Diskussion um Haltestellen

Ortschaftsrat Reichenbach spricht sich knapp für Busbuchten und gegen Buskaps aus

Reiner Beschorner

Von Reiner Beschorner

So, 12. Juli 2020 um 14:45 Uhr

Lahr

Der Ortschaftsrat sieht es anders als die Stadtverwaltung: Die Idee, dass Busse künftig auf der Straße und nicht in Buchten halten sollen, wurde in Reichenbach mit knapper Mehrheit abgelehnt.

Mit dem erwartet knappen Ergebnis von fünf gegen vier Stimmen (bei einer Enthaltung) hat sich der Ortschaftsrat am Mittwoch dazu durchgerungen, die Pläne zur Gestaltung der Bushaltestellen an der B 415 /Reichenbacher Hauptstraße zu ändern: Entgegen dem Vorschlag der Stadtverwaltung sollen an den beiden westlichen Kaltepunkten keine Buskaps (Barrierefreie Haltestellen auf der Fahrbahn) eingerichtet werden. Stattdessen soll es bei Haltebuchten bleiben.

Einfach gesagt, sind Buskaps Haltestellen, die auf der Straße eingerichtet sind. Busbuchten dagegen befinden sich neben der Fahrbahn. Aus dem Ortschaftsrat waren zuletzt Stimmen laut geworden, die beiden bestehenden Haltestellen an der westlichen Ortsein- und ausfahrt als Busbuchten zu erhalten. Der Grund: der Verkehr würde so besser fließen. Hermann Kleinschmidt (SPD) zitierte aus einem Protokoll, dass Udo Lau, der Leiter der Tiefbauabteilung, dem Ortschaftsrat im Mai 2018 zugesagt habe.

Hermann Kleinschmidt und Harald Günther (CDU) wogen zu Beginn der knapp eine Stunde dauernden Diskussion die Vor- und Nachteile der beiden Haltestellenvarianten ab und sahen keinen Sinn im Rückbau der vor 15 Jahren eingerichteten Haltebuchten. "Warum sollte man Bewährtes abschaffen, ohne reale Verbesserungen zu erzielen?"

Hermann Kleinschmidt warnt vor Schildbürgerstreich

Kleinschmidt sieht im Rückbau gar einen Schildbürgerstreich, weil sich hinter dem anhaltenden Bus Autoschlangen bilden, die sich bis in die Geroldsecker Vorstadt möglicherweise nicht auflösen würden. Dass die Fahrgäste nicht direkt am Fahrbahnrand stehend auf den Bus warten können, sieht er als Sicherheitsaspekt und Vorteil gegenüber den Buskaps.

Marion Himmelsbach (Freie Wähler) wertet die Möglichkeit für langsam fahrende Fahrzeuge, in eine Busbucht einzubiegen und den Fließverkehr vorbei fahren zu lassen, als weiteres Argument für den Erhalt der Buchten, zumal die Rettungs- und Einsatzfahrzeuge davon profitieren würden. Auch mit dem Blick auf die gewollte Stärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs sah sich Andrea Hierlinger (Freie Wähler) als Laie außerstande, zu entscheiden, was richtig und was falsch ist. Ortsvorsteher Klaus Girstl (Freie Wähler) hingegen zeigte kein Verständnis für eine Rolle rückwärts des Ortschaftsrats und positionierte sich klar gegen den Erhalt der Buchten.

Ein Argument für die Einrichtung von Buskaps lieferte Udo Lau. Er rechnete vor, dass für ein barrierefreies Buskap lediglich 18 Meter der Fahrbahn benötigt werden, während die Vorschriften für barrierefreie Haltebuchten mindestens 88 Meter fordern. Dies allein schon würde die Einrichtung von Buskaps vorschreiben, weil der Platz für Buchten einfach nicht ausreicht, sagte Lau. Dem folgte der Rat nicht. Laut Stadt ist diese Planänderung mit Mehrkosten verbunden. Wie hoch diese sind, wurde in der Sitzung noch nicht beziffert.