Halloween extrem

Landwirt liefert 160.000 Kürbisse an den Europa-Park

Katja Rußhardt

Von Katja Rußhardt

Mo, 23. September 2019 um 16:19 Uhr

Schwanau

Der Sonntag Er ist der Mann für die Halloween-Deko: Landwirt Peter Rauer aus Schwanau hat in diesem Jahr bereits 160.000 Kürbisse im Europa-Park abgeliefert. Es können aber auch noch mehr gewesen sein.

Warzig, knubblig, tellerförmig, giftig grün: Riesige Mengen kunterbunter Kürbisse braucht der Europapark Rust für seine Halloween-Dekoration vom 28. September bis zum 3. November. Peter Rauer aus Schwanau-Wittenweier liefert 160.000 Exemplare – oder ein bisschen mehr.

Erdnüsse auf einem riesigen Kürbis? "Die Oberfläche sieht tatsächlich so aus", lacht Peter Rauer und streicht mit der Handfläche über den Galeuse d’Eysines. Ein warziger französischer Kürbis ist das, ebenso perfekt als Dekoration für Halloween wie sein giftig-grüner, von Knubbeln übersäter Nachbar. "Ich habe zurzeit 85 verschiedene Sorten. Für einen schönen Kontrast von jedem Kontinent ein paar Exemplare", erklärt der Landwirtschaftsmeister aus Schwanau-Wittenweier. Graue Sorten seien in Australien und Neuseeland beheimatet, grüne und kalebassenartige finde man in Asien und flache weiße und rote Räder in Frankreich.

Im Kürbisgeschäft seit den 90ern

Dass sich in seinem landwirtschaftlichen Betrieb einmal alles um den Kürbis drehen würde, hätte sich Peter Rauer – genannt Rauerbauer nach seiner gleichnamigen Firma – nie träumen lassen.

Spargel und Getreide baute Rauer seit 1991 an, Kürbisse kannte er allenfalls als Viehfutter. Pachtfläche hatte sein Schwiegervater damals nicht nur in der Gemarkung Wittenweier, sondern auch in Kappel und Rust. Dort expandiert der Europa-Park seit Mitte der 1970er Jahre. "Uns ging dadurch Fläche verloren und ich fragte damals bei Familie Mack nach, ob sie vielleicht etwas für uns hätten". Ende der 1990er Jahre kommt es tatsächlich zu einer Zusammenarbeit der besonderen Art: Peter Rauer wird neben elf weiteren Landwirten vom Leiter der parkeigenen Gärtnerei gefragt, ob er sich vorstellen könne, Kürbisse zur Dekoration der Halloween-Party zu liefern.

"Ich hatte noch keine Erfahrung mit Zierkürbissen, bekam Setzlinge aus der Gärtnerei", erinnert er sich. Im ersten Jahr sei die Ernte mit nur einem Kubikmeter Kürbis von 6000 Quadratmeter Anbaufläche denkbar spärlich gewesen. Rund sechs Anhänger liefert Rauer mit seinem Schlepper in der Anfangszeit nach Rust: "Damals ging das noch mit der eigenen Mannschaft, die Gärtner vom Park und die Parkmitarbeiter haben dann dekoriert."

Harte Schale, weicher Kern

Doch die Begeisterung der Parkbesucher für das amerikanische Fest wächst – und mit ihr der Bedarf an Kürbissen. Rauer und sein Team säen bald schon Kürbissamen selbst aus, auf seinen Feldern wachsen zehn Sorten spezieller Halloweenkürbisse, die sich durch festes Fleisch und eine harte Schale auszeichnen: wichtige Eigenschaften für natürliche Dekorationsobjekte, die acht Wochen im Freien liegen und dabei möglichst hübsch aussehen müssen. 25 Jahre Erfahrung hat Rauer und dabei "schon Lehrgeld zahlen müssen". Hagelschaden kann die Ernte ebenso beeinträchtigen wie Raben, die Keimlinge auf dem sechs Hektar großen Areal aus dem Boden ziehen.

Ware ohne Macken in perfekter Optik und mit optimalem Reifegrad zu liefern, ist für ihn eine Herausforderung. Als Absicherung dient dabei seine Kooperation mit vier Kollegen, die für ihn als Vertragsanbauer auf Flächen von Achern bis Bad Krozingen arbeiten. Saisonarbeiter und Mitarbeiter aus dem Ort unterstützen ihn beim Ernten. "Wir haben jeden Kürbis mindestens sechsmal in der Hand. Dreimal wird er durch Wasser gezogen, geschrubbt und getrocknet", schildert Rauer das aufwändige Prozedere. Durch die Verlängerung der Halloween-Saison im Europa-Park sei die Dekoration seit vier Jahren darüber hinaus auch keine "Über Nacht-Aktion" mehr, sondern ziehe sich über zwei Wochen. Die ersten Kürbisse hat er am 2. September bereits nach Rust gebracht, mittlerweile haben sich dort 160.000 Kürbisse zu den in der Parkgärtnerei angebauten Exemplaren gesellt. Doch noch ist nicht Schluss: "Dieses Jahr nimmt kein Ende, im Park wird mehr gebraucht, als berechnet", sagt Peter Rauer, der derzeit noch Figuren aus Draht mit kleinen Kürbissen bestückt.

Die ganze Pracht geht nach der Halloween-Saison nicht etwa verloren: "Ungefähr 30 Prozent werden als Souvenir mitgenommen, wandern in Handtaschen und Rucksäcke." Was übrig bleibt, wird verschenkt. Am letzten Besuchertag vor der Umbaupause zur Wintersaison dürfen Parkbesucher so viel mitnehmen, wie sie tragen können. "Nichts kommt auf die Müllhalde", freut sich Rauer, "erst der letzte, nicht mehr verwendbare Rest geht in die Kompostierung."

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