Serie Kanadier in Lahr

Kanadier teilen ihre Erinnerungen und Eindrücke an Lahr

Felix Lieschke

Von Felix Lieschke

Di, 23. April 2019 um 18:08 Uhr

Lahr

Einige Kanadierinnen und Kanadier haben ihre Eindrücke und Erinnerungen aus ihrer Zeit in Lahr vor dem Abzug 1994 aufgeschrieben und zur Verfügung gestellt

Jim Cameron: Ich war von Juli 1967 bis Februar 1970 mit der Airforce in Lahr stationiert. Es gibt viele gute Erinnerungen meiner Zeit dort. Ich war einer der ersten Kanadier, die in Lahr angekommen sind. Zuerst mussten in ein altes Fabrikgebäude in der Innenstadt ziehen, bevor wir den Stützpunkt der Franzosen übernehmen konnten.

Viele Freundschaften sind entstanden

Ich habe mir gleich von Beginn an vorgenommen, die deutsche Sprache zu lernen. Es sind viele Freundschaften in Deutschen über die Zeit entstanden. Ich erinnere mich noch, wie ich mir ein Kostüm für den schmutzigen Donnerstag gekauft habe: Das war unglaublich, so eine Party habe ich noch nie zuvor gesehen.

Ich war Protestant aus einer kleinen kanadischen Stadt, die Frauen mit ihrem Selbstbewusstsein haben mich fasziniert. Damals habe ich auch gelernt, Fußball zu spielen. Meine Freunde Alfred Klausmann, Jörg Uffelmann, Willie Walden, Rolf Dieterle und noch ein paar andere haben mich damals mitgenommen. Wir haben auf einem kleinen Platz nahe am Wald gespielt – wo genau, kann ich leider nicht mehr sagen.

Er durfte in Heiligenzell sogar am Stammtisch sitzen

Gewohnt habe ich bei einer Familie in Heiligenzell. Wir sind damals oft in ein Gasthaus gegangen. Ich durfte sogar mit am Stammtisch sitzen. Das war ein guter Ort, um die Sprache zu lernen. Ich erinnere mich, dass wir einen Abend mit ein paar deutschen Freunden und deren Freundinnen in dem Gasthaus waren. Nach zwei, drei Gläsern Wein hatte ich auch etwas mehr Selbstbewusstsein. Auf einmal haben alle angefangen, zu lachen: "Du sprichst wie ein Bauer, Jim", hat man mir gesagt. Mein Akzent war definitiv vom Stammtisch geprägt.

Ich erinnere mich gern an die Zeit zurück, und hoffe, dass es meinen alten Freunden gut geht.

Ich habe übrigens auch meine jetzige Ehefrau, eine Kanadierin, in Lahr kennengelernt. Jetzt leben wir beide in Vancouver, Britisch Columbia.

Jay Robinson: Als junger Kanadier in Lahr zu leben, hat meine Familie positiv beeinflusst und uns zu denen gemacht, die wir heute sind. Unsere Familie war von 1987 bis 1992 in der Stadt. Wir haben in der Römerstraße 5 und in später Höfen an der Enz gelebt. Nach 20 Jahren in der Airforce ist mein Vater mit uns als Zivilisten nach Lahr gezogen. Wir haben immer mal wieder in den Gebäuden der Militärs gelebt; wir waren die, mit den blauen Pässen.

"Es wäre schön, wenn ich mit meiner Familie eines Tages zurückkommen könnte."

Jay Robinson

Wir haben es wirklich geliebt im Schwarzwald und in den kleinen Gemeinden rund um Lahr mit der ganzen Geschichte und Kultur. Und dem Bier natürlich – Gasthaus Rössle war unser Wasserloch. Es wäre schön, wenn ich mit meiner eigenen Familie eines Tages zurückkommen könnte. Es ist komisch darüber nachzudenken, dass es unsere alte Schule nicht mehr gibt und sich generell so viel verändert hat in der Stadt. Viele ehemalige "Lahr Brats" vermissen euch sehr!

Johanne Smith: Wir haben von 1975 bis 1980 in Lahr gelebt. Es waren schöne fünf Jahre mit meinem Mann beim Militär und mir die meiste Zeit im kanadischen Jugendzentrum tätig. All die vielen Kinder aufwachsen zu sehen, die Skifreizeiten mit den Gruppen und Konzertbesuche sind großartige Erinnerungen. Mit zwei der damaligen Kinder bin ich heute noch sehr gut befreundet.

Alle Berichte der Kanada-Serie stehen im Online-Dossier der Badischen Zeitung unter http://mehr.bz/kanadier-in-lahr