Budget überschritten

Hausarzt aus Wyhlen droht Strafzahlung in fünfstelliger Höhe

Verena Pichler

Von Verena Pichler

Fr, 13. Dezember 2019 um 08:37 Uhr

Grenzach-Wyhlen

Hausarzt Andreas Fluck hat in der Vergangenheit zu viele Rezepte und Überweisungen ausgestellt. Nun droht ihm eine saftige Strafe. Muss er seine Praxis in Grenzach-Wyhlen schließen?

Wie ein Lauffeuer hat sich im Ort ein Gerücht verbreitet, das gerade bei älteren Einwohnern Sorgen verursacht: Andreas Fluck, Hausarzt in Wyhlen, müsse eine Strafe zahlen und überlege, die Praxis zu schließen. Auch im Hauptausschuss beschäftigte das Thema. "Die Patienten sind unruhig", meinte Ulrike Ebi-Kuhn (CDU). Auf Nachfrage erklärt Andreas Fluck den Sachverhalt und nimmt den schlimmsten Befürchtungen vorläufig zumindest die Spitze. "Ich werde die Praxis sicher nicht sofort schließen", so Fluck gegenüber der BZ.

Richtig sei, dass er Mitte November eine Regressandrohung der Prüfstelle bekommen habe. Demnach habe er sein Budget für die Heilmittelverordnung, das von Krankenkassen und Kassenärztlicher Vereinigung festgelegt wird, für 2017 überschritten. Sprich: Fluck hat zu viele Rezepte ausgestellt und Überweisungen getätigt.

Arzt legt Widerspruch ein

Die Forderungen können sich zwischen "30.000 und 70.000 Euro" belaufen, so Fluck. Gegen die Androhung hat Fluck nun Widerspruch eingelegt und eine Begründung verfasst – bürokratischer Aufwand, der obenauf kommt. "Wann das geprüft wird, ist noch offen", so der Allgemeinmediziner.

Und er sagt klar: "Wenn die Forderung rechtskräftig wird und ich zahlen muss, überlege ich mir, ob ich die kassenärztliche Zulassung abgebe." Damit würde Fluck nur noch Privatpatienten behandeln. Er könnte natürlich auch in die Schweiz gehen, wo man eine solche "Gängelung" nicht kennt.

Druck auf Hausärzte

Er verstehe daher auch jeden jungen Kollegen, der sich gegen eine Hausarztstelle entscheide und stattdessen ins nahe Nachbarland oder eine andere Sparte gehe. Denn der Druck auf die Hausärzte sei enorm und werde von der Kasse über den Patienten wieder an den Arzt zurückgeben. Ein Beispiel: Ein Patient kommt zu Fluck und möchte eine Überweisung zu einem Physiotherapeuten. Wenn Fluck sie ihm nicht gibt, wendet sich der Patient an seine Krankenkasse. "Dort erhält er dann die Auskunft, klar, gehen Sie zu Ihrem Hausarzt, der überweist sie dann."

Das trifft besonders Ärzte im ländlichen Raum wie Fluck, denn mal eben einen Patienten zum Orthopäden oder anderen Facharzt um die Ecke schicken, damit die Rezepte oder Überweisungen ausstellen, geht nicht. "Und welcher, gerade ältere Patient fährt für ein Rezept nach Freiburg? Die kommen natürlich zu mir", sagt Fluck. Er ist mit diesem Problem nicht allein, weiß von anderen Kollegen, die ähnliche Androhungen bekommen haben. Der Vorsitzende der Ärzteschaft im Landkreis Lörrach, Ingolf Lenz, hat jüngst in mehreren BZ-Artikeln auf die Problematik hingewiesen.

Kommunalpolitik sendet ein Signal

Von der Gesundheitspolitik und Minister Jens Spahn ist Fluck enttäuscht. Ob die Kommunalpolitik helfen kann? Bürgermeister Tobias Benz jedenfalls hat sich am Mittwochnachmittag mit Fluck getroffen, der auch in die Planung eines gemeinsamen Ärztehauses involviert ist. "Wir wollen ein Signal senden und zumindest unsere symbolische Unterstützung anbieten", so Benz im Hauptausschuss.

Für Fluck liegt das Grundproblem auf der Hand: "In Deutschland entscheiden BWL-er und VWL-er über die beste medizinische Versorgung. Und nicht mehr die Ärzte."