Wahlkreis Freiburg II/West

Karl Schwarz (AfD) will für Handwerk und Mittelstand stehen

Jens Kitzler

Von Jens Kitzler

So, 21. Februar 2021 um 17:48 Uhr

Freiburg

Karl Schwarz kandidiert für die AfD im Wahlkreis Freiburg II/West und sagt, auch im wenig AfD-affinen Freiburg könne man konservative Bürger mobilisieren

Karl Schwarz ist angehender Handwerksmeister, evangelisch und seine Religiosität ordnet er auf einer Skala von eins bis zehn bei zehn ein. Er kandidiert für die AfD im Wahlkreis Freiburg II/West, in dem seine Partei nicht gerade ein Heimspiel hat. Doch als jemand, der für die Arbeiterschaft stünde, sagt Schwarz, könne er auch hier was reißen, vor allem, wenn er sich als Alternative für bisherige Nichtwähler anbiete.

Der Wahlkreis

Karl Schwarz ist im Rieselfeld aufgewachsen und wohnt dort nach wie vor. Freiburg empfindet er als eine der schönsten Städte der Welt, Architektur, Klima, der Schwarzwald, all' das trage zum Ambiente bei. Der Bevölkerung steht er differenzierter gegenüber: Ja, er wisse, dass Freiburg gerade unter Parteikollegen gerne mal als "linksgrün versifft" bezeichnet wird.
"Der linksgrüne ideologische Einfluss ist in Freiburg ziemlich stark"Karl Schwarz
"Der linksgrüne ideologische Einfluss ist in Freiburg ziemlich stark, allein durch die Universität und die Studenten". Doch eine konservative Wende sei auch hier denkbar. "Ich sehe ein hohes Potenzial bei den Nichtwählern – in Landwasser, Weingarten, Haslach, dort, wo die Wahlbeteiligung geringer ist. Man muss den Leuten zeigen, dass es eine Alternative für sie gibt." Zudem habe die AfD inzwischen ja auch zwei Stadträte, Detlef Huber und Dubravko Mandic. Mit dem auch in der AfD hochumstrittenen Mandic ist Schwarz befreundet, er hält ihn für einen sehr integren Menschen.

Politik und AfD

Die Erklärung, wie er zur AfD gekommen ist, geht Karl Schwarz flüssig über die Lippen, er erzählt sie nicht zum ersten Mal. Auch das rechtspopulistische Magazin "Compact" hat sie schon veröffentlicht. 2017 trat der heute 27-Jährige der AfD bei. "Vorher war ich eigentlich komplett unpolitisch", erzählt er. Nach der Ausbildung dann hatte er sich zum Dienst in der Marine verpflichtet und war so während der Flüchtlingskrise 2015 im Mittelmeer eingesetzt worden. Dort hatten sie Flüchtlinge aus Booten aufgenommen, sagt er, sich dabei aber als Teil einer Inszenierung der Schlepperbanden empfunden. "Wir haben uns wie ein Bus gefühlt – und nicht, als täten wir etwas für unser Land." Empfundene Missstände bei der Bundeswehr taten ein Übriges, Schwarz trat in die AfD ein. "Ich bin ein Bürger mit konservativen Werten", sagt er, "die AfD ist ein konservativer Aufbruch von Bürgern, die mit dem nach links gerückten Kurs der CDU nicht einverstanden sind."

Handwerk, Mittelstand

Auf seiner Webseite präsentiert sich der Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klimatechnik im blauen Monteursoverall. "Ich möchte im Landtag für das Handwerk stehen und für den Mittelstand", sagt der 27-Jährige. Er kritisiert mangelnde Wertschätzung des Handwerks seitens der Bundesregierung, die beispielsweise den Meisterbrief in einigen Berufen abgeschafft habe. Weiterhin kritisiert Schwarz eine "Hyperakademisierung", die es jungen Menschen unattraktiv erscheinen ließe, den Meisterbrief anzustreben. Er möchte für mehr Transparenz im Bildungssystem sorgen. "Wer überlegt, einen handwerklichen Beruf zu ergreifen, soll sehen, dass über Handwerkslaufbahnen auch akademische Abschlüsse erreicht werden können." Das dreigliedrige Bildungssystem solle bleiben. "Starke fördern, schwache unterstützen", das Prinzip habe sich bewährt.

Wohnungspolitik

Wohl das Freiburger Thema, das man in den Landtag mitnehmen müsse. "Freiburg ist eine der teuersten Städte." Mieten und Eigentumserwerb müssten erschwinglicher werden. Wege dahin? Wohnkosten senken durch Abschaffung von Umweltstandards und zu vieler Vorschriften. "Und durch Wohnungsbau vorrangig für unsere Bürger bei einer kontrollierten Einwanderungspolitik."



Klima, Umwelt, Energie

Die AfD spreche sich klar für Umweltschutz aus, so Karl Schwarz, nicht mitmachen dagegen werde man bei "Klimaideologie". Darunter versteht er beispielsweise das Verfolgen des Ziels, den Klimawandel zu verhindern. "Ja, wir haben einen Klimawandel. Aber es gab immer Abkühlung und Erwärmung. Ist das deswegen nun menschengemacht?" Zudem gehöre Deutschland nicht zu den Ländern mit dem höchsten Ausstoß an CO2, da bewegten sich China oder die USA in ganz anderen Dimensionen.

"Müssen wir unbedingt das Vorbild sein, wenn die anderen doch nicht nachziehen?" Zudem stießen viele Maßnahmen bei der Bevölkerung auf Widerstand – beispielsweise Windräder – oder sie bürdeten dem Bürger höhere Kosten auf. Deutschlands Chance sei es, die sichere Nutzung der Kernenergie weiter zu erforschen, um so sauber Strom zu erzeugen. Glaubt er, dass es noch Akzeptanz für Atomkraftwerke und deren Hinterlassenschaften in der Bevölkerung gibt? "Ja, wenn man Transparenz schafft und dem Bürger zeigt, dass das ein guter Beitrag für die Umwelt ist."

Auto und Verkehr

Die Automobilindustrie sei Baden-Württembergs Zukunftsbranche Nummer eins, sagt Schwarz. "Das darf man nicht durch Dieselfahrverbote kaputt machen." Es gebe auch keinen Grund, auf die E-Mobilität aufzuspringen, der Verbrennungsmotor sei schließlich eine Kernkompetenz des Landes. "Wenn ich Mobilität fördere und Autos nicht aus den Städten rausschmeiße, fördere ich auch die Branche mit Verbrennungsmotoren." Das Fahrrad nutze er gerne. "Freiburg hat gute Fahrrad-Infrastruktur, die Fahrradautobahn an der Dreisam ist eine gute Sache. Wenn der Bürger aber gezwungen werden soll, das Rad zu nutzen, ist das nicht gut."