HINTERGRUND

Frank Thomas Uhrig

Von Frank Thomas Uhrig

Sa, 08. Mai 2021

Bildung & Wissen

Die Stufen des autonomen Fahrens

Forschung, Entwicklung und Politik unterscheiden fünf Stufen der Automatisierung in Fahrzeugen. Diese Stufen wurden von der SAE International (früher: Society of Automotive Engineers, internationale Vereinigung der Auto-Ingenieure) im Jahr 2014 in der Norm SAE J3016 zusammengefasst und vom Bundesverkehrsministerium weitgehend übernommen. In der Stufe 0 obliegen alle Entscheidungen dem Fahrer oder der Fahrerin, unterstützende Systeme (Servolenkung, Bremskraftverstärker, ABS, ESP) können vorhanden sein.

» Stufe 1 (Keine Automatisierung)
Das System unterstützt beim Gasgeben und Bremsen oder Lenken, der Mensch steuert und überwacht. Beispiele: Spurhalteassistent, Parkassistent.
» Stufe 2 (Assistenzsysteme)
Das System übernimmt in bestimmten Fahrzuständen selbständig Abläufe, der Mensch muss immer eingreifen können. Beispiele: Spurwechselassistent, Stau-Assistent, automatische Notbremsung.

» Stufe 3 (Teilautomatisierung)
Das System übernimmt ganze Fahrvorgänge, reagiert im Notfall und aktiviert den Menschen. Der Blick darf von der Straße genommen werden. Beispiele: Stau-Pilot, Autobahn-Pilot, Überholen mit Blinken und Wiedereinscheren.

Stufe 4 (Hochautomatisierung)
Das System übernimmt Fahrvorgänge in genau definierter Umgebung, zum Beispiel auf der Autobahn oder im Parkhaus dauerhaft. Fahrer kann sich mit anderen Dingen beschäftigen. Er wird rechtzeitig informiert, wann er das Steuer übernehmen muss. Beispiel: Fahrzeug sichert sich selbst und hält bei Bedarf an. Funktioniert im Testbetrieb auf Versuchsstrecken.

Stufe 5 (Vollautomatisierung)
Das System steuert in jeder Umgebung, auf allen Straßen und bei jeder Witterung. Der Mensch ist Passagier, das Fahrzeug kann auch leer selbständig fahren.

Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BAst) spricht bei den Stufen 4 und 5 von autonomem Fahren. Die Stufen 1 und 2 sind lange rechtlich etabliert, seit Juni 2017 ist auch die Stufe 3 für Deutschland rechtlich abgesichert. Das Bundesverkehrsministerium (BMVI) will mit einem neuen Gesetz zum autonomen Fahren ermöglichen, dass Kfz der Stufe 4 in festgelegten Betriebsbereichen im öffentlichen Straßenverkehr im Regelbetrieb fahren können. Das Gesetz durchläuft derzeit die parlamentarischen Verfahren, soll bis Mitte 2021 mit Zustimmung des Bundesrats beschlossen werden und 2022 in Kraft treten. Gleichzeitig läuft eine Initiative, um das Verfahren auf Ebene der Europäischen Union voranzubringen.