Eine Bäckerei namens "Hope"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 16. März 2019

Kenzingen

Die Kenzinger Hilfsorganisation Zarok hat ein Projekt unterstützt, das jesidischen Frauen Arbeit und Einkommen verschafft.

KENZINGEN (BZ). Die Kenzinger Hilfsorganisation Zarok tüftelte gemeinsam mit der vor Ort tätigen Frauenorganisation The Lotus Flower monatelang am Konzept: Welche einkommensschaffenden Maßnahmen könnten einer besonders traumatisierten Gruppe von IS-Überlebenden den Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben bahnen? Schließlich meldeten sich die betroffenen Frauen im Rawanga Flüchtlingslager beim nordirakischen Qadya selbst mit einem Vorschlag zu Wort: Sie wollten backen sowie Grundzüge des Konditoreihandwerks erlernen und auf eigene Rechnung gemeinsam eine Bäckerei führen. Diese wurde nun eröffnet, wie aus einer Pressemitteilung des Vereins Zarok hervorgeht.

Zarok weist darauf hin, dass junge Jesidinnen, die von Kämpfern des sogenannten Islamischen Staates zum Teil über Jahre gefangen gehalten und vergewaltigt worden waren und ihre in der Gefangenschaft geborenen Kinder nach Flucht oder Freikauf zurücklassen mussten, es sowohl in ihren Familien als auch in der jesidischen Gemeinschaft besonders schwer haben, uneingeschränkt wieder aufgenommen und akzeptiert zu werden. Zarok wollte diese besonders verletzliche Gruppe unterstützen. Die jungen Frauen sollten Nutznießerinnen eines Projektes werden, das dauerhaft Arbeitsplätze und ein eigenes Einkommen schafft. Ziele sind die eigene wirtschaftliche Unabhängigkeit, Gewinnung von Ansehen in der eigenen Familie und Gemeinschaft, selbstbestimmtes Arbeiten und Leben.

Zarok griff daher den Vorschlag der jesidischen Frauen auf und übernahm die Kosten für den Erwerb zweier großer Metallcontainer, die direkt am Eingang des Camps aufgestellt wurden. So ist der Zugang nicht nur für Flüchtlinge, sondern auch für Kundinnen und Kunden von außerhalb des Camps möglich. Das Außengelände wurde befestigt, eine Bewirtungsmöglichkeit im Freien geschaffen, die notwendige Wasser- und Stromversorgung etabliert. Zarok hat hierfür insgesamt knapp 5000 Euro aufgewandt. Die Ausbildung der Frauen, ihre fachliche und psychologische Betreuung sowie die Inneneinrichtung der Bäckerei und die Materialien zum Start wurden von der International Organization of Migration mit Hauptsitz in Genf übernommen. Während des Betriebes werden die Frauen von der Organisation weiterhin zur selbständigen Geschäftsführung beraten und unterstützt. Finanziert wird dies durch die italienische Agency for Development Cooperation

So sah sich der kleine Kenzinger Verein bei der Umsetzung seiner Idee plötzlich in illustrer Gesellschaft nationaler und internationaler Geldgeber, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Die Fäden hierfür hatte die Projektleiterin der lokalen Frauenorganisation The Lotus Flower, Vian Ahmed geknüpft. Die Benennung der Bäckerei nahmen die stolzen künftigen Betreiberinnen selbst vor: "Hope" – Hoffnung.

Nach der Grundausbildung der fünf Bäckerinnen bot der Weltfrauentag nun den perfekten Anlass, ein paar Tage danach ein Projekt zu eröffnen, in dem geflüchtete Frauen durch eigene Arbeit unabhängig werden können. In fröhlicher Stimmung und unter großer Beachtung der Bewohnerinnen und Bewohner des Flüchtlingscamps wurde die Eröffnung der Bäckerei und des Cafés "Hope" gefeiert.