein würdiges Abschiednehmen in der Krise. Darüber sprach Birgit Herrmann mit Elke Herrnberger, Pressesprecherin des Bundesverbands Deutscher Bestatter (BDB), am Telefon.

BZ: Wie finden aktuell Trauerfeiern statt?
Elke Herrnberger: Mit einem Mindestabstand von 1,5 Metern und einer bestimmten Anzahl von Trauernden, die jeweils abhängig ist von der Kirchen- oder Trauerhallengröße. Die Teilnahme an Beerdigungen sind von Bundesland zu Bundesland, sogar von Friedhof zu Friedhof, unterschiedlich geregelt. Mein Rat ist daher, sich an den Bestatter vor Ort zu wenden, der kennt die aktuellen Corona-Beschränkungen.

BZ: Welche Lösungen gibt es für eine trotzdem schöne Feier?
Herrnberger: Einige Bestatter bieten offene Zelte, die Schutz vor Sonne und Regen bieten. Denn am besten sollte draußen gefeiert werden. Ich weiß auch von Bestattern, die Trauerfeiern für die Nichtanwesenden mit dem Handy filmen oder Fotos machen. Technisch gut ausgerüstete Bestatter bieten sogar Livestreams. Statt zu singen, wird manchmal auch gesummt. Das muss wohl sehr schön sein, denn auch Menschen, die nicht gerne singen, trauen sich da mitzusummen.

BZ: Welche Serviceleistungen bieten Bestatter generell?
Herrnberger: Der Beruf des Bestatters umfasst vielfältige Aufgaben, die weit über die Beerdigung hinausgehen. So gehören etwa die Beratung über die Bestattungsarten, die hygienische Versorgung, die Aufbahrung sowie Überführung Verstorbener oder die Organisation und Gestaltung der Trauerfeier zum Dienstleistungsangebot.

BZ: Wie erkenne ich einen seriösen Bestatter?
Herrnberger: Die Berufsbezeichnung Bestatter ist ein freies Gewerbe, das bedeutet: Jeder kann theoretisch ein Bestattergewerbe anmelden. Auf unserer Verbandshomepage http://www.bestatter.de finden Interessierte unter dem Button "Bestatter finden" regional ansässige, seriöse Betriebe, mit qualifizierten Mitarbeitern, und einer transparenten Preisgestaltung.

BZ: Einen Bestatter suchen die meisten erst, wenn ein Todesfall eingetreten ist. Ist das sinnvoll?
Herrnberger: Besser ist es, in einem ruhigen Zustand die Fragen in einem Bestattungsvorsorgegespräch zu klären, welches seriöse Bestatter unverbindlich anbieten. Hier erfahren Interessierte zum Beispiel, welche Bestattungsmöglichkeiten es gibt und was sie kosten. Aus unserer Erfahrung erweist man damit seinen Kindern und Angehörigen einen Riesengefallen. Denn in dem emotionalen Ausnahmezustand, gerade einen geliebten Menschen verloren zu haben, wichtige und endgültige Bestattungsentscheidungen treffen zu müssen, ist eine große Verantwortung. Zudem hat man die Sicherheit, dass der eigene Wille umgesetzt wird.

BZ: Was ist generell zu beachten?
Herrnberger: Schlecht ist, Geld für die eigene Beerdigung auf ein Sparbuch zu legen. Denn dann ist es nicht zweckgebunden und kann vom Sozialamt etwa für Pflegekosten einbehalten werden. Besser ist da, einen Treuhandvertrag oder eine Sterbegeldversicherung abzuschließen. Man sollte seine Wünsche für die Beerdigung auch nicht ins Testament schreiben, denn dieses wird gewöhnlich erst nach der Bestattung verlesen.

BZ: Bestattungen sind kostspielig: Verdienen Bestatter besonders gut an dem todsicheren Geschäft?
Herrnberger: Ja, das Vorurteil kennt die Branche. Doch von den Gesamtkosten einer Beerdigung erhalten Bestatter für ihre Dienste gerade mal ein Drittel. Die anderen zwei Drittel werden für Dienstleister wie Caterer, Musiker, Floristen, die Einäscherung oder für Friedhofsgebühren fällig.

Zur Person: Elke Herrnberger, Jahrgang 1964, ist als diplomierte Kommunikationsdesignerin seit 2018 verantwortlich für die mediale Präsenz des BDB.