Vergleich von Getränkeverpackungen

Kartons für die Milch sind nicht schlecht

dpa

Von dpa

Di, 23. Juli 2019 um 20:00 Uhr

Wirtschaft

Glasflaschen für die Milch erfreuen sich großer Beliebtheit. Eine Untersuchung stellt nun fest: Oft sind Getränkekartons die ökologisch bessere Wahl. Eines ist klar: PET-Flaschen sind nie gut.

Pfandflaschen für Milch liegen im Trend. Umweltbewusste Verbraucher machen aber nichts falsch, wenn sie Milch im Getränkekarton kaufen. Auch beim Einkauf von Säften sind Getränkekartons keine schlechte Wahl. Das geht aus einer Studie hervor, die das Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) in Heidelberg im Auftrag des Verbandes "Kartonverpackungen für flüssige Nahrungsmittel" erstellt hat.

Ein Sprecher des Umweltbundesamts (UBA) bestätigte, dass die Studie "die durchschnittlichen deutschen Verhältnisse" gut abbilde, weswegen das Ergebnis auch aussagekräftig sei. Bei Milch und Fruchtsäften hätten Getränkekartons hohe Marktanteile. In Mehrwegflaschen würden sie dagegen seltener angeboten, deswegen seien deren Transportwege oft weit. "Bei einem größeren und optimierten Mehrwegangebot würden Mehrwegsysteme entsprechend besser abschneiden – wie es bei pfandpflichtigen Getränken auch der Fall ist", sagte der Sprecher.

Das Heidelberger Institut untersuchte ein Jahr lang die gängigsten Getränkeverpackungen von Saft, Frischmilch und H-Milch – Mehrweg-Glasflaschen, PET-Flaschen und Getränkekartons – auf ihren ökologischen Fußabdruck. Untersucht wurde im Rahmen der Ökobilanz der gesamte Weg der Verpackung – von der Herstellung über die Nutzung bis zur Entsorgung beziehungsweise dem Recycling. Einbezogen wurden zudem alle Transporte. Das Freiburger Öko-Institut bewertete die Studie als einen wichtigen Beitrag zur Diskussion über Getränkeverpackungen.

Das Ergebnis: Gerade bei Frischmilch ist der Getränkekarton erste Wahl. In sieben der acht in der Ökobilanz untersuchten Wirkungskategorien – wie Klimawandel, Versauerung oder Feinstaub – schnitt der Getränkekarton hier besser ab als die Mehrwegflasche. Ein Grund: Jede Mehrwegflasche Frischmilch muss in Deutschland im Schnitt 1231 Kilometer transportiert werden – 779 Kilometer mehr als ein Milchkarton.

Die Molkerei Schwarzwaldmilch berichtete kürzlich über eine stark steigende Nachfrage nach Mehrweg-Glasbehältern für Milch und Joghurt. Geschäftsführer Andreas Schneider meinte bei dieser Gelegenheit, Mehrwegflaschen seien dann vorteilhaft, wenn die Wege kurz seien. Das ist aus seiner Sicht innerhalb Baden-Württembergs gegeben, dem Hauptabsatzgebiet der Freiburger Molkerei. "Eine Flasche Milch von Freiburg auf die ostfriesischen Inseln zu transportieren, halte ich nicht für sinnvoll", sagte er.

Bei Fruchtsäften und -nektaren zeige der 1-Liter-Getränkekarton laut Ifeu-Studie keine eindeutigen Vor- oder Nachteile gegenüber der Mehrwegflasche, der 1,5-Liter-Getränkekarton dagegen "ein insgesamt vorteilhaftes Bild", heißt es in der Studie.

Durchweg am schlechtesten schnitten bei dem Vergleich PET-Einwegflaschen ab. Gründe sind der hohe Verbrauch an fossilen Rohstoffen bei der Produktion der Verpackung sowie schlechte Recyclingraten. Vor allem bei Fruchtsäften würden PET-Flaschen überwiegend aus einem Verbund aus PE und Polyamid hergestellt und würden daher oft verbrannt.