Atomenergie

Was passiert mit dem radioaktiven Material?

dpa

Von dpa

So, 22. Dezember 2019 um 10:53 Uhr

Südwest

Das Schweizer Atomkraft Mühleberg wurde nach 47 Jahren Betrieb vom Netz genommen. Fraglich ist, was mit dem entstandenen Müll passieren wird.

Mit dem Rückbau der Atomkraftwerke in Baden-Württemberg wird der Energieversorger EnBW jahrzehntelang beschäftigt sein. Ähnlich sieht es für die Betreiber im schweizerischen Mühleberg aus oder in Fessenheim. Dort soll das Akw 2020 abgeschaltet werden.

Drei bis vier Jahre im Abklingbecken

Nach der Abschaltung müssen die radioaktiven Brennstäbe drei bis vier Jahre in ein Abklingbecken gehen. Dort werden die Stäbe, die noch sehr viel Wärme produzieren, gekühlt. Danach werden sie in Castoren, Spezialbehälter für Atommüll, gepackt. Der Reaktordruckbehälter muss fernbedient zerlegt, der Generator und die Turbinen demontiert werden. Die 150 Meter hohen Kühltürme müssen gesprengt werden. Allein die sogenannte Abbaumasse ist gigantisch: In Obrigheim (Neckar-Odenwald-Kreis) entstehen 275 000 Tonnen Müll, in Philippsburg 1 und 2 sind es 398 000 beziehungsweise 783 000 Tonnen. In Neckarwestheim I müssen 331 000 Tonnen und in Neckarwestheim II 811 000 Tonnen Abfall entsorgt werden.

Im Falle des bis Jahresende abgeschalteten Akw Philippsburg (KKP 2) können 97 Prozent des Abfalls direkt in den konventionellen Stoffkreislauf zurück. Der radioaktiv belastete Abfall soll im Reststoffbearbeitungszentrum (RBZ) gereinigt werden. Der Müll, der danach noch strahlt, wird als schwach- bis mittelradioaktiver Abfall ins Standort-Abfalllager (SAL) gebracht. Das eigentlich dafür vorgesehene Endlager Schacht Konrad ist noch nicht in Betrieb. Auch die hoch radioaktiven Brennstäbe kommen nach dem Abklingen in das Zwischenlager, das sich ebenso wie die das RBZ und das SAL in Philippsburg befindet.