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Vergangenheit und Gegenwart

Jana Luck
  • Sa, 13. Mai 2017
    Freiburg

Stadtführung mit Smartphone und Tablet: Im neuen Programm probiert der Verein Vistatour eine digital unterstützte Tour aus.

Die Stephanienvorstadt um 1860 (links)...22;Stephanienvorstadt“ erhielt.   | Foto: Gottlieb Theodor Hase (Stadtarchiv M75/13/819), Vistatour
Die Stephanienvorstadt um 1860 (links) und heute: Nach 1845 entstand zwischen Holzmarkt, Wallstraße und Dreisam ein neues Stadtviertel, das den Namen „Stephanienvorstadt“ erhielt. Foto: Gottlieb Theodor Hase (Stadtarchiv M75/13/819), Vistatour

"Früher stand hier noch die alte Kirche" – bei Stadtführungen beschreiben die Führer oft, wie eine urbane Szene einstmals ausgesehen hat. Ab dieser Saison will der Verein Vistatour die Erzählungen digital unterstützen: mit dem App-Programm "Future History". Richten Nutzer ihre Smartphones oder Tablets auf etwas Historisches, zeigt das Display nicht nur den aktuellen Ort an, sondern auch ein Bild, wie es dort früher einmal ausgesehen hat. So zeigen sich bei der Stadtführung Vergangenheit und Gegenwart zugleich.

Joachim Scheck, Vorstand von Vistatour, erhofft sich, mit dem Programm vor allem die jüngere Generation als neue Zielgruppe anzusprechen. "Für die ist das Smartphone ein ständiger Begleiter", sagt er. "Mit dem neuen Format könnte unser Programm für diese Gruppe noch spannender werden." Eigentlich neu sei das Konzept aber nicht: "Der Einsatz von Tablet oder Smartphone wird eine klassische Führung nicht sehr stark verändern", sagt Scheck. "Früher hat man eben Bilder hochgehalten, heute können die Teilnehmer selbst auf ihr Smartphone schauen und gucken, wie sich der Ort verändert hat."

Am Anfang war Scheck skeptisch: "Macht man sich nicht selbst überflüssig, habe ich mich gefragt", sagt der 57-Jährige. Weil das Programm aber nur eine Unterstützung zur Führung sei, will Scheck dem Ganzen eine Chance geben.

In dieser Saison ist es probeweise die "Vorsicht: Bächle"-Tour, die digital unterstützt wird. Hat er keine Angst, Menschen zu verschrecken, die kein Smartphone haben? "Eigentlich nicht", sagt Scheck. "Bei Gruppenführungen hat der Führer immer ein großes Tablet dabei, wer selbst kein Gerät hat, kann dort mitschauen." Außerdem sei es nicht geplant, alle Touren digital zu unterstützen. "Da hätte ich dann eher die Befürchtung, dass es normal wird, dass während der Führung alle aufs Handy schauen", sagt Scheck. "Aber wir probieren das jetzt einfach mal aus."

Entwickelt hat das Future-History-Programm Rolf Mathis. Dem Freiburger Diplom-Kaufmann kam die Idee bei einer Stadtrundfahrt durch Gran Canaria: Sehen müsste man, wovon der Führer erzählt. Deshalb entwickelte der 44-Jährige das passende Programm und eine Geschäftsidee gleich dazu.

Außer der Visualisierung vor Ort, bei der sich Fotos aus der Vergangenheit über Orte und Gebäude legen lassen, gibt es noch sogenannte "Slide-Bilder". Diese bestehen aus zwei Fotografien, einer aktuellen und einer historischen. Durch einen Schieber lassen sich die beiden Fotografien in einem Rahmen zusammen öffnen und hin- und herziehen – so sieht man, wie sich etwa das Stadttheater verändert hat. Vor allem aber sind die Slide-Bilder zusammen mit der Visualisierung und einer integrierten Routenführung vor Ort der Kern des Geschäftsmodells. Touristen können sich allein auf eine Tour begeben und mit der App ein Bild von der Stadt machen.

Nutzer sollen für eine solche "Self-guided-Tour" zwischen drei und acht Euro zahlen. Freiburg Kultour bietet eine solche selbstgeführte Tour bereits an, fünf Euro kostet sie. In Wiesbaden und Karlsruhe wird Mathis’ Programm ebenfalls genutzt, sein Plan ist, es in Deutschland flächenweit einzuführen. Geld soll dann durch den Erlös der selbstgeführten Touren reinkommen, den sich Mathis mit den Tourenanbietern teilen will.

Der kostenpflichtige Einsatz des Programms bei geführten Touren wie denen von Vistatour sei bisher nicht geplant.

Vistatour

Mittelpunkt des diesjährigen Programms von Vistatour ist Freiburg im Nationalsozialismus; dazu gibt es etwa die Tour "Freiburgerinnen im Nationalsozialismus". Ein weiterer Schwerpunkt ist im Jahr der Reformation die Führung "Achtung: neue Lehren! Reformation in Freiburg". Bei einer Führung "Rund um das Gasthaus Schützen" erklärt Joachim Scheck, warum die Gebäude an der Schützenallee ein kulturgeschichtlich wertvolles Häuserensemble sind.

Bei der ebenfalls neuen Expertenführung "Spuren der Geschichte in der Kartaus" berichtet Frank Löbbecke von der Vergangenheit des heutigen "United World College". Angeboten werden auch wieder die Führungen "Sommernacht auf dem Schauinsland" oder "Freiburg in Trümmern."
Die Digi-Tour kostet wie die meisten anderen Touren 10 Euro, ermäßigt 6 Euro; Dauer 1,5 bis 2 Stunden. Als Gruppenführung kosten die Touren 150 Euro. Die Gasthaus-Schützen-Tour kostet 5 Euro, die Expertenführung auf den Spuren der Kartaus 12 Euro, die Sommernachts-Führung für Gruppen 180 Euro. Die Teilnahme an der Führung über das evangelische Freiburg ist kostenlos, außer sie wird als Gruppenführung gebucht. Die Installation der App ist kostenlos.

Mehr Infos über das neue Programm auf www. vistatour.de

Ressort: Freiburg

  • Artikel im Layout der gedruckten BZ vom Sa, 13. Mai 2017: PDF-Version herunterladen

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