Coronavirus

Handwerksverein Grenzach-Wyhlen: "Es gibt kein Handbuch für die Krise"

Verena Pichler

Von Verena Pichler

Do, 26. März 2020 um 06:33 Uhr

Grenzach-Wyhlen

Einzelhändlern in Grenzach-Wyhlen brechen die Einnahmen. Die Wirtschaftsförderung und der Handwerker- und Gewerbeverein in Grenzach-Wyhlen unterstützen nun die Gewerbetreibenden.

Buy local (zu deutsch: Kauft lokal) ist ein Schlagwort, das schon vor der Coronakrise kursierte, nun aber an Bedeutung gewonnen hat. Da die meisten Geschäfte schließen mussten, brechen den Einzelhändlern Einnahmen weg. Um diese dramatische Entwicklung abzufedern, bieten viele Lokale und Geschäfte einen Lieferservice an. Die Gemeinde und der Handwerker- und Gewerbeverein (HGV) unterstützen sie dabei.

Am Mittwoch haben HGV-Vorsitzender Joachim Schlageter und Wirtschaftsförderin Silke d'Aubert einen gemeinsamen Newsletter aufgegleist und an die Unternehmer verschickt. Darin sind alle wichtigen Informationen gebündelt. Denn die Flut an unterschiedlichen Newslettern und Hinweisen ist groß und die Coronakrise trifft die Gewerbetreibenden unterschiedlich hart.

Unternehmer müssen sich täglich neu orientieren

"Frisöre können derzeit gar nichts machen, während wir Handwerker noch viel zu tun haben", beschreibt Schlageter. Das erlebt er am eigenen Leib. Nachdem sein Fachgeschäft für Bau- und Industriebedarf vergangene Woche zunächst für einen Tag geschlossen wurde, durfte Schlageter dann doch wieder öffnen. Weil er bereits vor einiger Zeit eine kleine Firma in der Schweiz gegründet hat, kann er mit Grenzgängerbewilligung auch weiter im Nachbarland arbeiten.

So geht es jedoch nicht allen Gewerbetreibenden, weshalb viele nun umsatteln und Lieferservices sowie Onlineshops anbieten. "Aber das geht eben auch nicht von heute auf morgen", sagt Schlageter. Es sei auch fraglich, inwiefern Lieferungen überhaupt Sinn ergeben. "Wenn zum Beispiel eine Seniorin anruft und sagt, die Batterie ihrer Fernbedienung sei leer, dem Anbieter aber gar nicht sagen kann, welche Art, weil sie die Fernbedienung nicht öffnen kann." Oder ob Kunden bereit wären, für ein Teil, das 3,50 Euro kostet, noch fünf Euro Lieferkosten zu bezahlen? "Keiner von uns hat so etwas erlebt, es gibt kein Handbuch für die Krise."

Einzelhändler haben kreative Ideen

Aber es gibt Unterstützung: Auf der Gemeindehomepage können sich die Unternehmen melden, die weiterhin ihre Dienste anbieten. Bisher sind dort zwei Gastronomen gemeldet, die örtlichen Blumenhändler sind vertreten und Optik Turski etwa bietet einen Notdienst an. Eine ganz pfiffige Idee hat die Goldschmiede Der Pfau entwickelt: einen Schaufenster-Shop. Die Schmuckstücke in der Auslage sind durchnummeriert und wer sich für eines interessiert, kann die entsprechende Nummer durchsagen und bekommt es nach Hause geliefert.

Flexibilität, so Schlageters Eindruck, ist das Gebot der Stunde. Denn auch, wenn zum Beispiel viele Handwerker noch weiterarbeiten können, weil sie auf den großen Baustellen genug Abstand halten, ändern sich die Bedingungen. "Neulich hatte ich ein Gespräch mit einem Kollegen, der plötzlich vom Auftraggeber die Maßgabe erhalten hat, dass nur noch mit Atemschutzmaske gearbeitet werden darf." Es sei, so Schlageter, alles so wahnsinnig schnelllebig und für die Unternehmer sei es stressig, sich jeden Tag aufs Neue umzustellen.

Er appelliert aber auch an die Chefs, diesen Stress nicht an die Mitarbeiter weiterzugeben. "Jeder geht mit der Situation anders um." Arbeitgeber seien da auch in der Fürsorgepflicht. Diese Pflicht spürt auch d'Aubert. Mit schnellen und transparenten Informationen hofft die Gemeinde, "dass so der Spagat zwischen Gesundheitsschutz und Sicherung der wirtschaftlichen Existenzen unterstützt werden kann".
Hinweis: Auch die Badische Zeitung möchte die lokalen Gastronomen sowie die Einzelhändler unterstützen und bietet ihnen eine Plattform. Alle Infos dazu unter http://mehr.bz/abholdienstgw sowie https://mehr.bz/lokalehaendler