Gut gebrüllt – Bonndorfer Löwe

Wolfgang Scheu

Von Wolfgang Scheu

Di, 17. Mai 2022

Bonndorf

WIE WAR’S BEIM Kleinkunstwettbewerb um den "Bonndorfer Löwen"? Tolle Künstler, große Kleinkunst und ein begeistertes Publikum.

. Das Publikum in der sehr gut besuchten Bonndorfer Stadthalle erwartete ein wahres Feuerwerk großer Kleinkunst mit Kabarett, magischen Momenten, Musik aus Westafrika und Deutschland – instrumental und A cappella-Gesang vom Feinsten. Die Erwartungen wurden voll erfüllt beim Folktreff-Wettbewerb um den Kleinkunstpreis "Bonndorfer Löwe". Und um es gleich vorwegzunehmen: Beide ausgelobten Preise, Löwenkopf und Löwenherz, gingen an die Gruppe "Vocaldente".

Die Künstler
Jeder der Anwärter auf den Kleinkunstpreis hatte 20 Minuten Zeit, um das Publikum zu unterhalten und zu beeindrucken. Den Anfang machte FEE. Die Singer-/Songwriterin, die unter anderem schon den renommierten Panik-Preis der Udo-Lindenberg-Stiftung in der Tasche hat, kam alleine und verzauberte das Publikum mit ihren ehrlichen und direkten Liedern. Verblüffend war die besondere Show des fernseherfahrenen "Enterbrainers" Andy Häussler, der offensichtlich Gedanken lesen kann und auch ein besonderes Rechentalent offenbarte. Dass er auch mit verbundenen Augen synchron gleich zwei Zauberwürfel (Rubik`s Cube) – einer in jeder Hand – richten kann, setzte der Verblüffung die Krone auf. Schon nach dem ersten Lied der A- cappella-Formation "Vocaldente" (Faith von George Michael) brandete ein Applaus auf, der klang wie eine kleine Vorentscheidung. Ganz im Geiste des Genres "World Music" – grenzüberschreitend und zeitüberbrückend – waren die Klänge von Adjiri Odametey aus Accra, der Hauptstadt Ghanas. Viele Eindrücke hat er gesammelt in seiner erfolgreichen internationalen Karriere, die seinen Stil prägt. Farbenfroh waren die Kleidung und die Klänge, die er und seine Begleitmusiker den traditionellen Instrumenten aus seiner westafrikanischen Heimat entlockten. Besonders intensiv wirkte das Spiel auf der Afrikanischen Harfe, der Kora. Der ruhige Gesang des charmanten Sängers nahm die Besucher mit auf eine Reise in seine "Westafrikanische Weltmusik", wie der Musiker und Komponist seinen Stil nennt. Urbayerisch wurde es, als Kabarettistin Claudia Pichler in ihrem roten Kleid auf die Bühne kam (sie freut sich nach wie vor über jedes neue Dialektwort, welches sie aufschnappen darf). Der Gegensatz zwischen dem Mädel mit der braven Frisur und dem trockenen, auch mal derben Humor machte Spaß. So erzählte sie, wie sie bei Hochzeiten immer wieder auf den fehlenden männlichen Begleiter angesprochen wird und am Ende am Kindertisch platziert wird, "damit das mit der Tischordnung platztechnisch aufgeht". Beim Klagelied über den sonntäglichen "Tatort" und sämtliche Ableger vom Polizeiruf, Hubert mit und ohne Staller, griff sie auch zur Gitarre.
Das Publikum
Viele Bonndorfer und – wie immer beim Folktreff – auch Gäste aus der weiteren Region waren gekommen und alle waren begeistert. Beim Bonndorfer Narrenvater und manch anderen musste man bei den komödiantischen Einlagen hie und da befürchten, dass ihnen vor Lachen die Luft ausgehen könnte. Als Folktreff-Vorsitzende Gudrun Deinzer nach den Auftritten aller Künstlern einen Sonderapplaus für die Kleinkunst an sich forderte, ließ sich das Publikum sich nicht lange bitten, schallend und lange anhaltend geriet er.

Die Preisverleihung
Nicht wie gewohnt einen Jurypreis und einen Publikumspreis gab es. Das Publikum vergab Punkte in Form von Schrauben (fürs Herz) und Unterlegscheiben (für den Kopf). Das Ganze wurde nicht abgezählt, sondern gewogen. Es war denkbar knapp und am Ende gingen beide "Löwen" (entworfen und geschnitzt von Simon Stiegeler) an die fünf Sänger von Vocaldente, die völlig aus dem Häuschen waren. Verlierer gab es an diesem außergewöhnlich vielseitigen Abend keine und der große Gewinner war das Publikum. Bürgermeister Marlon Jost war restlos begeistert und Alexander Graf, der Vertreter der Sparkasse – Hauptsponsor des Preises – ging förmlich in die Luft. Wie Hans Rosenthal animierte er das Publikum zum bekannten Spruch "Das war ... Spitze" .

Das Folktreff-Team
Nicht zu vergessen ist die große Leistung des Folktreff-Teams. Auf- und Abbau und Bewirtung wie auch der Einlass klappten perfekt. Schier ein Wunder war es, in welcher Geschwindigkeit Umbauer Patrick Priese seinen Job auf der Bühne bewältigte. Gerade am Ende, als beim Schnelldurchlauf jeder Künstler nur zwei Minuten Zeit hatte. "Gut gebrüllt Löwe" – dieser Spruch trifft auf alle Beteiligten dieses Bonndorfer Kleinkunstwettbewerbs zu.