Corona-Zwischenbilanz

In den Sportschulen ist immerhin wieder Einzeltraining möglich

Manuel Fritsch

Von Manuel Fritsch

Di, 16. März 2021 um 09:00 Uhr

Freiburg

Die Sport- und Tanzschulen haben schwierige Monate zumeist irgendwie überstanden. Doch die aktuellen Lockerungen bringen ihnen wenig. Drei Momentaufnahmen aus Freiburg.

Seit fast einem Jahr ist Sport nicht mehr wie gewohnt möglich. Auf den ersten Lockdown reagierten zahlreiche Sportschulen mit Onlinekursen, im Sommer folgte eine eingeschränkte Öffnung, dann hieß es wieder: schließen. Diese Woche sind erste zaghafte Öffnungen möglich. Wie gehen die Betreiber mit der Berg- und Tal-Fahrt um? Drei Beispiele.

Das Kickbox-Studio: Im Sparta-Gym an der Kaiser-Joseph-Straße hat Stylianos Androudis einen Kampfring aufgebaut, in der Ecke hängt ein großer Sandsack. "Das ist nur für mich, für die Atmosphäre", sagt er. Denn was er derzeit braucht, ist wesentlich kleiner: ein Stativ mit Kamera. Mit der filmt sich Androudis alle zwei Tage beim Kickbox-Training. Seine Schülerinnen und Schüler können sich von zuhause zuschalten. "Ich muss den Leuten
"Bei uns sind Freundschaften, sogar Ehen entstanden. Das geht online einfach nicht" Stylianos Androudis
ja zeigen, dass wir noch da sind", sagt er. Im Frühjahr sei er sofort auf Online-Kurse umgestiegen: "Das war ein Hype, die Leute waren motiviert." Nun merke er, dass die Motivation nachlasse. "Bei uns geht es ja auch ums Feeling", sagt Androudis: "Bei uns sind Freundschaften, sogar Ehen entstanden. Das geht online einfach nicht". In den vergangenen zehn Jahren hat er sich ein gut funktionierendes Kickbox-Studio aufgebaut. Nun lebt er seit Monaten von der Substanz. Mitgliedsbeiträge zieht er nicht mehr ein, ein Drittel der Mitglieder ist inzwischen abgesprungen und durch den Lockdown kommen keine neuen mehr nach. Bislang habe er eine Abschlagszahlung von 4500 Euro bekommen. Ansonsten lebt er vom Ersparten. Am Samstag hat er einen ersten Schritt Richtung Öffnung gemacht: Nun ist Einzeltraining wieder möglich. "Eine eher symbolische Öffnung", sagt Androudis.

Die Yoga-Anbieterin: Auch Uta Oehmke ist im Frühjahr ins Internet gewechselt. "Bei unserer ersten Stunde hatten wir 108 Teilnehmer – das haben wir nie mehr erreicht", sagt sie. Allerdings laufen ihre Yoga-Stunden inzwischen auch online gut. "Durch die Aufnahmen sind die Leute zeitlich flexibel, das ist für manche sehr praktisch", sagt sie. Ihr Studio "Yoga jetzt" ist über die Pandemie geschrumpft und gewachsen. Zwei Standorte, an denen sie bisher Kurse angeboten hatte,
"Durch die Aufnahmen sind die Leute zeitlich flexibel, das ist für manche sehr praktisch." Uta Oehmke
hat Oehmke geschlossen, will sich auf die eigenen Räume an der Habsburgerstraße konzentrieren. Online dagegen erreicht sie inzwischen 2000 Menschen. "Zu den Online-Kursen kommen auch Leute, die nicht mehr in Freiburg wohnen", freut sie sich. Dennoch: Ihre Mitarbeiterin ist in Kurzarbeit, die Honorarkräfte ohne Aufträge. Bei ihr sind die Überbrückungshilfen inzwischen angekommen, die Online-Teilnehmer bezahlen auf Vertrauensbasis. Gut 50 Prozent Einbußen habe sie, aber noch könne sie ihre Kosten stemmen.

Die Tanzschule: Ähnliche Probleme, nur in anderer Größenordnung hat die Tanzschule Gutmann. Von ihren 6000 Mitgliedern sind rund 2000 abgesprungen, erzählt Betreiber Matthias Blattmann. Die restlichen Mitgliedschaften ruhen gerade, einige wenige unterstützen die Schule freiwillig. "Aber das sind nicht mal zehn Prozent des Umsatzes", sagt Blattmann. Und dabei kostet allein das Ballhaus rund 30 000 Euro im Monat – derzeit ist die Miete gestundet. Auch Gutmann
"Irgendwann setzt eine Müdigkeit ein." Michael Blattmann
hat im Frühjahr mit Online-Videos begonnen. Inzwischen hat sich ein Archiv von über 1000 Videos angesammelt. Aber auch Blattmann merkt: "Irgendwann setzt eine Müdigkeit ein." Nur manchmal kommt ein Lichtblick: Bei einem Special mit Tanz- und Barmix-Kurs kamen jüngst doch wieder 500 Menschen. Man merke, die Menschen warten nur darauf, dass die Schule aus ihrem "Dornröschenschlaf" erwacht.