Außengastronomie

Kippt in Freiburg das Verbot der Heizstrahler?

Otto Schnekenburger

Von Otto Schnekenburger

Sa, 12. September 2020 um 16:53 Uhr

Südwest

Wegen Corona wollen Wirte im Winter draußen Plätze anbieten. Freiburg erwägt nun, das Verbot von Heizpilzen aufzuheben. Trotz des hohen CO2-Ausstosses haben auch Umweltschützer Verständnis.

Lieber noch mehr zur Klimaerwärmung beitragen oder das Aus von Gastronomen in Kauf nehmen? Zwischen zwei Übeln scheinen Kommunen derzeit wählen zu müssen. Es geht um die Nutzung von Heizgeräten im Außenbereich von Gaststätten. Freiburg etwa hat sie verboten, prüft aber eine Aussetzung.

Die Problematik ist eindeutig. Man muss nicht vom Fach sein, um zum Schluss zu kommen, dass es umweltschädlich ist, in den kalten Monaten draußen zu heizen. Dennoch mehren sich Stimmen, die sich dafür aussprechen, in der bevorstehenden Kälteperiode wegen Corona ein Auge zuzudrücken. Nach wie vor betreten Gäste ungern die Innenräume von Restaurants und Kneipen, während sich die Biergärten im Sommer 2020 wieder – soweit erlaubt – gefüllt haben. Viele angeschlagene Wirte klagen jetzt, dass der Winter ihr Aus bedeuten kann.

Hoffmeister-Kraut und Kuhn für eine Aussetzung

Im Land hört man die Signale: Fritz Kuhn, grüner Oberbürgermeister von Stuttgart, wo die Heizpilze verboten sind, will den Gastwirten mit einer Ausnahmegenehmigung helfen. Auch Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) appellierte schon an die Kommunen, Heizpilze zumindest für ein Jahr zuzulassen. "Es muss jetzt alles daran gesetzt werden, das Überleben der Betriebe dieser hart getroffenen Branche zu sichern", so Hoffmeister-Kraut.

In Freiburg ist das bestehende Verbot sehr weit gefasst. Es betrifft laut der Sondernutzungsrichtlinie sowohl gas- als auch elektrobetriebene Geräte. Dieses Verbot betreffe ausschließlich öffentliche Freisitzflächen, sagt Pressesprecher Toni Klein. Etwa ein Viertel der Gastro-Außenbereiche in der Innenstadt seien in öffentlicher Hand, beispielsweise die Betriebe im sogenannten Bermuda-Dreieck. Der größte Teil liege aber auf privaten Flächen. "In Anbetracht der angespannten wirtschaftlichen Situation vieler Gaststätten sowie der Entwicklung der Pandemie prüft die Stadtverwaltung derzeit die temporäre Aussetzung des Verbots. In der durch die Corona-Pandemie bedingten Ausnahmesituation sehen wir eine zeitliche Verlängerung der Außenbewirtung als wichtigen Faktor zur Verringerung des Infektionsrisikos an", so Klein. Letztlich abstimmen muss der Freiburger Gemeinderat, das Thema soll auf die Tagesordnung einer der nächsten Sitzungen kommen. Der Rat habe im Übrigen schon mehrere den Gastronomen nützenden Maßnahmen beschlossen.

Kommunen sollen selbst entscheiden

Die Stadt Lörrach hat kein Verbot von Heizgeräten erlassen. Dieses war bisher nicht notwendig, da nur wenige Gastronomen diese aufgestellt haben, so Jacqueline Grundig von der Medienabteilung. Die Situation habe sich coronabedingt geändert, die Verwaltung rechne damit, dass viele Wirte ihren Außenbereich mit Heizpilzen ausstatten wollen. Laut Oberbürgermeister Jörg Lutz soll das diesen Winter erlaubt sein. Der Verkehr dürfe aber nicht behindert werden. Elektronische Heizstrahler seien in Emmendingen derzeit genehmigungsfähig, gasbetriebene Strahler dagegen nicht, informiert Pressesprecherin Jacqueline Schoder. Die Stadt würde eine flächendeckende Lösung für Baden-Württemberg befürworten. Von Seiten des Wirtschaftsministeriums heißt es, dass man diese Entscheidung den Kommunen überlassen will. Zu unterschiedlich seien die Gegebenheiten vor Ort.

"Sie müssen bedenken, dass wir zwei Monate lang gar nicht bewirten durften, weiter die Abstandsregeln gelten und viele Menschen sich nicht in die Innenräume trauen."Alexander Hangleiter, Geschäftsführer Dehoga
Alexander Hangleiter, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverband Landesverbandes (Dehoga) mit Sitz in Freiburg, hält ein Aussetzen bestehender kommunaler Verbote für gerechtfertigt, weil manche Betriebe sonst überfordert sind. "Sie müssen bedenken, dass wir zwei Monate lang gar nicht bewirten durften, weiter die Abstandsregeln gelten und viele Menschen sich nicht in die Innenräume trauen." Allerdings sei nicht eindeutig, wie die Freiburger Gastronomen auf eine Freigabe reagieren. "Es gibt auch Häuser, denen die Anschaffungs- und Unterhaltskosten der Geräte zu hoch sind. Oder die eine ökologisch denkende Kundschaft haben, die eine Anschaffung nicht akzeptiert."

Aber es gibt in Freiburg auch Gastronomen, die eine Freigabe von Heizpilzen erwarten. "Wir sind sehr interessiert", sagt Simon Berg, operativer Leiter der Toni-Schlegel-Häuser, zu denen das Deutsche Haus, das Greifenegg-Schlössle mit Kastaniengarten, der Rappen und der Brauereiausschank am Münster, sowie Webers Weinstube gehören. "Wir sind fünfmal von der Corona-Krise betroffen", sagt Berg. In einem "normalen Sommer" würden 200 Mitarbeiter beschäftigt werden, "Generationen haben sich hier das ganze Studium finanziert". Jetzt aber könnte ein Winter ohne Außengastronomie "der Nagel auf dem Sarg" für diese und weitere Betriebe bedeuten.

Bei Gastronomen am Münsterplatz werde deshalb bereits die Idee eines beheizten Zeltes auf dem Münsterplatz mit Heizgeräten diskutiert. "Das könnte auch einer Firma für Messeaufbau ein wenig helfen", argumentiert Berg. "Und außerdem bezahlen wir unserer Außenflächen auch das ganze Jahr, ob wir sie nutzen oder nicht."

Warme Decken statt Heizstrahler?

Selbst beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist ob der dramatischen Situation trotz des Ressourcenverbrauchs der Geräte Verständnis für das Anliegen der Wirte auszumachen. "Unsere Klientel ist die Umwelt", betont Stefan Auchter, Geschäftsführer vom BUND-Regionalverband Südlicher Oberrhein. Wegen des hohen Kohlendioxidausstoßes der mit Gas betriebenen Heizpilze oder des Stromverbrauchs von elektrobetriebenen Anlagen sei klar, dass der BUND Verbote von Kommunen wie in Freiburg erst einmal begrüße. Mit Blick darauf, dass eine Anschaffung für viele Betriebe nun existenziell sei, kann er sich aber eine Ausnahme für die nächsten Monate vorstellen.

Die sollte für ihn aber einen Kompromiss auf freiwilliger Basis mitbeinhalten. "Die Wirte sollten dieses Entgegenkommen im Gedächtnis behalten und im Nachgang von Corona ihre Stromanbieter wechseln, auf CO2-neutrale Stromanbieter umsteigen." Schließlich seien die Kostenunterschiede zu herkömmlichem Strom gar nicht mehr so groß. Noch lieber sind Auchter umweltverträgliche Lösungen: "Wirte können auch warme Decken an ihre Gäste verteilen und Windschutz im Außenbereich aufstellen."

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