Gutes tun in der Krise

Gina Kutkat

Von Gina Kutkat

Mi, 08. April 2020

Freiburg

Freiburger Restaurants bereiten Mahlzeiten für andere zu – finanziert durch Spenden oder Paten.

FREIBURG. Von Spendenaktionen über Patenschaften bis zum Freiessen: Lokale Gastronomen sind kreativ, was Hilfsaktionen angeht, und die Freiburger wollen gerne geben. Ein Überblick über die Aktionen von Café Légère, Eismanufaktur, Café Atlantik und anderen.

Linda Dreier, Inhaberin des Légère in der Niemensstraße, möchte Gutes tun. Deshalb hat sie eine Kooperation mit der Bahnhofsmission Freiburg gestartet – und teilt Essen an Obdachlose und Bedürftige aus. Weil sie nicht weiß, wie es finanziell mit ihrem Laden weitergeht, bittet sie Freiburgerinnen und Freiburger, Geld zu spenden: "Jeder Euro hilft!", sagt Dreier in einem Facebook-Video.

Mit Erfolg: Bis Ende März kamen so schon an die 900 Euro zusammen – und die Spenden fließen weiter. Mit dem Geld kaufen Dreier und ihr Team die Zutaten für die Mahlzeiten. Am 1. April fand der erste Durchgang in der Freiburger Bahnhofsmission statt. "Es lief super! Wir konnten ungefähr 40 Gäste mit Chili con und Chili sin Carne glücklich machen", sagt Dreier. Die Aktion soll nun regelmäßig dienstags und freitags stattfinden.

Einen Teil dazu beitragen, die Krise aushaltbarer zu machen, möchte auch Simon Spillmann von der Herdemer Eismanufaktur. Er hat die Eispatenschaft ins Leben gerufen: Firmen oder Privatpersonen können sich per Mail melden und Eis an eine Freiburger Institution spenden. Pate oder Patin übernehmen die Kosten für Herstellung und Verpackung – 1,50 Euro pro Becher –, Lieferung und Logistik die Eismanufaktur.

"Geld können wir keines geben, aber eben Arbeitskraft", sagt Spillmann. Normalerweise hat sein Geschäft 14 Stunden am Tag geöffnet – zur Zeit nur noch fünf. "Ich bin nicht der Typ, der gerne unbeschäftigt ist, von daher freue ich mich, wenn ich was zu tun habe", so Spillmann. Bisher kamen Patenschaften für Frauenhaus, Tierheim, einen Edeka-Markt und das Evangelisches Stift zustande.

Das Café Atlantik hat eine ähnliche Motivation, aber einen anderen Ansatz. Das Team der Kneipe am Schwabentorring hat ein "Freiessenkonto" eingeführt: Jeder, der etwas zu Essen kauft, kann anonym für jemanden mitbezahlen, auch ein Paypal-Konto wurde eingerichtet. "Iss eins, zahl zwei" heißt die Aktion. "Im Moment geraten viele Menschen in unserem Umfeld in finanzielle Schwierigkeiten. (...) Vielen Betroffenen sind die Einkünfte teilweise oder komplett weggebrochen", schreibt das Atlantik-Team auf seiner Website. Wer auf eine freie Mahlzeit angewiesen ist, kann zwischen 11 und 21 Uhr zum Ausgabe-Fenster kommen. "Bitte keine falsche Scheu, wir stellen keine Fragen und niemand erfährt von uns, wer bezahlt und wer nicht."

Bereits vor zwei Wochen hatte das syrische Restaurant Damasko’s im Rieselfeld Gratis-Pizza für Helferinnen und Helfern aus Krankenhäusern gebacken (die BZ berichtete). Der Uni-Kebap zog nach: Die Betreiber Sinan Tatar und Turan Hatay spendeten rund 250 Pizzen an die Uniklinik Freiburg.

Spenden an die Bahnhofsmission unter mehr.bz/legerespende