Baden-Württemberg

Härtere Strafen und bessere Technik sollen Motorrad-Rowdys zügeln

Jens Schmitz

Von Jens Schmitz

Do, 13. Februar 2020 um 20:39 Uhr

Südwest

Motorradlärm ist ein Thema, das viele Menschen auf die Palme bringt. In Baden-Württemberg sollen nun Schritte angestoßen werden, die Raser zur Raison bringen.

74 baden-württembergische Kommunen und sieben Landkreise, darunter die Kreise Lörrach und Waldshut, wollen gemeinsam mit Landesvertretern schärfere Maßnahmen gegen Motorradlärm durchsetzen. Der Forderungskatalog setzt politisch auf verschiedenen Ebenen an; er zielt auf neue Technik, veränderte Fahrweise und härtere Strafen.

"Kein Thema fällt so stark auf bei uns wie das Thema Motorradlärm", sagte der Lärmschutzbeauftragte der Landesregierung, Thomas Marwein (Grüne), am Donnerstag vor Journalisten. Die enormen Gesundheitsschäden könne einem jede Krankenkasse bestätigen.

"Es geht wirklich nur um die Rowdys, und die muss man bremsen" Sonja Schuchter
Marwein hatte im vergangenen Juli gemeinsam mit der Sasbachwaldener Bürgermeisterin Sonja Schuchter zur Gründung der "Initiative Motorradlärm" eingeladen; damals hatten sich zunächst 29 Mitglieder gefunden. Mit mehr als 80 Kommunen und Landkreisen repräsentiere der Zusammenschluss ein halbes Jahr später nicht nur ein Zehntel der Landesbewohner, so Marwein jetzt. Er sei auch der größte seiner Art in ganz Deutschland. Am Donnerstag wurde der Forderungskatalog präsentiert.

"Das ist ein deutlicher Weckruf für die politischen Entscheidungsträger beim Bund und der Europäischen Union", erklärte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). Marwein, Schuchter und Hermann betonten, dass ihr Engagement sich nicht generell gegen Motorradfahrer richte. Die Mehrheit fahre rücksichtsvoll und sei in den größtenteils touristisch aufgestellten Teilnehmerkommunen gerne gesehen. "Es geht wirklich nur um die Rowdys, und die muss man bremsen", sagte Schuchter.

Die Initiative will zunächst erreichen, dass Motorräder generell leiser werden. Das sei technisch längst möglich. Die Lärmschutzvorgaben der EU für neue Typgenehmigungen sind ihr zu lasch, auch Anforderungen an Zubehör wie Auspuffe müssten strenger geregelt werden. Sound-Design zum Zweck der Lärmsteigerung soll verboten werden. Hersteller und Händler sollen gezielt leisere Krafträder bewerben und verbreiten, Fahrzeuge mit Elektroantrieb einen Beitrag leisten.

Kraftradfahrer sollen aber auch direkt aufgefordert werden, geräuscharm zu fahren. Rücksichtslosigkeit müsse deutliche Folgen haben. Deshalb verlangen die Initiatoren höhere Bußgelder bei vorsätzlich lautstarker Fahrweise oder bei Manipulation am Motorrad. "Ich persönlich sage, die müssen schlichtweg verzehnfacht werden", erklärte Marwein. Eine Strafe von 90 oder 135 Euro schrecke niemanden ab. Zudem soll der Verkehr intensiver kontrolliert werden. Es gebe genug Polizisten und Polizistinnen für häufigere Schwerpunktkontrollen im Sommer, sagte Hermann. "Wenn einem das Anliegen der Bürgerschaft ein wichtiges ist, dann wird man das auch öfters machen."

Fahrtenbücher sollen verpflichtend werden

Die meisten Wünsche richten sich allerdings an den Bund. So sollen die Kontrollmöglichkeiten auch in rechtlicher und technischer Hinsicht erweitert werden. Da die Helmpflicht das Erkennen des Fahrers erschweren kann, verlangen die Initiatoren die Einführung einer Halterstrafe; außerdem sollen Fahrtenbücher verpflichtend werden.

Hermann räumte ein, dass der Maßnahmenplan das Bohren dicker Bretter erfordert. Er selbst will über die Verkehrsminister-Konferenz der Länder einen Vorstoß unternehmen. Wenn alles glatt geht, plant das Land bis zur Sommerpause außerdem eine Bundesratsinitiative zur Änderung der Straßenverkehrsordnung.

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