Interview

Reitz über "Die andere Heimat": Die Welt braucht Träumer

Michael Baas

Von Michael Baas

Fr, 25. Oktober 2013 um 00:00 Uhr

Kino

Edgar Reitz’ neuer Film "Die andere Heimat" wird in Deutschland, Italien und Frankreich als Meisterwerk gefeiert. Ein Interview über Provinz, Außenseiter und den Stellenwert der Sehnsucht.

Bei den Literaturtagen im Hotel Römerbad in Badenweiler hat Michael Baas den Regisseur getroffen und befragt.

BZ: Herr Reitz, in der Heimattrilogie erzählen Sie deutsche Geschichten des 20. Jahrhunderts. "Die andere Heimat" geht dagegen weit zurück ins 19. Jahrhundert. Ist die Gegenwart uninteressant?
Reitz: Nicht im Mindesten. Diese Geschichte ist viel aktueller als das, was vorher erzählt wurde. Migrationsbewegungen beherrschen die Welt und sind ein großes Problem unserer Zeit. Ich habe in Badenweiler eine Ethnologin getroffen, die bestätigt, dass der Background in Afrika heute noch derselbe ist, wie der, den die andere Heimat zeigt. Es braucht da nur wenig Übersetzung.

BZ: War Migration tatsächlich das zentrale Motiv für die andere Heimat?
Reitz: Nein; so wenig wie es bei den früheren Filmen Intention war, Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts zu verfilmen. Wer hinsieht, erkennt, dass ganz andere Geschichten erzählt werden.

BZ: All diese Geschichten verorten Sie seit dreißig Jahren im Hunsrück, wo Sie herkommen. Ist das Ihre Art der Heimatverbundenheit?
Reitz: 1952 mit 19 Jahren bin ich aus der Region weggegangen, und zwar mit dem Entschluss nicht mehr zurückzukehren. Dabei ist es geblieben. Ich habe im Hunsrück keine feste Bleibe, kein Zuhause …

BZ: Sie hatten aber einen Bruder, Guido, der dort lebte und Parallelen hat mit Jakob, der Hauptfigur der anderen Heimat.
Reitz: Es ist richtig, dass mein Bruder, der 2008 gestorben ist, im Dorf unserer Eltern geblieben ist und deren Uhren- und Schmuckgeschäft weitergeführt hat. Er war sonderbar. ...

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