Knapp 500 wollen Habeck erleben

Susanne Kerkovius

Von Susanne Kerkovius

Mo, 13. September 2021

Offenburg

Der Co-Bundesvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen sprach zur Unterstützung des örtlichen Grünen-Kandidaten auf dem Marktplatz.

. Ungefähr 500 Interessierte haben sich am Samstagvormittag auf dem Offenburger Marktplatz eingefunden, um dem Co-Bundesvorsitzenden der Grünen, Robert Habeck, zuzuhören. Empfangen von den Klängen der Band "Feeling Fury" und vorgestellt vom Ortenauer Grünen-Kandidaten Thomas Zawalski, traf Habeck auf ein sehr zugewendetes Publikum.

Zawalski, der sich in seinem "Ortenauer Dialog" in den vergangenen Wochen vor Ort mit Anliegen unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen vertraut gemacht hatte, bereitete inhaltlich den Boden vor: Pflegenotstand, Umbau der Industrie, Digitalisierung, Klimawandel. "Es brennt, die Erde brennt, die Ortenau brennt, und wir wissen nichts anderes, als auszurechnen, wie viel das Löschen kostet", packte er die Klimakrise regionalisierend in ein metaphorisches Bild.

Habeck fächerte in seiner einstündigen, klar und im Ton sachlich gehaltenen Rede eine ganze Palette zusammenhängender Felder auf, die es zu beackern gelte. Bei allem Respekt vor der Lebensleistung der Kanzlerin sei klar: So könne es nicht weitergehen mit der "Politik des Aussitzens, Wegduckens, Abwartens". Es müsse gestaltet, nach Antworten gesucht werden. "Sie kennen mich!" sei kein Wahlprogramm, sondern ein Politikstil der Verantwortungslosigkeit angesichts einer umfassenden Klima- Gesellschafts- und Politikkrise. Wer politische Verantwortung übertragen bekommen habe, trage eine moralische Verpflichtung und müsse auch zu seinen Fehlern stehen.

Das Wegducken nach einem gescheiterten Afghanistan-Einsatz beispielsweise führe zu einem massiven Vertrauensverlust in die Verantwortungsträger bei der Bevölkerung. Gleichzeitig "schreit der gesellschaftliche Diskurs nach neuen Regeln", Hass und Hetze im Netz mache Angst und führe dazu, dass man sich bedeckt halten wolle. Man müsse auch Fehler machen dürfen und sei auf die "Großmut" der anderen angewiesen. Politiker brauchten "einen moralischen Kompass" und müssten "charakterlich gefestigt" sein. Sein persönliches Vorbild hier sei Landesvater Wilfried Kretschmann, kein Taktierer, sondern ein verlässlicher, an der Sache orientierter Politiker.

Dass Deutschland nur für zwei Prozent der CO2-Emissionen weltweit verantwortlich sei, entbinde nicht von der Verpflichtung hier voranzugehen. Eine Vorreiterrolle gebe ein moralisches Druckmittel gegenüber anderen Nationen an die Hand. Das Wort "Klimakrise" treffe den Kern der Sache nicht, es gehe um die Menschen, ihre Freiheit, um die Demokratie. Das hätten die Richter des Bundesverfassungsgerichts als Begründung für ihr Urteil bezüglich des zu langsamen Tempos bei der CO2-Reduzierung in den Vordergrund gestellt. Denjenigen, die sich vor zu großen Eingriffen des Staates aus klimapolitischen Motiven heraus fürchten, hielt Habeck entgegen: "Freiheit bedeutet nicht, keine Regeln zu haben, sondern über sich selbst bestimmen zu können." Um die Freiheit nachfolgender Generationen zu erhalten, müssten die Regeln immer wieder der Realität angepasst werden. "Wenn hier eine Partei die besseren Ideen hat als wir Grüne, dann werde ich das anerkennen und der Punkt geht an sie!"

Danach gab es noch Zeit zur Beantwortung von Publikumsfragen, die die Kreisvorsitzende Elisabeth Schilli eingesammelt hatte. Die Frage nach der Rolle der Geschlechtergerechtigkeit im Programm der Partei war schnell beantwortet: Frauenquote im Bereich der Aufsichtsräte, Ende der Ungleichbezahlung. Bei der Frage nach der Einschränkung der Grundrechte in der Pandemiebekämpfung sagte Habeck: "Jetzt gilt es, die jungen Menschen nach Kräften zu fördern, denn sie haben wegen der Einschränkungen große Opfer bringen müssen". Bezüglich der Rentenpolitik warnte Habeck, keine Spaltung aufkommen zu lassen, und stellte eine "solidarische Rentenpolitik" in Aussicht. Viel Beifall vom konzentriert lauschenden Publikum.