Entscheidung

Hotelprojekt: Todtnauer Gemeinderäte stimmen für den Bürgerentscheid

Dirk Sattelberger

Von Dirk Sattelberger

Fr, 22. März 2019 um 14:19 Uhr

Todtnau

Soll in Todtnauberg ein Hotel mit 63 Suiten entstehen? Über die im Wiesental heiß diskutierte Frage wird es einen Bürgerentscheid geben. Das hat der Todtnauer Gemeinderat nun bekräftigt – und kein grundsätzliches Veto gegen das Projekt eingelegt.

Es bleibt dabei: Am 26. Mai sollen die Bürger bei einem Bürgerentscheid darüber abstimmen, ob am Radschert in Todtnauberg ein Hotel gebaut werden soll. Am Donnerstagabend entschied sich der Gemeinderat, bis zu diesem Termin die Vegetationszeit zu nutzen und das FFH-Schutzgebiet begehen zu lassen. Untersuchungen des Untergrunds nach Bergbaustollen und eventuellen Siedlungsresten aber, wie es das Landesdenkmalamt fordert, sollen bis dahin zunächst unterbleiben.

Rechenfehler des Landratsamtes nachgewiesen

Wie es zu der deutlichen Kritik von Landesdenkmalamt und Landratsamt an den bisher vorgelegten Unterlagen kommen konnte, wurde zumindest teilweise erklärt: Der sogenannte Borstgrasrasen am Radschert hat offenbar in den letzten Jahren seine Lage verändert. Das Büro Galaplan hatte im Auftrag der Stadt Karten benutzt, die bei einer ersten Besprechung mit dem Landratsamt als Genehmigungsbehörde noch Konsens waren. Georg Kunz vom Büro Galaplan und Bürgermeister Andreas Wießner zeigten sich nun überrascht von den jüngsten Stellungnahmen des Landratsamts. Kunz verteidigte seine Arbeit; in der Frage, wie viele neue Wanderer den Radschert bevölkern könnten, wies er einen Rechenfehler des Landratsamts nach. "Fünf Personen, die dort wandern, sind keine 'erhebliche Auswirkung'." Kunz und Wießner wünschen ein Gespräch mit der Behörde, um zu klären, wie es zu dem Sinneswandel in Lörrach auch bei anderen Umweltaspekten kam.

Schwachstellen könne man nacharbeiten

Die Kritik am Umweltbericht sehen Planer und Stadtverwaltung aber nicht als K.o.-Kriterium für das Landal-Hotelprojekt mit 63 Suiten; die Schwachstellen könne man nacharbeiten. Deswegen sollen die Flächen jetzt noch einmal begangen werden, um Tiere und Pflanzen unter die Lupe zu nehmen. Dies entspricht der Variante A, die das Rathaus ins Spiel gebracht hatte. Der Bürgerentscheid soll am 26. Mai auf jeden Fall durchgeführt werden; dafür stimmte der Gemeinderat mit großer Mehrheit bei drei Gegenstimmen.

Größere Unwägbarkeiten werden gleichwohl beim Thema historischer Bergbau gesehen. Bekanntlich gab es früher ein großes Bergwerk am Radschert; seine Stollen könnten Probleme bei der Bebauung machen, und eventuelle Siedlungsreste und Bergbauanlagen dürfen aus Denkmalschutzgründen nicht zerstört werden. Das Problem: Um die exakte Lage zu kennen, muss der Boden mehrere Meter tief untersucht werden. Dieser Forderung des Denkmalamtes könne mit mehreren Tausend Euro teuren Untersuchungen nachgekommen werden, erläuterte Andrea Weber vom städtischen Bauamt. Doch dazu wollte sich der Gemeinderat zum jetzigen Zeitpunkt nicht durchringen (Variante B); die Stadträte wollen erst den Ausgang des Bürgerentscheids am 26. Mai abwarten, bevor es gegebenenfalls mit dem Bebauungsplan- und Flächennutzungsplanverfahren weitergeht.

Dann würden Spezialisten die vermuteten Stollen am Radschert mit elektromagnetischen Geräten suchen.

Großer Diskussionsbedarf

Zu der zweieinhalbstündigen Gemeinderatsitzung in der Turnhalle waren rund 70 Zuhörer gekommen, die teilweise reichlich ihr Rederecht nutzten. Manche machten der Stadt Vorwürfe, nicht sauber gearbeitet zu haben, um das Hotelprojekt durchzusetzen. Andreas Scheibe sagte beispielsweise, es fehle an Ehrlichkeit und Sorgfalt bei den Vorprüfungen. Mehrere Stadträte und der Bürgermeister verbaten sich derweil persönliche Angriffe und Beleidigungen.

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